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Herbert Hisel – Humorist

"Jou, werkli" (Ja, wirklich). Diese zwei Worte waren einst eine Art Markenzeichen von Herbert Hisel. Kaum ein Tonträger, ein Live-Auftritt, eine Radiosendung wo diese Phrase nicht gefallen ist, meist sogar mehrfach. Unser "Herbertla" hatte zu seiner Zeit den Status eines Popstars, dennoch gab es in seinem Leben Höhen und Tiefen die der Humorist durchleben musste. Als weit über Nürnbergs Grenzen hinaus bekannter Komiker, führte er eine Existenz zwischen Ruhm und Absturz.


Entgegen anders lautenden Meinungen aus Fürth, wurde Herbert Hisel am 22. Juni 1927 in Nürnberg geboren, dies besagt jedenfalls die Geburtsurkunde. Nach Ableistung seines Wehrdienstes bei den Fallschirmspringern, studierte der Herbert Maschinenbau und war darauf als leitender Ingenieur bei der Grundig AG beschäftigt, nachdem er sich in der Nachkriegszeit als Busfahrer durchschlug. Beim Elektronikkonzern trat er 1953 erstmals als Büttenredner auf. Er brillierte zunächst bei Betriebsfeiern, dann auf Vereinsfesten und in Bierzelten.

Herbert Hisel erkannte durch die ersten Erfolge sein Potential und kündigte 1961 sein Arbeitsverhältnis bei Grundig, um fortan sein Geld als Berufskomiker zu verdienen. Gegenüber den "Nürnberger Nachrichten" begründete er diesen Schritt Jahre später, "dass er gemerkt habe, dass er sein Einkommen im soliden Beruf in einer halben Vorstellung verdienen könne."

Hisel entdeckte in der Schallplatte das perfekte Medium für seine Kunst. 1963 nahm er seinen ersten Vinyl-Tonträger im Nürnberger Dialekt auf. In den Solo-Nummern verarbeitete der Humorist verkorkste Urlaubsfahrten, Erlebnisse aus seiner Militärzeit oder Begegnungen mit der Obrigkeit die dann als Episoden wie "Der Camper", "Der Mopedfahrer", "Der Urlauber" oder "Der Wurstsalat" veröffentlicht wurden. Dem folgten weitere Meisterwerke fränkischen Humors – für acht von ihnen erhielt Hisel eine Goldene Schallplatte für je 50.000 verkaufte Singles.

Kleine Kostprobe aus seinem Programm "Jahrgang 22" – Dialog zwischen Obergefreiten und Offizier:
"Obergefreiter, was machen Sie, wenn Sie auf Posten stehen und es kommt ein Offizier vorbei?"
"Dann präsentier´ ich das Gewehr."
"Gut! Und wenn Sie auf Posten stehen und es kommt ein Haufen betrunkener Soldaten vorbei, was machen Sie dann?"
"Mei, no, da präsentier´ ich auch!"
"Mensch sind Sie verrückt? Wieso denn?"
"Weil bei dem Haufen besoffener Soldaten bestimmt ein Offizier dabei ist ..."

Herbert Hisel arbeitete sich zu einer festen Größe im fränkischen Karneval hoch. Legendäre Höhepunkte jeder Session waren seine Auftritte in den Humboldtsälen und im Fürther Gaismannsaal. Schon 1953 debütierte er bei der Karnevalsgesellschaft Rheinländer-Vereinigung als Büttenredner. 1961 war das "Herbertla" bereits Präsident des Elferrats der Karnevalsgesellschaft "Nürnberger Trichter". Als Aktiver scheidet der Herbert 1966 aus, natürlich standesgemäß als Faschingsprinz "Herbertla I."

Stillstand war nie ein Ding des Herbert Hisel. Neben seinen Plattenaufnahmen und Livedarbietungen trat er im Radio auf und wirkte bei Sex-Schmonzetten wie "Liebe durch die Hintertür" oder "Die liebesstollen Dirndl von Tirol" mit. Auch beim Fernsehen war er ein gern gesehener Gast, so etwa bei Shows wie "Der Blaue Bock" oder Lou van Burgs "Der Goldene Schuss". Mit "Das Wirtshaus an der Grenze" bekam unser Herbertla 1968 sogar eine eigene, deutschsprachige Fernsehsendung beim italienischen Fernsehsender RAI. Darüber hinaus griff der berühmte Regisseur Werner Herzog auf Hisels Talente zurück. Neben Mario Adorf spielte er in dessen Kurz-Spielfilm "Maßnahmen gegen Fanatiker".

Durch seine Singles war der Mundartkünstler Hisel in kurzer Zeit bundesweit bekannt, sodass ihm seine Nürnberger Welt bald zu klein wurde. Bei einem Auftritt in Dortmund hörten ihm 12.000 Fans zu. Selbst das schien dem Herbert noch nicht genug. Im Mai 1964 ging der Nürnberger Humorist auf eine sechswöchige Amerika-Tournee. Achtzehn mal bespielte er Bühnen in Chicago, San Francisco und anderen großen Städten. Später gab er dann auch noch ein Gastspiel im australischen Sydney. Ein Intermezzo als Schauspieler gab er auch auf der Löwinger-Bühne in Wien (um 1970).

Doch der Ruhm hatte auch seine Schattenseiten. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, so hört man, soll er nicht mehr "unser Herbatla" gewesen sein -– er galt eher als unnahbar. In Pyrbaum ließ er sich ein Anwesen bauen, welches so groß und luxuriös war, dass es schlicht als unverkäuflich galt. Auch die "unfeine" Trennung von seiner ersten Frau Irmgard, nachdem er sich der jungen Schauspielerin Sissy Löwinger zuwandte, vergraulte viele Freunde.

Einen herben Schlag erlitt Hisel im Februar 1967, durch den Selbstmord seines Sohnes Gerd. Der Anfang einer Talfahrt? Im September 1969 stürzt Hisel mit seinem Privatflugzeug ab und überlebt schwer verletzt. Dennoch geht er sieben Wochen später auf eine Theatertournee – mit Gipsbein. 1975 endete die Traumkarriere des fränkischen Humoristen. Der Fiskus forderte eine Steuernachzahlung in Höhe 620.000 DM, worauf sich Hisel nach Kanada absetzt. Dort und in den USA hält er sich mit Auftritten vor Deutschstämmigen über Wasser. Seine Beliebtheit schien in der Ferne nicht gelitten zu haben. Neben seinen Darbietungen in deutschen Klubs moderierte er auch eine TV-Show über den deutschen Bundesliga-Fußball. Hisel konnte letztendlich seine Schulden beim Finanzamt begleichen und nach Nürnberg zurückkehren.

Sein ersehntes Comeback in der Heimat erfüllte sich nicht, trotz eines neuen Plattenvertrags samt neuer Langspielplatte. Auch ein Auftritt auf dem Nürnberger Herbstvolksfest am 27. August 1982 verlief kläglich, sodass Hisel wieder nach Kanada zurückkehrte. Kurz darauf, am 21. September 1982 erlitt der Komiker am Steuer seines Autos einen Herzinfarkt, der einen schweren Verkehrsunfall zur Folge hatte. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.

Herbert Hisels Leichnam wurde nach Nürnberg überführt und auf dem Westfriedhof begraben. Das Grab des fränkischen Urgesteins wurde im Frühjahr 2006 aufgelassen. Und so endet hier eigentlich die Geschichte, wären da nicht Freunde und Mitstreiter aus alten Tagen, die dem "Herbertla" eine Gedenkstätte errichteten.

Angeregt hatte dies Hisels Freund, der Unternehmer Rolf Sperl, ein Weggefährte seit Zeiten des "Nürnberger Trichter". Da man die Stadt Nürnberg mit dieser Idee nicht begeistern konnte, wurde auf privater Ebene gehandelt. Der Sage nach, soll die Urne Hisels nach Grabauflösung von einem Verehrer verwahrt worden sein. Real ist die jedoch, dass die Friedhofsverwaltung, namentlich der Verwalter des Westfriedhofs, Georg Reusch, das Grab vor einer Neuvergabe bewahrt hat. Grabmalberater Michael Gärtner hat einen Gedenkstein entworfen, der von der Natursteinfirma Richard Blendinger gestiftet wurde. Die Enthüllung der Gedenkstele fand am 25. November 2008 statt. Was der Herbert dazu sagen würde wissen wir nicht, schmeicheln wird es ihn auf jeden Fall. Jou, werkli!


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Text: mw
Verwendete Literatur: SLN, NN03, Nürnberger Nachrichten 15.11.2008 "Eine Gedenkstele für das Herbertla"

Quellen im Internet:
Herbert Hisel bei Wikipedia.de
Private Fanseite http://www.herbert-hisel.de/


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