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Der Fischbach in Nürnberg

Sehen kann man ihn heutzutage in der Nürnberger Innenstadt nicht mehr, aber er ist noch da: Der Fischbach. Im 12. Jh. wichtiger Wasserversorger für die damalige "Südstadt", die Lorenzer Stadtseite. Der Wasserlauf soll auch sehr fischreich gewesen sein, was aber wegen den an ihm gelegenen Betrieben, nicht sehr plausibel klingt. Der Fischbach wurde in seiner langen Geschichte mehrmals verlegt und ist heute überwiegend Teil der städtischen Kanalisation. Ursprünglich, also bevor er kanalisiert und umgeleitet wurde, mündete der Bach außerhalb der Stadt in die Pegnitz.

Der Fischbach entspringt nahe der, südöstlich Nürnbergs gelegenen, Ortschaft gleichen Namens. Von einigen Gräben im Lorenzer Reichswald wurde/wird zusätzliches Wasser eingespeist. Ursprünglich floß der Fischbach teilweise im Flussbett des heutigen Goldbachs, über Valzner- und Zeltnerweiher zur Tullnau* und von dort in den südlichen Pegnitzarm. Im 13. Jh. wurde sein Lauf verlegt. Er floß fortan über das heutige Zeppelinfeld, durch die Stadtteile St. Peter und Galgenhof, entlang der heutigen Glockenhofstraße. Dort waren Wäscherinnen ansässig die durch den Bach mit Wasser versorgt wurden. Der Stadtteil, anno dazumal noch Vorstadt, war berüchtigt und wurde "die Wäsche" genannt. Aber auch in anderen Vororten ließen sich Färber und Gerber an dem Wasserlauf nieder, um ihr Handwerk auszuüben. Es ist zu vermuten, dass dies eine erhebliche Verschmutzung des Fischbachs zur Folge hatte.

Am Steinernen Wehr konnte der Fischbach, je nach Wehr-Stellung, dem Dutzendteich oder dem Valznerweiher zugeführt werden. Über deren Abläufe gelangte er dann in den Goldbach. Ab 1496 wurde er in den Großen Dutzendteich geleitet, von wo aus er dann kanalisiert in Richtung Innenstadt geführt wurde.

Beim Sterntor erreichte der Bach schließlich die Nürnberger Innenstadt. An dieser Stelle befand sich auch das "Blausternwerk" (ein Wasser- und Pumpwerk), dass 1582-1867 durch den Fischbach angetrieben wurde. Den Stadtgraben überwand der Fluss in einem hölzernen Kanal.

Innerhalb der Stadtmauern war der Fischbach-Verlauf (nach heutigen Straßenbezeichnungen) folgender: Von der Vorderen Sterngasse in Richtung Pfannenschmiedsgasse, wo er sich in zwei Arme teilte. Der südlich Arm durchfloss die Breite Gasse, der nördliche die Karolinenstraße. Kurz vor dem Weissen Turm vereinigten sich beide Arme wieder, um dann in einer Schleife das heutige Polizeipräsidium zu umfließen. Der weitere Verlauf führte ihn dann durch die Hintere und Vordere Ledergasse, die Hutergasse und die Obere Wörthstraße. Der Wasserlauf mündete schließlich an der Kaiserstraße 36 in die Pegnitz.

Bevor der Fischbach auf seinem langen Weg die Pegnitz erreichte hatte der Fluss, neben der Wasserversorgung der Lorenzer Stadtseite, noch eine andere bedeutende Aufgabe. Er trieb zwei Mühlen an. Die Almosenmühle in der Hutergasse und die Krötenmühle in der Kaiserstraße. Beide dienten der südlichen Stadthälfte als Mahlmühlen. Die Mühlenbetreiber hatten aber ein Problem, dass die Müller an der Pegnitz nicht kannten. Sie gerieten immer wieder in Streit mit der Firma Spaeth am Dutzendteich, die dort ein Hammerwerk betrieb. Anlass waren die schwankenden Wasserstände. Das Hammerwerk konnte durch Aufstauung die Wassermenge bestimmen, die dem Bach auf seinem Weg in die Stadt zur Verfügung stand. Oft blieb für die innerstädtischen Mühlen nicht mehr genug Wasser übrig, manchmal versiegte der Wasserlauf gänzlich. Die Stadt musste regulierend eingreifen.

Der Fischbach schlängelte sich anfangs offen durch die Stadt, später wurde er teilweise mit Holzbohlen oder Steinplatten abgedeckt. Diese Abdeckungen wurden jedoch durch den Rat der Stadt streng überwacht. Der Bach diente in reichsstädtischer Zeit nämlich auch als Löschwasserlieferant bei der Bekämpfung von Bränden. Er wurde stets sauber gehalten und in strengen Wintern auch "aufgeeist", also eisfrei gehalten. Im "Feuerbüchel" von 1449 heißt es für den Brandfall: "So sullen die, die über den vischpach gesetzt sein, bestellen, daz der vischpach abgeslagen und an die ennde, da das feuer ist gelayt (geleitet) wirt."

Der offen verlaufende Fischbach wurde, trotz Verbots, immer wieder verschmutzt, was die hygienischen Zustände in der Stadt nicht gerade verbesserte. Bei der Choleraepidemie 1854 verzeichnete man den größten Teil der über 300 Toten auf der Lorenzer Stadtseite, was auch mit dem Wasserlauf in Verbindung gebracht wurde. Emil Hecht, der städtische Bauingenieur, fasste die Erkenntnisse 1892 so zusammen:

"Eine ganz wesentliche Verbesserung erfuhr im Zusammenhange damit die Gestaltung des Fischbaches innerhalb der Stadt. Viele der geehrten Zuhörer werden sich noch erinnern, dass der Fischbach bis Anfang der siebziger Jahre in der Tafelhofstraße, der Sterngasse und Hinteren Lederergasse und der Oberwöhrdstraße als offener Bach zwischen steinernen Wänden, ja in Tafelhof sogar zwischen hölzernen dahinlief. Im Anfang des Jahrhundert war dies ja auch in den übrigen von ihm durchzogenen Straßen, z. B. in der Karolinenstraße, der Fall. Die Sohle lag so hoch, dass stellenweise, wie z. B. in der Sterngasse, bei gewöhnlichen Regengüssen die Straße und die darin gelegenen Häuser der Überschwemmung ausgesetzt waren. Obwohl in den Vorstädten Galgenhof und Tafelhof viele Aborte, aber auch innerhalb der Stadt mehrere dieser unentbehrlichen Anlagen, dann aber die Straßenrinnen und Hauskanäle in den Fischbach mündeten, wurde dessen weiches Wasser selbst in seinem untersten Laufe in der Oberwöhrdstraße von den Hausfrauen hoch geschätzt, und wenn wieder eine Strecke des offenen Baches mit Steinplatten abgedeckt wurde, so erhob sich unter den Anwohnern ein Sturm der Entrüstung über den großen Verlust. Es mussten in der Bedeckung besondere Öffnungen gelassen werden, damit die Anwohner sich mittels Schöpfeimern oder Blechpumpen das kostbare Wasser auch ferner verschaffen konnten. Wir dürfen uns deshalb nicht wundern, dass die Choleraepidemie des Jahres 1854 längs des Fischbaches ihre zahlreichsten Opfer forderte. Heute ist der Fischbach von der Stelle ab, an welcher er das Bahnhofgebiet betritt, nichts anderes als ein Straßenkanal, der den großen Vorteil hat, von einem stets reichlich zufließenden Wasserlauf vollständig gespült zu werden."

Der rasche industrielle Wandel machte den Fischbach ab dem letzten Drittel des 19. Jh. überflüssig. Wegen dem Bau des Hauptbahnhofs (ab 1868) musste er erneut umgeleitet werden. Ab 1871 verschwand der Fischbach in der Innenstadt unter die Erde und wurde mit der städtischen Kanalisation verbunden. Sein Wasser diente nun hauptsächlich zur Durchspülung des Kanalsystems. Außerhalb der Stadtmauern wurde der noch offen laufende Bach, von 1896-1906 nach und nach von der Oberfläche verbannt.


Der Fischbach lässt es "schuckern"

Der teils schon unterirdisch verlaufende Bach hatte noch eine letzte große Sternstunde. Er war der Energielieferant für die erste elektrische, dauerhaft betriebene Straßenbeleuchtung Deutschlands. Am 7. Juni 1882 nahm Elektropionier Sigmund Schuckert drei Bogennlampen in Betrieb, die den Josephsplatz und einen Teil der Kaiserstraße hell erleuchteten. Der Fischbach spielte wirtschaftlich zwar keine Rolle mehr, war aber als Energielieferant noch bestens geeignet. Schuckert baute in der Almosenmühle eine Turbine ein, welche einen Dynamo antrieb, der wiederum den Strom für die Beleuchtung lieferte.

Anders als erwartet, soll bei diesem Ereignis kein großer Menschenauflauf geherrscht haben. Elektrische Straßenbeleuchtung kannte die Bevölkerung schon von Schuckerts Versuchen in diesem Bereich. Einmal illuminierte er 1876 anlässlich eines Konzerts den Stadtpark, ein andermal strahlte er die Burg an, beleuchtete den Hauptmarkt oder das Kriegerdenkmal am Köpfleinsberg. Da anfangs die Bogenlampen noch ziemlich laut knisterten, hatten die Nürnberger auch gleich ein geflügeltes Wort parat: "Es schuckert wieder" hieß es immer wenn die Leuchten in Betrieb waren.


Der Fischbach heute

Der kanalisierte Fischbach existiert im Grunde heute noch und ist Teil der städtischen Kanalisation. Auf seinem Weg aus dem Reichswald, bei dem er unterirdisch das Zeppelinfeld durchquert, ist er im Stadtgebiet fast nicht mehr sichtbar. Durch ein schnödes Betonrohr mündet er in der Goldbachstraße in den Goldbach. Als Goldbach-Fischbach fristet der einst so wichtige Wasserlauf heute ein tristes Dasein. Nachdem er den Zeltnerweiher und die Tullnau* durchlaufen hat, verschwindet er wieder unter der Erde, um hinter dem Wöhrder Talübergang, auf der Wöhrder Wiese als offizieller südlicher Pegnitzarm wieder zu Tage zu treten. Diese Bezeichnung ist eigentlich falsch, da das dortige Flussbett keine mittelbare Verbindung zum Wöhrder See, und somit auch nicht zur Pegnitz hat. Bei Bedarf kann dem "südlichen Pegnitzarm" zwar Pegnitzwasser durch ein Rohr zugeführt werden, aber genau genommen gehört dieses Flussbett dem Gold- bzw. Fischbach, und nicht der Pegnitz.

Die Hutergasse bildete damals das Flussbett des Bachs. Dort kann man in unseren Tagen noch gut sehen, wo sich der Wasserlauf hinunter gestürzt hat, auf die Wasserräder der Almosenmühle. Und, falls Sie heute einmal durch die Fußgängerzone in der Breiten Gasse oder Karolinenstraße schlendern, denken Sie daran: Er ist noch da, direkt unter Ihnen, der Fischbach.


*Tullnau: Nürnberger Stadtteil (östlich der Innenstadt gelegen); Der Name bezeichnete eine Aue, durch die eine hölzerne Wasserleitung (Tulln) aus Röhren (Dillen, Thüllen) verlegt war.


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Fischbach
Der Fischbach
Fischbach (Valznerweiher)
Am Valznerweiher
Fischbach
Fischbach
Fischbach (Valznerweiher)
Am Valznerweiher
Fischbach
Bei Fischbach
Fischbach
Bei Fischbach
Fischbach
Dutzendteich-Einfluss

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Text: mw
Fotos: mw
Verwendete Literatur: NN01, RIF, SLN, SSG

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