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Nürnberg

Ladenkinos in Nürnberg

Nachdem sich das neue Medium Film auf den Jahrmärkten und Volksfesten in Form von mobilen Kinematographen gut etabliert hatte und in Nürnberg das erste ortsfeste Kino entstanden war (Himmelsleiter/Noris-Theater) entwickelte sich eine neue Art von Filmtheater – das Ladenkino.


Ladenkinos waren keine Lichtspielhäuser wie sie nach 1900 in der Noris entstanden sind. Ein Ladenkino wurde, wie der Name schon sagt, meist in aufgelassenen Läden installiert. Zu diesem Zweck wurden möglichst viele Stühle oder Bänke dicht aneinander gereiht, wo die Zuschauer dann zusammengedrängt die Darbietung verfolgten. Ein reines Vergnügen war es sicherlich nicht, wie die folgende Schilderung zeigt. Victor Noack schrieb über die Ladenkinos 1912 in der Zeitschrift "Die Aktion":

"So ein richtiger Kientopp ist gewöhnlich im ersten besten Laden, oft genug sogar in einer hochparterre gelegenen ehemaligen Wohnung aufgemacht, deren Stubenwände man ausgebrochen hat. Die Bänke stehen eng aneinandergerückt und stufenweise erhöht, so daß sich der Luftraum zwischen Bank und Stubendecke zunehmend verengt. Die Sitzplätze sind so knapp zubemessen, daß zwischen den Körpern der Nachbarn kein Luftspielraum bleibt; wodurch, zudem es während der Vorführungen stockdunkel zwischen den Bänken ist, die aus der Tageschronik bekannten Attentate auf Kinder und Frauen geradezu verführerisch bequem gemacht sind. (...) Um 9 Uhr müssen die Kinder laut Polizeivorschrift das Lokal verlassen. Schon ist die Luft darin völlig verbraucht; jedoch ohne daß eine besondere Lüftungspause stattfände, werden neue Massen Schaulustiger auf den Bänken verstaut. Die Menschen atmen, als wären sie allesamt asthmatisch. Der "Spritzenmann" tritt in Funktion. Aus einer großen Spritze stäubt er "Ozon" – so nennt man das Kinoparfüm – über die Köpfe der Lufthungrigen. Durch den Wasserstaub wird natürlich die Luft noch schwerer, noch drückender. Aber – das Volk hat seinen Groschen geopfert und wankt und weicht nicht; es starrt und stiert; ganz im Banne des "Sensations-Schlagers", vergisst es alles um sich her. Erschöpft, nervös wie nach einer Überarbeitung, verlässt man um 11 Uhr seinen Platz; taumelnd wie aus tiefer Hypnose erweckt."

Nürnbergs erstes Ladenkino wurde 1909 von Frida Stehr eröffnet. Es lag in der Findelwiesenstraße 7/Ecke Scheurlstraße und trug den Namen "Bavaria-Lichtspiele". Als das Haus 1919 in die Hände von Andreas Distler überging, wurde es in "Hans-Sachs-Lichtspiele" umbenannt und 1927 in einen Neubau (600 Plätze) an der Galgenhofstraße 60 verlegt. Frida Stehr eröffnete 1910 auch das "Orpheum" in der Johannisstraße 32a.

Ein weiteres Ladenkino befand sich in der Fürther Straße 28. Der "Viktoria-Kinematograph", 1910 von Betty Pflöschner eröffnet, bestand 17 Jahre. Nachdem die Kinokonkurrenz immer stärker wurde und 1927 Großkinos wie Phoebus-Palast oder Apollo-Theater ihre Tore öffneten, musste Pflöschner ihr Etablissement aufgeben. Da half auch die zwischenzeitlich erfolgte Umbenennung in Viktoria-Lichtspiele nichts. Ab 1928 war dann die Firma Schuco auf dem Areal Fürther Straße 28-32 ansässig.

Auch das "Central-Theater" in der Wiesenstraße 67 wurde 1909 als Ladenkino eröffnet. Das Lichtspielhaus, von Karl Dohmstreich gegründet, musste in den 1920er Jahren abgerissen werden. Der entstandene Neubau mit 700 Plätzen wurde 1945 völlig zerstört. Ein wieder aufgebautes Haus, mit 800 Sitzplätzen, konnte den Betrieb am 8. Januar 1954 aufnehmen. Das Kino wurde 1976 verkauft und völlig umgebaut. Übrig blieb ein kleines Filmtheater mit 170 Plätzen, dass bis in die 1990er Jahre vorwiegend Pornofilme zeigte.

Wenn man den Begriff Ladenkino über das Fassungsvermögen (maximal 100 Sitzplätze) definiert, muss man auch das "Titania" in der Sulzbacher Straße 56 (heute Stresemannplatz 8) dazu zählen. 1911 eröffnet, wechselte der Name in den Folgejahren häufiger. So hieß das Lichtspielhaus "Walhalla", "Ost-Lichtspiele" oder "Kolibri". Die Gebrüder Weber kauften das Gebäude 1988 und erweiterten es um einen Kinosaal mit 160 Plätzen. Unter dem Namen "Metropolis" hat es bis heute (2011) Bestand.

Die Zeit der Ladenkinos war Ende der 1920er Jahre abgelaufen, der Tonfilm hatte Einzug in die Kinowelt gehalten. Wahrscheinlich waren die "Victoria-Lichtspiele" Nürnbergs letztes Haus dieser Art – es wurde 1927 geschlossen.

P.S. Genau genommen existiert heute wieder ein Ladenkino in Nürnberg, das es zu damaliger Zeit noch gar nicht gab. Es ist die Kinokneipe "Meisengeige", die 1970 von den Gebrüdern Weber in der ehemaligen Bäckerei Emmert eröffnet wurde. Aber das wäre eine eigene Geschichte.


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Text: mw
Fotos:
Verwendete Literatur: SSG, VKC

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