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Milchhof Nürnberg

"Der Milchhof galt als europaweit größte und modernste Einrichtung ihrer Art und ist bis heute ein Beispiel geglückter Industriearchitektur." Dieser Satz aus dem Stadtlexikon Nürnberg (Ausgabe 1999) ist heute Geschichte. Der Milchhof wurde 2008 dem Erdboden gleich gemacht und wird in den nächsten Jahren neu bebaut. Der Gebäudekomplex stand unter Denkmalschutz.


Die Bayerische Milchversorgung GmbH hatte ihren Ursprung in der 1915 gegründeten "Milchzentrale der Stadt Nürnberg GmbH", die 1921 mit der "Fürther Milchzentrale" zur "Gemeinnützigen Milchversorgungszentrale der Städte Nürnberg-Fürth mbH" fusionierte. Die Umbenennung zur "Bayerischen Milchversorgung GmbH" erfolgte am 22.03.1930 nach Einbeziehung der Stadt Regensburg.

Geplant hatte das Gebäude Otto Ernst Schweizer der auch für andere vorbildliche Bauten Nürnbergs verantwortlich zeichnete (Altes Arbeitsamt, Planetarium, Stadion). Der am 1. Dezember 1930 eröffnete Bau an der Kressengartenstraße war die Hauptanlage der Bayerischen Milchversorgung. Weithin sichtbar war der 76 m hohe Eisenbetonschornstein der Kühlwasseranlage. An ihn schloss sich das 108 m lange Betriebsgebäude mit einem imposanten Dach in Faltwerkkonstruktion an. Das am Wöhrder Talübergang gelegene Verwaltungsgebäude in Skelettbauweise wurde bereits vor Jahren restauriert und ist heute einziges Überbleibsel des Nürnberger Milchhofs.

Der Anfang vom Ende zeichnete sich ab 1995 ab. Das seit 1988 als Bayerische Milchunion firmierende Unternehmen verlegte den Produktionsstandort nach Zapfendorf bei Bamberg. Als reine Vertriebsorganisation verblieb lediglich die Milchunion Nürnberg GmbH als Tochterunternehmen.

Seit der Stilllegung gab es viele Pläne und Konzepte für eine Neunutzung des Areals. Eine Musical-Halle mit Produktionen a la "Cats" sollte entstehen, ebenso war eine themenbezogene Einkaufswelt mit Restaurants und Cafés im Gespräch. Ein anderer Plan sah die Bebauung mit einem fünfstöckigen Bürogebäude vor, die Produktionshalle sollte aufwändig zum Parkhaus umgebaut werden. Alles Luftblasen der vergangenen Jahre.

Das der Milchhof schlussendlich abgerissen wurde, ist nicht nur den Vandalen und Graffitischmierern zuzuschreiben. Die einstige "Perle des neuen Bauens" wurde von dem Vorbesitzer massiv beschädigt. Dieser ließ zur Entsorgung der großen Stahltanks mittels Kran, die filigrane Faltdach-Konstruktion einfach aufsägen – das denkmalgeschützte Tragwerk war damit unwiederbringlich zerstört. Außerdem wurde die Kupferabdeckung des Daches abmontiert und verwertet. Dass Landesdenkmalschutz und städtisches Baureferat diesem Treiben tatenlos zusahen, bleibt ein Rätsel. Verhindert hätte man die unsachgemäßen Handlungen zwar nicht mehr, aber für eine Schadensersatzklage hätte es noch gereicht. Ein Übriges trug die weitere "Nutzung" des Gebäudes durch Spezialeinsatzkommandos der Polizei bei, die dort den Häuserkampf übten – Stahltüren wurden brachial geknackt, massive Mauern durchbrochen. Auch Feuerwehr und THW nutzten das Gelände als Trainingsareal. Ebenso trugen Witterungseinflüsse, begünstigt durch das zerstörte Dach und die eingeschlagenen Fenster, zum Verfall bei.

Die Nürnberger Stadtheimatpfleger kämpften auf verlorenem Posten – der Abriss schien unausweichlich. Der jetzige Eigentümer, die Münchner Dibag Industriebau AG, ließ ein statisches Gutachten anfertigen, aus dem hervorging, dass eine denkmalschutzgerechte Sanierung nicht tragbar sei. Dibag-Sprecher Rüdiger Berghaus gegenüber den Nürnberger Nachrichten am 12.11.2005: "Das Gebäude ist so zerstört, dass es wirtschaftlich keinen Sinn macht, es zu erhalten." Auch für die Parkhauslösung sieht er wenig Chancen. "Wir prüfen es gerne noch einmal, aber ich glaube kaum, dass wir zu einem anderen Ergebnis kommen. Man schleppt doch bei allen Kalkulationen die fünf Millionen Euro Reparaturkosten mit." Da fragt sich der Autor, ob bei einem Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro (NN, 29.09.2007), die fünf Millionen wirklich ins Gewicht fallen.

Nach langem Hin und Her musste die Stadt (zähneknirschend) dem Abriss zustimmen. Stadtheimatpfleger Herbert May äußerte sich gegenüber den Nürnberger Nachrichten am 29.09.2007 folgendermaßen: "Das ist unglaublich traurig, einfach niederschmetternd. Es wird einen Aufschrei in der Architektur-Szene Deutschlands geben. Denn die Bedeutung dieses Bauwerks reicht weit über die Region hinaus." Nun ja, eine gewisse Mitschuld an der Misere trägt die Stadt Nürnberg schon.

Und so kam, was kommen musste. Der Milchhof wurde ab Anfang 2008 dem Erdboden gleichgemacht. Die Sprengung des Schornsteins erfolgte am 15.03.2008.

Wie bereits erwähnt, plant die Dibag AG beträchtliche Investitionen auf dem 45.000 Quadratmeter großen Gelände. Unter anderem soll dort eine neue Mercedes-Benz Niederlassung entstehen, sowie drei 14-stöckige Bürotürme. Im westlichen Teil sind zwei weitere Bauten für Dienstleister und Einzelhandel geplant. Auch die Fachhochschule ist als künftiger Mieter im Gespräch. Wie die Bebauung letztendlich aussehen wird steht derzeit (Juni 2008) noch nicht exakt fest – Einzelheiten werden noch diskutiert. Wie es weitergeht? Karl Valentin würde sagen: "Prognosen sind bekanntlich immer dann besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen."

Ein letztes Überbleibsel des Milchhofs bleibt uns aber erhalten. Das ehemalige Verwaltungsgebäude in Skelettbauweise an der Kressengartenstraße, das bereits vor einigen Jahren von der Alpha-Gruppe restauriert wurde. Immobilienunternehmer Gerd Schmelzer hat gezeigt, dass es eben auch anders geht. Dies soll kein Vorwurf gegen die Dibag AG sein, aber hätte der Vorbesitzer, die Bayerische Milchunion, mehr Sorgfalt und Verantwortung walten lassen, wäre dem bedeuteten Industriegebäude der Abriss vielleicht erspart geblieben.

Apropos! Mit dem Abriss wichtiger Zeugnisse Nürnberger Industrie-Architektur befindet sich der Milchhof in "bester Gesellschaft" – Paketpostamt weg, Schlachthof weg und vom Tafelwerk existiert auch nur noch ein kümmerlicher Rest.

[Nachtrag, 13.07.2009]
Wie den Nürnberger Nachrichten vom 01.07.09 zu entnehmen war, plant die Dibag den Baubeginn auf dem Milchhof-Areal noch für diesen Herbst. Zumindest mit einem der zwei Bürogebäude soll 2009 noch begonnen werden. Anlässlich der mobilen Bürgerversammlung mit OB Ulrich Maly, die am Milchhof-Gelände erste Station machte, erklärte Wolfgang Kasper von der Dibag: "Wir stehen in sehr konkreten Verhandlungen und sind zuversichtlich, in etwa zwei Monaten zum Abschluss zu kommen. Dann kann es losgehen."

Ob sich die Fachhochschule auch auf dem Areal niederlässt steht noch nicht fest. Laut Kasper ist man dagegen zuversichtlich, dass Mercedes weiterhin an dem Bau einer neuen Niederlassung festhält.

[
Nachtrag, 17.11.2009]
In der heutigen Ausgabe der Nürnberger Zeitung war zu lesen, dass auf einem Teil des Milchhof-Geländes ein Bürogebäude entsteht. Die Volks- und Raiffeisenbank Nürnberg hat das Grundstück von der Doblinger-Gruppe bereits gekauft und will im Frühjahr 2010 mit dem Bau beginnen. Entstehen soll ein acht- bis elfstöckiger Büroturm der die zukünftige Bank-Zentrale beheimatet. Die Planungen laufen bereits und im Dezember sollen Details vorgestellt werden.

Ob sich die Ohm-Hochschule auf dem Areal ansiedeln wird ist weiterhin offen. Es stehen momentan auch andere Standorte zur Debatte. Auch bei Mercedes ist noch leine Entscheidung gefallen. Ob die 30.000 Quadratmeter für die neue Niederlassung überhaupt bebaut werden bleibt fraglich, aber es soll angeblich Anfang 2010 losgehen.

[Nachtrag, 15.02.2010]
Es tut sich was auf dem brachliegenden, ehemaligen Milchhof-Gelände. Letzte Woche legte Eigentümer Dibag den Grundstein für den ersten Bauabschnitt im südwestlichen Teil. Es entsteht ein gläsernes Bürogebäude samt Parkhaus. In etwa einem Jahr wird dort der Nürnberger Software-Entwickler MID in seinen neuen Hauptsitz einziehen.

Man munkelt, dass sich neben der Volksbank Raiffeisenbank auch die Telekom auf dem Areal niederlassen will. In Sachen Fachhochschule soll eine Entscheidung für die Erweiterung in den nächsten Tagen fallen. Dibag-Vorstand Wolfgang Kasper rechnet aber eher nicht damit, dass die Wahl auf das Gelände an der Kressengartenstraße fallen wird. Sollte es so kommen, könnte auf dem Areal ein weiterer Bürobau entstehen.

Nachtrag, 15.03.2010
Die Ohm-Hochschule wird sich nicht auf dem Milchhof-Areal ansiedeln. Wie den NN vom 13. März zu entnehmen war, hat den Dreikampf um den zusätzlichen Standort die Firma Aurelis gewonnen. Das neue Hochschulgebäude soll jetzt auf dem Grundstück an der Bahnhofstraße entstehen, dort wo einst das Paketpostamt stand.


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Text: mw
Fotos: Horst Goßmann, www.fotozierold.de
Verwendete Literatur: Nürnberger Nachrichten v. 12.11.2004, 29.09.2007, 01.07.2009, 11.02.2010; Nürnberger Zeitung v. 17.11.2009; SLN

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