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William Wilson – Lokomotivführer

Der geneigte Leser wird sich fragen warum ein gebürtiger Engländer, genauer gesagt ein Schotte, unter der Rubrik "Bedeutende Nürnberger" geführt wird. Willliam Wilson war DER Lokführer der die erste deutsche, dampfgetriebene Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth fuhr.


William Wilson wurde am 18. Mai 1809 in Walbottle (Schottland) geboren. Wilson erlangte seine Fähigkeiten als Lokomotivführer bei dem Eisenbahnpionier George Stephenson in Newcastle (England). Nachdem die "Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft" (LEG) in der englischen Eisenbahnfabrik den "Adler" bestellt hatte, bat man auch um personelle Unterstützung. Stephenson entsandte daraufhin seinen Maschineningenieur Wilson nach Nürnberg. Dessen Aufenthalt war zunächst auf acht Monate begrenzt, Wilson aber blieb bis zu seinem Tod in der Noris. Der Ingenieur verdankte die mehrfachen Vertragsverlängerungen wahrscheinlich seinen profunden Fachkenntnissen, sowie der tadellosen Bedienung der englischen Maschine. William Wilson war nicht nur Führer des Adlers, sondern wurde ab 1836 auch auf der zweiten Lokomotive namens "Pfeil" eingesetzt.

Noch bevor der "Adler" seine ersten Probefahrten auf deutschem Boden absolvierte, begleitete Wilson die Maschine beim Transport über Rotterdam, Köln, Offenbach nach Nürnberg. Auch beim Zusammenbau des Dampfwagens in der Werkstatt von Johann Wilhelm Späth, leistet der Ingenieur wertvolle Hilfe.

Die Eisenbahngesellschaft war mit dem entliehenen Fachmann äußerst zufrieden, was sich auch in seinem Gehalt widerspiegelte. Wilson verdiente 1.500 Gulden, während es der Direktor der Gesellschaft nur auf 1.200 Gulden brachte. Da die Wurzeln des deutschen Eisenbahnwesens in Nürnberg/Fürth lagen und sich der Eisenbahnbau rasch entwickelte, war der Engländer ein sehr gefragter Fachmann. Er bildete Lokführer aus die dann bei anderen Bahngesellschaften tätig wurden. Wilson war eine hoch angesehene Persönlichkeit, die Abwerbungsversuchen anderer Bahnverwaltungen widerstand.

Für die Ludwigsbahn bildete Wilson anfangs als zweiten und dritten Dampfwagenführer die Herren Rech und Bockmüller aus, welche als seine Gehilfen auch die schweren und schmutzigen Arbeiten alleine ausführen mussten. Bockmüller wechselte sich seit 1842 wöchentlich im Fahrbetrieb mit Wilson ab, da dieser bereits gesundheitlich angeschlagen war. Im selben Jahr verweilt Deutschlands erster Lokomotivführer zu einem sechswöchigen Heimaturlaub in England. Bei seiner Rückkehr begleitet ihn seine Schwester, die ihm bis zu ihrem Tod (1845) den Haushalt führt.

Das Wilson bei Publikum beliebt war, zeigt folgende Tatsache: Wenn der "lange Engländer" einmal nicht auf der Maschine stand, sanken die Einnahmen und er musste wieder die Leitung über "Adler" oder "Pfeil" übernehmen. Die Fahrgäste wollten mit dem "Meister" fahren und nicht mit dem Gehilfen. Ein Reporter vom "Stuttgarter Morgenblatt" charakterisiert den populären Mann folgendermaßen"

"Jedes körperliche Geschick, welches gleichwohl nicht fehlen darf, tritt bei ihm in den Hintergrund, in den Dienst der verständigen Beachtung auch des Kleinsten, als eines für das Ganze wichtigen. Jede Schaufel Steinkohlen, die er nachlegt, brachte er mit Erwägung des rechten Maßes, des rechten Zeitpunktes, der gehörigen Verteilung auf den Herd. Keinen Augenblick müßig, auf alles achtend, die Minute berechnend, da er den Wagen in Bewegung zu setzen habe, erscheint er als der regierende Geist der Maschine und der in ihr zu ungeheuerer Kraftentfaltung vereinigten Elemente."

Und so verwundert es nicht, dass mancher Versuch des Direktoriums der LEG scheiterte, das Gehalt des Dampfwagenführers zu kürzen. Auf Drängen des Gesellschaftsausschusses wurde es wieder heraufgesetzt. Dennoch erfolgen Kürzungen in den Krisenzeiten Ende der 1840er Jahre. Seit dem 1. Juli 1850 erhält Wilson jährlich nur noch 1.200 Gulden, aber das sind weiterhin 300 Gulden mehr als das Salär des ersten Direktors der Bahn. Der zweite Lokführer wird mit 800 Gulden, der dritte mit 425 Gulden im Jahr entlohnt.

William Wilson lebte trotz seines stattlichen Gehalts eher bescheiden. Nachdem er eine Zeit lang im Gasthaus "Wilder Mann" wohnte, zog er 1837 in ein Zimmer im Ludwigsbahnhof am Plärrer. Von einer schweren Erkrankung 1842 erholte sich der Eisenbahnfachmann nicht mehr richtig. Sommer wie Winter, ohne jeglichen Schutz gegen Wind und Wetter, stand Wilson nur in Rock und Zylinder auf der Maschine, was wahrscheinlich der Auslöser für seine Krankheit war, die sich "von der Brust bis ins Gedärm" zog. Die LEG stattete ihre Lokomotivführer erst im Winter 1845/46 mit schützenden Ledermänteln aus, acht Jahre später erhielten die Dampfrösser abschirmende Dächer. Am 17. April 1862, kurz vor seinem 53. Geburtstag starb der Pionier, der dem deutschen Eisenbahnwesen aus den Kinderschuhen half.

William Wilson wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Nürnberger Johannisfriedhof bestattet. Die Gedenktafel auf seinem Grabstein trägt die Inschrift: "Hier ruhet Herr William Wilson, Maschineningenieur u. Führer d. ersten Locomotive in Deutschland." Im Stadtgebiet erinnert noch die William-Wilson-Straße an ihn.

Erster Arbeitsvertrag zwischen William Wilson und der LEG:

"Zwischen dem Direktorium der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft dahier und Herrn William Wilson aus Newcastle ist heute folgender Dienstvertrag abgeschlossen worden:

Herr Wilson verpflichtet sich, im Dienst der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft solange zu verbleiben, als dieselbe es wünscht und ihrem Interesse gemäß erachtet. Im Entlassungsfall muss eine 3monatliche Aufkündigung vorangehen. Sollte jedoch unvorhergesehene Familienereignisse die Rückkehr des Herrn Wilson nach England unumgänglich notwendig machen, so verpflichtet sich derselbe, den Dienst der Gesellschaft nicht eher zu verlassen, als bis es ihm gelungen ist, seine Stelle hier durch einen vollkommen tüchtigen und bewährten Dampfwagenführer und Maschinisten zu besetzen.

Ferner verpflichtet sich Herr Wilson, nicht nur seine bisherigen Funktionen als Führer und Aufseher des Dampfwagens fortzusetzen und die daraus vorkommenden Reparaturen zu besorgen und den Lehrling Rech fernerhin zu unterweisen, sodaß derselbe in den Stand gesetzt werde, im eintretenden Notfall seine Stelle zu vertreten, sondern auch

1.) dieselben Funktionen bei dem demnächst ankommenden zweiten Dampfwagen zu übernehmen
2.) Nach vollendeter Herstellung einer mechanischen Werkstätte für die Zwecke der Gesellschaft, die Leitung derselben und aller vorkommenden Reparaturen beider Dampfwagen und den Transportwagen, soweit solche in dieser Werkstätte ausgeführt werden können, zu besorgen.
3.) Die Aufsicht über sämtliche Transportwagen und über das Eisenwerk des Oberbaues der Bahn zu übernehmen und alle dabei vorkommenden Reparaturen anzuordnen und auszuführen oder ausführen zu lassen.
4.) Noch andere junge Männer nach und nach in der Führung und Behandlung der Dampfwagen zu unterrichten, um auf diese Weise mehrere Stellvertreter in auftretenden Notfällen zu gewinnen.

Dagegen bewilligte das Direktorium der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft dem Herrn Wilson einen jährlichen Gehalt von 1500 Gulden in monatlichen Raten von 125 Gulden und eine besondere Remuneration von 240 Gulden für jeden Lehrling für die Eisenbahn, nachdem derselbe seinen Lehrkurs vollendet und sich zur Führung und Besorgung des Dampfwagens vollkommen geschickt gemacht hat. Vorstehender Vertrag tritt vom 1. September dieses Jahres an in Wirksamkeit und wurde in beiden Sprachen in 2 gleichlautenden Exemplaren ausgefertigt von dem Stellvertreter des anwesenden Direktors, dem Herrn Wilson und dessen Beistand, dem Herrn Sprachlehrer Dr. Gambihler unterschrieben, und wird die von Seite der Mitdirektoren vorbehaltenen Genehmigung des gesamten Direktoriums unverzüglich beigebracht werde.
Nürnberg, den 5. August 1836

Die unterzeichneten Mitglieder des Direktoriums der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft genehmigen den vorstehenden Vertrag in allen seinen Punkten.
Nürnberg, den 6. August 1836



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Text: mw
Verwendete Literatur: BNN, DEE, SLN

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