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Spielzeughandwerk und Spielzeugindustrie in Nürnberg

Bereits im 14. Jh. wurde in Nürnberg Spielzeug hergestellt. Die städtischen Steuerlisten aus dem Jahr 1400 listen zwei "Dockenmacher" im Stadtgebiet auf. Untermauert wurde dies, als man 1859 bei Straßenarbeiten größere Mengen "Docken" aus dem 14. Jh. unter dem Pflaster entdeckte. Diese "Docken" waren kleine Puppen aus Ton welche Reiter, Mönche, oder andere Personen darstellten. Die Blütezeit der Nürnberger Spielzeugindustrie setzte aber erst mit der Industrialisierung im 19. Jh. ein. Viele Traditionsfirmen deren Produkte im 19. Und 20. Jh. in den Kinderzimmern dominierten, existieren heute nicht mehr. Einige Betriebe wurden zwar von den "Großen" der Branche übernommen, der Produktionsstandort Nürnberg wurde aber meist aufgegeben. Leider! Andere traditionsreiche Markennamen (z. B. Schuco) wurden mehrmals verkauft und erst in jüngster Vergangenheit wiederbelebt.

Von Dockenmachern zum Spielzeughandwerk

Der Begriff des Dockenmachers, also des Puppenmachers, hielt sich bis ins 19. Jahrhundert. Jedoch wurden längst nicht nur Puppen hergestellt. Es wurde produziert was das Kinderherz begehrt – neben Steckenpferden, Windmühlen, und Tieren, war auch die Holztrompete ein sehr beliebter Artikel. Eine einzige Werkstatt brachte es auf eine Jahresproduktion von beachtlichen 30.000 Stück an hölzernen Trompeten. Das Geschäft mit dem "Nürnberger Tand" florierte also.

Aber es entstand Konkurrenz in anderen Teilen Deutschlands. In Berchtesgaden, Oberammergau, oder dem Erzgebirge hatte man sich ebenfalls auf geschnitzte Holzspielwaren spezialisiert. Ausgerechnet Nürnberger Händler waren es, die auf ihren Handelsreisen die Spielzeugschnitzerei überhaupt erst in diese Gegenden brachten. Die "Nürnberger Ware" hatte einen guten Ruf und schon im 18. Jh. gab es eine Art Fälschertum. So kam es, dass die in den genannten Gebieten hergestellten Waren, von Nürnberger "Pfeffersäcken" ebenfalls als "Nürnberger Ware" in den Handel gebracht wurden. Das Aus für die Nürnberger Dockenmacher kam Mitte des 18. Jahrhunderts. Spielzeughersteller aus Berchtesgaden ließen sich in Nürnberg nieder, die Docken nicht mehr aus Holz, sondern in großen Mengen aus Pappmaché herstellten und billig verkauften.

Aber auch andere Handwerker wie Drechsler, Schlosser, Flaschner oder Kupferstecher besannen sich auf die Spielwarenherstellung. "Nürnberger Tand geht durch alle Land", diesen Spruch machten sich Georg Hieronimus Bestelmeier und Johann Ludwig Stahl zu eigen, als sie ihre Versandhäuser für Spielzeug Ende des 18. Jh. gründeten. Berühmt und in alle Welt versandt wurden Puppenhäuser und die sogenannte "Nürnberger Küche" für die die Zinngießer Küchenutensilien en miniature anfertigten.

Überhaupt galt Nürnberg auch als bedeutende Stätte der Zinnspielzeugherstellung. Besonders Zinnfiguren wurden in kleinen Manufakturen (meist Familienbetriebe) hergestellt. Ludwig XVI. soll eine ganze Armee an Zinnsoldaten bei Nürnberger Betrieben in Auftrag gegeben haben. Weltruhm, und von Sammlern in aller Welt noch heute geschätzt, erlangten die Figuren der Firma Ernst Heinrichsen. Sozusagen als Standard, etablierte sich die "Größe Heinrichsen", Figuren die eine Höhe von drei Zentimetern nicht überschreiten.

Die Spielzeugherstellung unterlag keiner Handwerksordnung, sondern galt als "freie Kunst". Achtzehn Spielwarenmacher zählte man im Jahr 1826 und durch die Ordnungsfreiheit kamen ständig neue hinzu. 1835 waren es bereits 54 und die Gewerbe-Statistik von 1861 weist bereits 241 Betriebe mit 100 Beschäftigten aus.



Vom Spielzeughandwerk zur Spielzeugindustrie

Der rasche Fortschritt der Industrialisierung machte sich auch bei der Spielzeugherstellung bemerkbar. Neue Produktionsverfahren boten Möglichkeiten zur Massenherstellung. Die handwerkliche Produktion von Holzspielwaren im kleinen Familienbetrieb war auf dem Rückzug. Lithographiertes, bewegliches Blechspielzeug war auf dem Vormarsch.

Legendäre und heute bei Sammlern noch beliebte Marken bildeten das Rückrat der Nürnberger Spielzeugindustrie. Darunter so bekannte Firmen wie Ißmayer, Bub, Bing, Köhler, Heß, Fleischmann. Letztere existiert heute noch* als inhabergeführtes Unternehmen und stellt Modelleisenbahnen in unterschiedlichen Maßstäben her. Andere Traditionsnamen wurden über die Jahre mehrfach verkauft und erst in jüngerer Vergangenheit wiederbelebt (Bub, Schuco).
*Nachtrag vom 18.02.2008: Kurz nach der diesjährigen Spielwarenmesse wurde bekannt, dass es auch bei Modellbahn-Hersteller Fleischmann kriselte. Die Traditionsfirma wurde von der deutsch-österreichischen Modelleisenbahn Holding GmbH (Roco) übernommen.

Um 1900 war Nürnberg die Spielzeugstadt weltweit. Vor und nach dem Ersten Weltkrieg wurden namhafte Unternehmen wie Arnold, Trix und Schuco gegründet, die Weltruf genossen. Aber die Konkurrenz schlief nicht. Die USA und Japan, vorher als Spielzeugexporteure eher unbedeutend, hatten den Spielwarensektor als Lücke entdeckt und vermarkteten jetzt ihre Produkte auch weltweit.

Die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg brachten schwere Rückschläge für die Nürnberger Spielwarenproduzenten, jedoch kein endgültiges Aus für alle Firmen. Einzig die Bing Werke mussten während der Weltwirtschaftskrise Konkurs anmelden. Trotz der im Weltkrieg zerstörten Produktionsstätten und der herrschenden Material- und Kapitalknappheit nach Kriegsende, konnten sich die namhaftesten Hersteller wieder erholen. Die Militärregierung beschaffte Devisen und Trix, Schuco, Fleischmann und Bub verpflichteten sich zwei Jahre lang ausschließlich für den amerikanischen Markt zu produzieren.

Viele Blechspielzeughersteller passten sich der Zeit an und veränderten oder erweiterten ihre Produktionslinien um am Weltmarkt zu bestehen. Fleischmann stellte auf Modelleisenbahnen um, Schuco fertigte innovatives, technisches Funktionsspielzeug. Aber nicht alle Firmen hatten die Zeichen der Zeit erkannt, was sich bald rächen sollte. In den 1970er Jahren gab es bereits einen globalen Spielzeugmarkt, es wurde mehr im- als exportiert. Produkte aus Asien und Amerika überschwemmten den europäischen Markt und Fabrikanten die am althergebrachten Material Blech festhielten mussten Tribut zollen. Das Versäumnis auf andere Materialien und Produkte umzustellen endete für sie im Konkurs.


Heile Nürnberger Spielzeugwelt?

In der zweiten Hälfte des 20. Jh. ging es der Nürnberger Spielwarenindustrie relativ gut. Es wurden Produkte entwickelt welche einen Siegeszug um die ganze Welt antraten. Beispielsweise das Bobby-Car der Firma BIG, die Playmobilfiguren der Firma Geobra-Brandstätter oder die Gartenbahn der Firma Lehmann (LGB) sowie die Carrera-Bahn der Firma Carrera (Neuhierl GmbH & Co. KG), um nur einige zu nennen.

Aber nicht alle Unternehmen überlebten bis in die heutige Zeit, obwohl viele erst nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Blütezeit hatten. Modellbahnhersteller Arnold ging in den 1990er Jahren in Konkurs. Trix wurde nach gescheiterten Rettungsmaßnahen von Märklin "geschluckt" und 2006 musste Gartenbahnerfinder Lehmann den Weg zum Insolvenzgericht antreten. Der "Rettungsversuch" eines Hermann S., die LGB-Fabrik am Leben zu halten, scheiterte. Märklin, selbst erst 2006 durch eine englische Investorengruppe übernommen, hat 2007 nach Insolvenz des "Retters" den Zuschlag für den Gartenbahnhersteller erhalten, die Maschinen abgebaut und nach Ungarn verbracht. Wie es weitergeht? Auch bei der Firma Fleischmann kriselte es. Wie kurz nach der Spielwarenmesse 2008 bekannt wurde, ist das Traditionsunternehmen von der deutsch-österreichischen Modelleisenbahn Holding GmbH (Roco) übernommen worden. Somit hat Nürnberg nach Arnold, Trix und LGB seinen letzten namhaften, unabhängigen Modellbahn-Hersteller verloren. Karl Valentin würde sagen: Prognosen sind bekanntlich immer dann besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.

Nicht immer waren es Konkurrenzprodukte aus Fernost, oder der fehlende Käufernachwuchs wie er von den Modellbahnherstellern beklagt wird, welche die Unternehmen in Schieflage brachten. Insider sprechen vielfach von verfehlter Modellpolitik und unternehmerischen Fehlentscheidungen wenn man sie nach den ehemals so angesehenen Firmen fragt.

Aber, wo sich Schatten werfen, gibt es auch immer Licht. Traditionsmarken wie Schuco und Bub leben wieder auf. Teils werden alte Serien als Repliken wieder aufgelegt oder neue Produkte entwickelt welche unter altehrwürdigen Markennamen vertrieben werden und Sammelfreunde in aller Welt begeistern. Der Autor kann nicht beurteilen ob diese Erzeugnisse an Qualität und Innovation der "alten" Firmen anknüpfen können, aber wenn man den Unternehmenszahlen glauben darf, scheint die Rechnung mit dem Bekanntheitsgrad aufzugehen.

Spielzeugstadt Nürnberg

Nürnberg ist einmal im Jahr Mittelpunkt des Spielzeugs weltweit, dann nämlich, wenn meist Anfang Februar die Internationale Spielwarenmesse stattfindet. Die erste Deutsche Spielwaren-Fachmesse von 1950 (350 Aussteller, 4.300 Besucher) hat sich längst zur Weltleitmesse in Sachen Spiel- und Bastelwaren entwickelt. Trotz Expansion des Messegeländes in den letzten Jahren, können nicht alle Anfragen nach Standfläche befriedigt werden. Messebetreiber aus ganz Deutschland buhlen seit Jahren um die Veranstaltung. Bleibt zu hoffen, dass die "Spielwarenmesse, International Toy Fair Nürnberg" wie sie offiziell heißt, der Weltstadt des Spielzeugs noch lange erhalten bleibt.

Seit 2001 gibt es noch eine Attraktion in Sachen Spielwaren in der Frankenmetropole: Den Internationalen Kindertag. An zwei Tagen im Sommer gleicht dann Nürnbergs gute Stube, dem Hauptmarkt, einem riesigen Spielzimmer. Spielwarenunternehmen aus der Metropolregion unterstützen diese Veranstaltung mit Leihgaben und Sachspenden. Es darf alles angefasst und ausprobiert werden – ein Eldorado für große und kleine Kinder.


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Trix
Ehem. Trix Firmengebäude
Trix
Vorbei!


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Text: mw
Fotos: mw
Verwendete Literatur: DNA, DSB, NWM

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