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Nürnberg

Das ehemalige Gaswerk in Nürnberg

Bayerns erstes Gaswerk stand ehemals am Nürnberger Plärrer, auf dem Gelände zwischen Rothenburger Straße, Fürther Straße und Rochusfriedhof. Gebaut wurde die Anlage ursprünglich zur Versorgung der städtischen Gaslaternen. Da die Stadt anscheinend das Investitionsrisiko scheute, wurde die private Karlsruher Firma Barlow, von Forster & Co. mit dem Bau beauftragt. Diese verkaufte ihre Konzession mangels Kapital schon kurz nach Baubeginn an den Stuttgarter Ingenieur Gaspard Dollfuß.


Nachdem das Gaswerk am Plärrer am 1. Dezember 1847 in Betrieb ging, wurde es bereits 1848 an die Nürnberger Gasbeleuchtungsgesellschaft verkauft. Ein anderer privater Betreiber, die Firma Spreng, Sonntag und Mayer, übernahm den Betrieb 1851. Georg Zacharias Platner, der ehemalige Direktor der "Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft-Nürnberg", der sich von Anfang an finanziell an diesem Projekt beteiligt hatte, verlor bei der Übernahme 45 Prozent seines eingelegten Kapitals in Höhe von 100.000 Gulden.

Die Ludwigseisenbahn, deren Nürnberger Bahnhof in unmittelbarer Nähe lag, profitierte von dem neuen Gaswerk. Da eine Gasleitung durch das Bahngelände verlegt werden musste, stattete man den Ludwigsbahnhof im Gegenzug mit einer 15-flammigen Gasbeleuchtung aus. 1851 wurde schließlich ein Vertrag mit der Eisenbahngesellschaft geschlossen, der die Kohleanlieferung umfasste. Hierfür legte man eigens eine Drehscheibe und ein 80 Meter langes Stichgleis ins Werksgelände an. Dadurch entfiel die umständliche Anlieferung mittels Fuhrwerken und die Ludwigsbahn hatte ein zweites Standbein, den regelmäßigen Güterverkehr. Nachdem das Werksgleis 1871 um 30 Meter verlängert worden war, hatte man gleichzeitig eine Gleiswaage mit eingebaut. 1880 wurden auf diesem Weg 10.000 Tonnen, acht Jahre später 20.000 und 1904 60.000 Tonnen Kohle umgeschlagen.

Ein Nadelöhr war von Anfang an die Drehscheibe auf die immer nur ein Waggon passte, was eine zügige Anlieferung erschwerte. Ab 1890 wurde die Drehscheibe durch eine Weiche ersetzt und ein neues, 100 Meter langes Gleis ins Gaswerksgelände verlegt, was die Kohlelieferung, sowie Rangierbedingungen erheblich erleichterten.

Nachdem die Stadt erkannte, dass die privaten Gaswerk-Betreiber, wohl aus wirtschaftlichen Gründen, Modernisierung und Wartung der Straßenbeleuchtung eher schleppend durchführten, wollte man die Gasversorgung in kommunale Hände nehmen. Nach Ablauf der Konzession ging das Gaswerk am 1. Oktober 1871 in städtischen Besitz über. Die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen ab diesem Zeitpunkt stießen nicht überall auf Gegenliebe. Anwohner klagten über Geruchsbelästigung, sowie Schadstoffbelastung des Trinkwassers.

Da sich Nürnberg in Zeiten der Industrialisierung enorm entwickelte, stieß man am Plärrer bald an Kapazitätsgrenzen. Längst hatte sich Gas auch in anderen Anwendungsbereichen etabliert. Abhilfe konnte hier auch nicht der Zukauf eines kleinen, privaten Gaswerks in Doos schaffen, dass nur über geringe Ausstoßmengen verfügte.

Da eine Erweiterung am alten Standort aus Platzmangel nicht möglich war, machte man sich 1898 auf die Suche nach einem neuen Grundstück. Fündig wurde man in Sandreuth, wo sich bereits der Hauptsammler der Stadtentwässerung befand. Auch verkehrstechnisch war dieses Areal bestens angebunden. Es wurde umrahmt vom Ludwigskanal und den Eisenbahnstrecken nach München und Stuttgart. Kohleanlieferung wäre somit auch per Schiff möglich gewesen, wie anfangs geplant. Eine Rettung für die bereits überholte Wasserstraße? Nein.

Man dachte bereits in anderen Dimensionen. Das neue Gaswerk in Sandreuth, am 1. Oktober 1904 eröffnet, erhielt von Anfang an eine moderne Werksbahn. Im Gegensatz zu den 100 Metern am Plärrer, wurden auf dem neuen Areal 4.000 Meter Schienennetz verlegt. Neben fünf Parallelgleisen, Drehscheibe und sieben Weichen, verfügte die Werksbahn auch über eine moderne Waggonkippanalage, was mühsames Entladen per Schaufel überflüssig machte.

Das alte Gaswerk am Plärrer stellte seinen Betrieb am 23. Januar 1905 ein. An seiner Stelle entstand das 1913 fertig gestellte Volksbad, dass derzeit (2008) immer noch auf einen Investor wartet.

Auf dem neuen "Städtische Industriegelände", dass sich damals noch bis zur heutigen Nopitschstraße ausdehnte, waren nach 1920 ca. 30 Firmen ansässig. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde das Gaswerk in Sandreuth nach Kriegsende vereinfacht wieder aufgebaut und 1954-58 umfassend erweitert. Nachdem die Nürnberger Gasversorgung seit 1973 auf Erdgas umgestellt wurde, legte man die Erzeugungsanlage am 18. Juli 1975 still.

Ein Teil der Städtischen Werke, besser unter dem Namen N-Ergie bekannt, sind noch immer auf dem Gelände ansässig. Längst verschwunden sind der Gaskessel und die Werksbahn, obwohl die Gleisanlagen noch genutzt werden. Zwei Werkslokomotiven vom Typ Ploxemam tun heute noch im Wiesenttal, auf der dortigen Museumsbahn (DFS) ihren Dienst.

Die altehrwürdigen, denkmalgeschützten Gebäude auf dem Areal wurden in den 1980er Jahren liebevoll renoviert und stehen nun für Veranstaltungen unterschiedlichster Art zu Verfügung. Neben Wasserturm, Gasreiniger- und Verwaltungsgebäude sticht besonders das Uhrenhaus ins Auge, dass mehrfach mit Denkmalschutzpreisen ausgezeichnet wurde. Gleich nebenan erzeugt seit 1982 ein modernes Heizkraftwerk Strom und Fernwärme. Dort wo sich einst der Ludwigskanal gen Nürnberger Hafen schlängelte, bewegen sich Autokolonnen Richtung Innenstadt oder Fürth/Erlangen/Bamberg. Er musste dem Frankenschnellweg weichen.


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Text: mw
Fotos:
Verwendete Literatur: LUE, SLN

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