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Nürnbergs erstes Elektrizitätswerk

Nürnbergs erstes Elektrizitätswerk wurde einst in der Tullnau, gegenüber der nicht mehr existierenden Zeltner-Brauerei (heute Noricus) errichtet. Als erstes Elektrizitätswerk in Bayern war es mit einer modernen Wechselstromanlage ausgestattet. Heute (2010) ist das Bauwerk verpachtet und beheimatete bis Juni 2010 einen Betrieb für Nachtschwärmer, die Diskothek "nachtpalais".


Sigmund Schuckert nahm am 7. Juni 1882 in Nürnberg drei Bogenlampen in Betrieb, die den Josephsplatz und einen Teil der Kaiserstraße hell erleuchteten (durch diese Maßnahme wurden 35 Gaslampen ersetzt). Der Fischbach spielte zu dieser Zeit zwar keine wirtschaftliche Rolle mehr, war aber als Energielieferant noch bestens geeignet. Schuckert baute in der Almosenmühle eine Turbine ein, welche einen Dynamo antrieb, der wiederum den Strom für die Beleuchtung lieferte. Damit hatte die Elektrifizierung in der Noris einst begonnen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als sich Nürnberg zur führenden Industriestadt Bayerns entwickelt hatte, beauftragte die Stadt Oskar von Miller mit der Planung einer "elektrischen Zentralanlage". Miller, der Gründer des Deutschen Museums in München, legte 1894/95 zwei Vorschläge für das Elektrizitätswerk vor. Als Standort kamen die Tullnau oder das Areal des ehemaligen Katharineklosters in Frage. Man entschied sich dann für das Gelände an der Tullnaustraße, weil es a) über einen Eisenbahnanschluss verfügte und b) außerhalb der Innenstadt lag und somit eine Belästigung durch Rauch und Ruß ausgelagert wurde.

Im März 1895 beauftragte die Stadt, unter Federführung des ersten Bürgermeisters Georg von Schuh, die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (EAG), vormals Schuckert & Co., mit der Realisierung des Projekts – die Gesamtleitung unterlag Oskar von Miller. Das Grundstück an der Tullnaustraße, dass außerdem als städtisches Materiallager diente, bot auch genügend Platz für eventuelle Erweiterungen.

Geplant wurde das Werk für drei Generatoren mit einer Leistung von 690 Kilowatt, angetrieben von Dampfmaschinen mit jeweils 500 PS. Schon vor Inbetriebnahme am 24. April 1896 wurde auf Anraten Millers ein vierter Maschinensatz nachbestellt. Der Techniker hatte vorhergesehen, dass der Strombedarf stark zunehmen würde. Die Baukosten beliefen sich auf knapp 1,2 Millionen Mark, als Direktor wurde Philipp Scholtes eingesetzt, ehemals bauführender Ingenieur der EAG.

Bereits im ersten Betriebsjahr wurde Strom für 1.102 Kunden ins Netz gespeist. Meist waren die Abnehmer mittelständische oder kleine Betriebe. Mit einer Leistung von 920 Kilowatt lieferte das Werk Strom für 2.955 Glühlampen und 545 Bogenlampen der städtischen Straßenbeleuchtung, sowie Energie für 123 Elektromotore. Hiermit konnte für das Jahr 1896 ein Gewinn von 16.000 Mark erwirtschaftet werden. Größere Unternehmen verfügten anfangs teilweise über eine eigene Stromerzeugung. Auch das Straßenbahnnetz besaß ein eigenes Elektrizitätswerk an der Fürther Straße.

Der ständig wachsende Strombedarf machte eine Kapazitätserweiterung notwendig. Ein Jahr nach Inbetriebnahme leistete der städtische Betrieb die doppelte Menge an Energie. Bei der Abrechnung wurde unterschieden zwischen "Lichtstrom" und "Kraftstrom". Anfangs kostete der Beleuchtungsstrom siebzig Pfennig pro Kilowattstunde, die Abnehmer von Kraftstrom für den Antrieb von Maschinen und Motoren zahlten zwanzig Pfennig. Eine Preisreduzierung mit gestaffelten Rabattpreisen und einem Doppeltarif wurde erst 1906 eingeführt.

Eine erneute Leistungserhöhung auf 3.050 Kilowatt erfolgte im Jahr 1900. Auch schon zu damaliger Zeit war die Luftverschmutzung ein Thema in der Bevölkerung. Einer Forderung der Bürgerschaft von 1903 wurde entsprochen und der Betrieb von Fett- auf Magerkohle umgestellt.

Obwohl das Wasserkraftwerk Hammer zusätzlich Energie lieferte, stieß man im Elektrizitätswerk Tullnau 1910 an Kapazitätsgrenzen. Ebenfalls ausgelastet war das Kraftwerk in Fürth, sowie die Fränkische Überlandzentrale in Ansbach. Es gab einige Vorschläge wie man den ständig steigenden Strombedarf langfristig decken könnte. Miller favorisierte eine Lösung, die den Ausbau der Wasserkraftwerke von Lech und Isar vorsah, um den Energiebedarf von Mittelfranken abzusichern. Sein Gegenspieler, Geheimrat Kittler aus Darmstadt, sprach sich für ein Wärmekraftwerk aus. Durchsetzen konnte sich schließlich der Vorschlag der Elektrizitäts-AG (EAG), die für ein gemeinsames Großkraftwerk plädierte.

So gründete man 1911 die Großkraftwerk Franken AG (GFA), an der die Stadt Nürnberg 51% der Aktien hielt. Weitere Aktionäre waren die Stadt Fürth (23%) sowie die EAG (26%). Nachdem das neu erbaute Werk in Nürnberg-Gebersdorf am 19. April 1913 ans Netz ging, hatte das alte E-Werk nach 17 Jahren ausgedient. Die Fränkische Überlandwerk AG als Träger, zuständig für die Stromverteilung, ließ den Backsteinbau an der Tullnaustraße 1914 zur Abnahmestation umrüsten. Das Gelände wurde weiterhin auch als Betriebshof und Lager genutzt. Nachdem sich auf dem Areal über die Jahre hinweg einige Materialien der Nürnberger Elektrizitätsgeschichte angesammelt hatten, wurde in einem Schuppen ein "Kabelmuseum" eingerichtet (geöffnet nur auf Anfrage oder für Schulklassen).

Bis 1997 nutzte die städtische Energie- und Wasserversorgungs AG (EWAG) das Gebäude noch als Lager. Danach wurde der Bau verpachtet und beheimatet bis Juni 2010 die eingangs erwähnte Diskothek "nachtpalais". Relikte aus dem ehemaligen E-Werk wurden dem Centrum Industriekultur übergeben. Im Gegensatz zum benachbarten, bereits abgerissenen Milchhof, steht das Gebäude nicht unter Denkmalschutz. Nach dem Willen der Stadtverwaltung soll es aber erhalten bleiben.

P.S. Auch das erste Gaswerk Bayerns war seit dem 1. Dezember 1847 am Nürnberger Plärrer in Betrieb.



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Text: mw
Fotos:
Verwendete Literatur: GES, SLN; Nürnberger Zeitung v. 20.06.2009, Clemens Helldörfer: "Das erste Elektrizitätswerk Nürnbergs stand in der Tullnau – Im Sonntagsanzug vor dem Generator."

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