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Johann Wilhelm Spaeth – Spaeth & Co.

Johann Wilhelm Spaeth war ein Handwerker der sein Unternehmen patriarchisch führte. Er entwickelte Maschinen die teilweise nur als Einzelstück oder in Kleinserie hergestellt wurden. Lange Zeit versperrte er sich einer fabrikmäßigen Massenproduktion und wurde vom Konkurrenten Cramer-Klett überholt. Als Pionier des "modernen" Verkehrswesens war Spaeth maßgeblich am Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals beteiligt. Der Adler, Deutschlands erste dampfgetriebene Lokomotive, ein Import aus England, wurde in Spaeths Maschinenbaufabrik am Dutzendteich zusammengebaut.


Johann Wilhelm Spaeth wurde 1786 in Issmannsdorf (Landkreis Gunzenhausen) geboren. Als Sohn eines Müllers erlernte er ebenfalls das Müllerhandwerk. Nach seiner Tätigkeit als Mühlbursche in der Nürnberger Pfannenmühle begab sich der junge Müller auf eine siebenjährige Wanderschaft. Nach seiner Rückkehr (1815) ließ er sich als Mühlarzt in Nürnberg nieder. Spaeth war also spezialisiert auf die Reparatur von Mühlwerken und Maschinen.

Ab 1820 übernahm Spaeth die Werkstatt des Tuchfabrikanten Johann Philipp Lobenhofer, die eigens zur Einrichtung seiner Tuchfabrik in Wöhrd errichtet worden war. Der Mechaniker konstruierte Spinn-, Woll- und Schermaschinen sowie Webstühle und Tuchpressen. Allein 40 der 56 Maschinen kamen aus der Spaethschen Werkstatt. Die Geräte müssen sehr zuverlässig und solide gewesen sein, was bei einer Inventur 1827 lobend erwähnt wurde.

Nach Abschluss der Ausstattung in Lobenhofers Fabrik, wurden nun auch andere Aufträge angenommen. Durch eine Einlage in Höhe von 8.000 Gulden durch das Bankhaus Lödel & Merkel konnte Spaeth seinen Betrieb 1827 erweitern. Das Unternehmen firmierte nun unter "Spaeth & Co.". In den erweiterten Betriebsräumen waren eine Dreherei, Schlosserei, sowie eine Schreinerei untergebracht. Die Belegschaft war zwischenzeitlich auf 22 Personen angewachsen, die Auftragslage war gut. Neben der Ausstattung von Mühlen, nach englisch-amerikanischem System, fertigte das Unternehmen auch Maschinen für Draht-, Tabak-, und Kattunfabriken.

Auch das Hammerwerk am Dutzendteich, dass er 1825 zusammen mit seinem Bruder Johann Michael erworben hatte, wurde 1827 umgebaut. Die am linken Fischbachufer gelegene Gipsmühle wurde von seinem Bruder betrieben, die technisch modernisierte Mahlmühle mit drei Gängen betrieb Spaeth selbst. Dieser Vorzeigebetrieb erhielt 1831 den Staatspreis in Höhe von 3.000 Gulden.

Da die Zahl der Aufträge immer größer wurde, eine Vergrößerung der Werkstatt auf dem Gelände der Tuchfabrik aber nicht möglich war, verlagerte er diese nach und nach an den Dutzendteich. Bis 1835 war der Umzug abgeschlossen, die Maschinenbauanstalt konnte ihren Betrieb aufnehmen. In Dreherei, Schreinerei, Schlosserei, Schmiede und Zimmerwerkstatt waren 1840 fünfzig Arbeiter beschäftigt. Die Energie lieferte ein oberschlächtiges Wasserrad. Nach Aufzeichnungen eines Mitarbeiters war das Werk folgendermaßen eingerichtet.

"Im Erdgeschoss des (späteren) Verwaltungsgebäudes befand sich die Hauptwerkstätte, die Dreherei, zu deren Betrieb ein oberschlächtiges Wasserrad diente. An der Wasserradwelle saß innerhalb der Werkstatt ein Rad, das einerseits mit konischen Kämmen eine stehende Achse drehte und mittels einer Trommel zwei Bohrmaschinen trieb und andererseits mit eichenen Stirnradzähnen zunächst eine Vorlegewelle und durch diese mittels Riemen eine an der Decke in Gestalt einer Holztrommel angeordnete Welle in Bewegung setzte. Durch aufgelegte Riemen trieb diese Trommel eine große Planscheibendrehbank, dann 2 Drehbänke auf gemeinschaftlichen Holzwangen, weiter eine kleine Holzwangendrehbank und schließlich auch noch einen Schleifstein. In der Mitte des Raumes war die Decke durch eine Säule gestützt, um die sich ein Kran drehte. Über der Dreherei, also im 1. Stockwerk des Gebäudes, befand sich die Schreinerei, die außer der üblichen Ausstattung mit Hobelbänken auch 2 kleine, ganz aus Eisen gebaute Drehbänke enthielt, deren Antrieb von der durch die Decke führenden erwähnten stehenden Achse ausging. Im Dachgeschoß war eine Hobelmaschine aufgestellt, die durch 2 Handkurbeln getrieben wurde; nur der Schlitten und der Support bestanden aus Eisen, das Gestelle dagegen aus Holz. Im Erdgeschoß des Wohnhauses waren die Schmiede mit 2 Feuern und die Schlosserei mit 6 Schraubstöcken eingerichtet; die Zimmermannswerkstätte befand sich neben dem Eisenmagazin und der Pferdestallung in einem besonderen Gebäude, das im heutigen Fabrikgebäude neben dem Fischbach aufgeführt war."

Der Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals, sowie die Ludwigs-Eisenbahn bescherte der Firma Spaeth weitere Aufträge. Die in Einzelteilen aus England importierte Dampflokomotive, der Adler, wurde in der Fabrik zusammengebaut. Auch die Wagengestelle für die ersten acht Wagen der Eisenbahn, sowie sieben Drehscheiben, wurden am Dutzendteich hergestellt. Spaeth war begnadeter Mechaniker, der aber an althergebrachten Traditionen festhielt. Bereits ab 1836 lehnte er Aufträge für die Ludwigseisenbahn wegen "überhäufter Bestellungen" ab. Diese nicht vorausschauende Haltung und Planung sollte sich noch negativ auswirken.

Auch am Bau des Ludwigkanals war Spaeth maßgeblich beteiligt. Die Maschinenbaufabrik lieferte anfangs Gleise und Schöpfräder für den Grundbau. Aber auch beim Kanalbau selbst war die Spaethsche Fabrik beteiligt. Wilhelm Spaeth konstruierte eigens einen dampfgetriebenen Schaufelbagger. Dieser kam hauptsächlich beim Dörlbacher Einschnitt zum Einsatz. Hier musste ein 1000 m langer und 16 m breiter Einschnitt gegraben werden. Der Nürnberger Friedens- und Kriegs-Kurier berichtete 1842:

(...) Die Maschine setzte zwei von Spaeth sinnreich konstruierte, aus einer langen Kette von kleinen Kästen gebildete Rosenkranzwerke in ununterbrochene Bewegung; die ganze Vorrichtung sammt der Dampfmaschine und deren Ofen wurde nach Erforderniß vorwärts gerückt und ließ den ganzen Einschnitt vollständig ausgegraben hinter sich.

Weitere Ausstattungen wie Stauwehre, Schleusen und Hafenkräne wurden ebenfalls von Spaeth & Co. gefertigt. Diese Tätigkeiten im Verkehrswesen, sowie die komplette Ausstattung der leonischen Drahtfabrik (1834-37) machten Spaeth weit über die Grenzen Nürnbergs bekannt.

Die Maschinenbauanstalt arbeitete bis 1842 eher konservativ. Die Handwerksmeister waren selbständig, die Betriebsorganisation schwerfällig. Da sein Konkurrent, die Firma Klett & Co., schon früh die Zeichen der Zeit erkannte und industriell fertigte, blieb Spaeth nichts anderes übrig als selbst eine Fabrikkonzession zu beantragen. Cramer-Klett hatte den konservativ denkenden Spaeth längst überholt. Der Mechaniker machte aber keinen radikalen Schnitt, sondern produzierte weiterhin eher handwerklich. So wurde das Gebläse des Kupolofens durch acht Soldaten der Nürnberger Garnison betrieben. Die Männer wurden dann durch einen Ochsentretmotor, ein Endlos-Laufband auf dem ein Ochse vor sich hin lief, ersetzt ehe das Gebläse schlussendlich durch Wasserkraft angetrieben wurde. Aber Spaeth setzte, im Gegensatz zu Klett, weiterhin auf Einzelanfertigung und Kleinserien. Er stattete Schokoladenfabriken aus und stellte Großbagger und Aufzüge her.

1848 erweiterte der Mechaniker seinen Betrieb durch eine Dampfmaschine. Weitere Antriebskraft erzeugte der Erfinder mit einer ausrangierten Dampflokomotive der Ludwigs-Eisenbahn. Die Lok wurde auf einen Bock gestellt, damit ihre Antriebsräder eine Transmissionswelle drehen konnten. Ein Plan zur Aufstellung einer Windmühle am Dutzendteich wurde ebenfalls erstellt, aber nie ausgeführt.

Trotz des Erfolges seines Mitbewerbers Cramer-Klett, lehnte Spaeth eine Spezialisierung auf bestimmte Produkte ab. Auch die Beschaffung fremden Kapitals zur erforderlichen Betriebserweiterung wurde nicht verfolgt. Doch seine Einstellung änderte sich während der allgemeinen Rezession. Der Unternehmer brauchte dringend Geld da die Auftragslage rückläufig war. So ersuchte er 1850 um ein Darlehn von 15.000 bis 30.000 Gulden bei der Regierung. Es wurde ihm nicht bewilligt. Der nächste Schicksalsschlag im selben Jahr – der Auftrag zur Lieferung von 400 Eisenbahnwaggons ging nach einer Ausschreibung an den Konkurrenten Cramer-Klett. Da dieser auf Massenproduktion spezialisiert war, konnte Spaeth bei Preisgestaltung und Lieferterminen nicht mithalten. Ein erneutes Ersuchen um ein Darlehn wurde 1853 von der bayerischen Regierung ebenfalls abgelehnt.

Aus welchen Quellen er dennoch Geld erhalten hat ist nicht bekannt. Der Betrieb wurde jedenfalls erweitert und es soll von 1848 bis 1852 auch noch eine Emaillefabrik betrieben worden sein. Auf der Allgemeinen Deutschen Industrieausstellung in München (1854) trafen Spaeth Ehre und Schicksal zugleich. Er stellte einen eisernen Wandkran, eine Klauenpresse sowie einen eisernen Mahlgang aus und erhielt dafür zwei Auszeichnungen. Johann Wilhelm Spaeth hatte sich in München aber auch mit Cholera infiziert und starb kurz nach seiner Rückkehr in Nürnberg.

Nach dem Tod Spaeths übernahm sein Schwiegersohn Johannes Falk den Betrieb, ehe das Unternehmen nach dessen Rückzug an seine Schwiegersöhne Eduard und Wilhelm Hammmerbacher sowie Baptist Külp ging.

Spaeth & Co. in neuen Händen

Unter den Hammerbachers expandierte die Spaeth-Fabrik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Neue Gebäude wurden errichtet, die bestehenden durch Anbauten erweitert. Bis 1897 ist das Eisenhobelwerk auf eine Länge von 85 Metern gewachsen, die Schlosserei zog sich am Fischbachufer auf 120 Meter hin. Auf einer Fläche von 20 Hektar waren 1894 ca. 140 Arbeiter beschäftigt. Die 36 Gebäude wurden mit zwei Dampfmaschinen sowie der aufgebockten Lokomotive versorgt. Ein betriebseigenes Elektrizitätswerk wurde durch eines der zwei Wasserräder betrieben. Dieses E-Werk lieferte die Energie für Beleuchtung und Elektromotoren, nebenbei versorgte es auch noch die Akkumulatoren der Elektroboote auf dem Dutzendteich mit Strom.

Das Unternehmen wurde im Stile Spaeths zwar weiterhin mit strenger Hand geführt, aber soziale Belange wurden nicht außer Acht gelassen. Die Johann-Wilhelm-Spaeth-Stiftung kümmerte sich seit 1883 um Arme in der Gemeinde Gleishammer. Spaeth selbst hatte in die, von seinen Maschinenarbeitern gegründete, Krankenkasse 50 Gulden eingelegt.

Die Arbeit in der Maschinenfabrik muss kein Zuckerschlecken gewesen sein. Waren in anderen Nürnberger Betrieben neuneinhalb Stunden täglich üblich, so mussten 1905 bei Spaeth elf Stunden gearbeitet werden. Ferner gab es eine "Vollzugsvorschrift über die Ordnungsstrafen". In einem Bußgeldkatalog war festgelegt, wie Vergehen zu ahnden waren. So wurden Verspätungen um mehr als 10 Minuten mit dem Abzug einer vollen Lohnstunde bestraft. Vier Verspätungen im Monat hatten die Entlassung zur Folge. Bei Abhalten eines anderen von der Arbeit durch Plaudern waren 80 Pfennige fällig, Ungehorsam gegen Vorgesetzte kostete 1,50 Mark. Im Vergleich: ein Pfund Rindfleisch kostete 1898 62 Pfennige, ein Pfund Kaffee 1,45 Mark.

Um 1900 war die Fabrik einem starken Wandel unterworfen. Der Auftragslage entsprechend, wurden täglich kündbare Tagelöhner eingestellt – die Arbeiterschaft organisierte sich. Walter Wolfgang Hammerbacher erinnerte sich an Erzählungen seines Vaters Otto über einen Streik von 1906. "(...) Daran waren damals ungefähr 180 Arbeiter beteiligt, nur Männer. Auf die Frage, warum sie streiken wollten, wurde gesagt: Ja, wir müssen streiken. Seid ihr mit dem Lohn nicht zufrieden? Doch, tadellos. Passen euch die Meister nicht? Nein nein, die sind in Ordnung. Oder, ist es weil ihr zu lange arbeiten müsst? Nein, das ist in ganz Nürnberg so. Sehen Sie, da draußen steht einer vorm Tor und der hat gesagt, wir müssten streiken, und zwar aus Solidarität." *

Das gute Verhältnis zwischen Fabrikherrn und Arbeitnehmern war ab diesem Zeitpunkt gestört. Dennoch florierte das Unternehmen. Der Erste Weltkrieg brachte Aufträge für Kriegsgüter wie beispielsweise Krananlagen für Werften. Doch das Kriegsende brachte eine Wende. Bereits produzierte Waren wurden nicht mehr abgenommen und bezahlt. Als Trostpflaster bot man Reparaturaufträge für kriegsbeschädigte Lokomotiven an. Auch das Auftragsvolumen für die seit 1842 bestehende Gießerei, die eine gute Auslastung durch die Siemens-Schuckert-Werke hatte, war rückläufig. Die folgende Weltwirtschaftskrise tat ein Übriges.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft stieg die Zahl öffentlicher Aufträge wieder an. Doch es gab auch Rückschläge. Die Vereinheitlichung des Eisenbahnsignalbaus durch die Nazis brachte das Aus für diesen wichtigen Betriebszweig. Dagegen florierte der Brückenbau im Zuge des Ausbaus der Reichsautobahn. Ein anderes Problem mit den Nationalsozialisten schilderte Johann Wolfgang Hammerbacher, der seit dem Tod seiner Mutter (1934) in der Firma tätig war. Es war der Firmenstandort, direkt im Reichsparteitagsgelände. Den "Führer" störte vor allem der Schlot den er bei seinen Reden im Luitpoldhain vor Augen hatte. Dieser musste um sechs Meter gekürzt, sowie vor jedem Parteitag neu gestrichen werden – mit himmelblauer Tarnfarbe. Die Maschinenbaufabrik hielt sich an die Auflagen, dennoch wurden alle öffentlichen Aufträge ohne Nennung von Gründen storniert.

Der "Zweckverband Reichsparteitag Nürnberg" kaufte das Areal schließlich 1935, zu einem diktierten Preis weit unter Wert. Wolfgang Hammerbacher erinnert sich: "Der Gewinn wurde gleich weggesteuert und außerdem war unsere Kreditgrundlage weg. Kein Geld haben wir mehr gehabt und alles war beim Teufel." * Die teilweise Zerstörung der Fabrik im Zweiten Weltkrieg bedeutete das vorläufige Aus. Hammerbacher: "Ein einigermaßen normaler Ablauf war da nicht mehr möglich. Da war zum Beispiel die Dreherei, da hat man gerade noch so zur Not drin arbeiten können, dann musste man achtzig Meter über ein Ruinen- und Trümmerfeld, um die schlecht zugängliche Schmiede zu erreichen. (...) Ich durfte zwar alles wieder aufbauen, durfte aber nichts Neues bauen. Eine Eisenfabrik in dieser Gegend, die als Wohngebiet ausgewiesen war, war der Stadt ein Dorn im Auge." *

Ein Neuanfang war nötig. Da die Stadt Nürnberg nach Kriegsende eine Wohnbebauung auf dem Firmenareal vorsah, war der Standort nicht mehr zu halten. Die stark angewachsene Verschuldung Hammerbachers machte einen Neubeginn in kleinerer Form nötig. Mitte der 1950er Jahre begann man mit nur 35 Mitarbeitern in Boxdorf. Waren es vor 1945 noch über 100 Beschäftigte, versuchte man nun durch Spezialisierung und Straffung der Produktpalette eine Sanierung einzuleiten, was vorübergehend auch gelang. Doch der technische Fortschritt erforderte Neuinvestitionen die der Firmeninhaber nicht tätigen konnte. Hammerbacher: "Mit Hilfe des Stahlbauvereins hab ich mich mit einem anderen Betrieb zusammengetan, der keinen eigenen Grundbesitz hatte und vorher irgendwo zur Miete war. Es war ein schöner Vertrag, der beinhaltete, dass alles unter dem Firmennamen Spaeth weiterlief. Der (neue Betreiber) hat sich aber nicht daran gehalten, sondern bald die Firma auf seinen eigenen Namen umgetauft. Ich war dann noch, jedenfalls laut Vertrag, ein oder zwei Jahre als Betriebsleiter mit drin. Unter Betriebsleiter hat der allerdings eher einen Magazinmeister verstanden."

Der neue Betreiber verlegte den Hauptbetrieb nach Dinkelsbühl. Im Boxdorfer Zweigbetrieb wurden nur noch Lichtmasten hergestellt. Nachdem sich Hammerbacher 1970 ganz aus der Firma zurückzog, wechselte das Unternehmen noch mehrmals den Besitzer. Das Gebäude in Boxdorf existiert heute noch, allerdings mit einer anderen Nutzung – es werden Liebesdienste angeboten.

Walter Wolfgang Hammerbacher: "Der Spaeth, der war ein Großhandwerker, der wollte alles selber voll und ganz überblicken können. Der wollte nicht eine Masse von Arbeitern, sondern einen festen Stamm von Handwerkern, die jeweils selbständig, zum Beispiel in einem Schlosserbetrieb, Maschinen bauen konnten (...) Diese Tradition wurde von den nachfolgenden Firmeninhabern weitergeführt. Ja, so war das, da ist wahrscheinlich die Zeit über uns hinweggegangen." *

*Lebensgeschichtliches Interview mit Walter Wolfgang Hammerbacher vom 04.06.1986, Centrum Industriekultur. Entnommen dem Buch: Räder im Fluß; Die Geschichte der Nürnberger Mühlen, Centrum Industriekultur (Hrsg.)


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