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Das Noris-Theater des Phillip Nickel

Zwei Namen die untrennbar miteinander verbunden sind: Noris-Theater und Phillip Nickel. Beide sind längst Geschichte, gehören aber zur Wiege der kinogeschichtlichen Entwicklung Nürnbergs. Das Noris-Theater befand sich einst in der Karolinenstraße 53, direkt neben dem "Grand Bazar" (ehem. Hotel Zum Strauss).


In diesem Gebäude betrieb Heinrich Bayer das Varieté "Himmelsleiter". Er pries sein Programm "auf Weltniveau" mit "Verwegenen Artisten am Hochtrapez, Entfesselungskünstler und neckisch entkleidete Damen" an. Doch der Geschäftserfolg muss eher mager gewesen sein.

So installierte Bayer einen Kinematographen und eröffnete am 13.10.1906 "Heinrich Bayers lebende Photographie". Im Anschluss an die Varietévorstellung zeigte er bewegte Bilder, meist kurze Dokumentarfilme oder Stoff aus der Weltliteratur und Weltgeschichte. Die Nürnberger waren neugierig auf die neue Technik und strömten in die Himmelsleiter, sodass sich deren Betrieb wieder rentierte. Erste Erfahrungen mit "laufenden Bildern" hatte das Publikum bereits seit 1898 sammeln können, nachdem mobile Kinematographen-Theater auf dem Nürnberger Volksfest gastierten (wahrscheinlich war es der Betrieb von Peter Lindner und Ernst Rierl).

Phillip Nickel (bürgerlich Phillip Müller) erwarb 1908 das Haus in der Karolinenstraße und baute es unter dem Namen Noris-Theater zu Nürnbergs ersten ortsfesten Lichtspieltheater um. Heinrich Bayer blieb dem Medium weiterhin treu, und eröffnete im selben Jahr in der Königstraße 9 ein "Tonbild-Theater", die späteren "Lorenzer Lichtspiele". Heute (2010) steht an dieser Stelle der "Admiral Filmpalast".

Nickel, ein Varietékünstler und Gesangs-Humorist, assistierte schon bei den ersten öffentlichen Filmvorführungen im Berliner Wintergarten (1895) und war begeistert vom neuen Medium. Das Noris-Theater erhielt eine Jugendstilfassade und der Zuschauerraum wurde mit Holzstühlen bestückt. Über der Eingangstür prangte ein Transparent mit der Aufschrift: "Täglich von 3-11 Uhr, Ununterbrochene Vorstellung mit Restaurationsbetrieb".

Am 16. Oktober 1908 war Premiere im Noris-Theater. Es wurden sieben verschieden Filme gezeigt, darunter auch eine 150 Meter lange Version vom Shakespeare-Drama "Hamlet". Nickel setzte auf eine ausgewogene Mischung aus Information, Bildung und Unterhaltung. Dieses Konzept schien aufzugehen, denn das Kino wurde von den Bürgern gut angenommen. Der Nürnberger Filmpionier achtete auch darauf nicht mit der Obrigkeit in Konflikt zu geraten. Phillip Nickel zeigte keine Filme die er nicht vorher selbst gesehen hatte – Schundfilme sollen nicht über die Leinwand geflimmert sein.

Ab dem 19.05.1909 gab es auch einen Magistratsbeschluss, durch den er zu einer Art Vorzensur verpflichtet war. Ein Ortspolizist begutachtete das Programm vor oder in der ersten Vorstellung. Es durfte nicht gegen "die Religion, die staatlichen Einrichtungen, die gute Sitte, den öffentlichen Anstand oder die öffentliche Ordnung verstoßen" werden. Sowieso verboten waren Aufführungen "für Erwachsene" und "nur für Herren". Phillip Nickel hielt sich an die Auflagen und arrangierte sich mit den Polizeibehörden.

Nickel war ein begnadeter Selbstvermarkter. Bei der Vorführung eines Films des dänischen Komikerduos Pat & Patachon ließ er beispielsweise die Filmrolle an einer bestimmten Stelle stoppen, auf der Bühne erschienen die beiden Filmkomiker in Person, spielten die Szene leibhaftig zu Ende, dann lief der Film weiter. Der Kinobesitzer suchte immer auch den Kontakt zu Stars und Koryphäen der Branche. Er kannte den Starregisseur Richard Eichberg und gründete 1908 mit dem Münchener Kinopionier Carl Griebel den "Verein bayerischer Kinobesitzer". Es sollen auch Asta Nielsen, Joe Stöckel und viele andere Größen der Filmbranche bei ihm zu Gast gewesen sein.

Doch Phillip Nickel strebte nach Höheren. Bereits 1906 schickte er seinen Sohn Richard nach Paris um dort das Handwerk des Filmvorführers und Kameramannes zu erlernen. Ab 1907 begannen Vater und Sohn mit Dreharbeiten zu eigenen Werken. Die Mischung aus Dokumentar-, Kultur- und Slapstick-Filmen stellten sie zur sogenannten "Noris-Schau" zusammen, eine Art lokale Wochenschau, die dann im Vorprogramm des Noris-Theaters gezeigt wurde. Gefilmt wurde alles was den Besucher interessieren könnte. So war das Filmteam auf dem Volksfest, bei Hundeausstellungen oder Faschingsumzügen vertreten. Auch Ereignisse wie "Ein Auto fährt ins Schaufenster" wurden im Bild festgehalten. Und, die Noris-Schau war ein Renner, hofften doch nicht wenige Nürnberger sich auf der Leinwand wieder zu finden.

Fast hätte es auch einen Spielfilm aus der Noris gegeben. Gemeinsam mit der französischen Produktionsfirma Pathé Frères wollte man das Werk "Zigeuner und Ritter" in die Lichtspielhäuser bringen. Das mittelalterliche Melodram sollte auf der Kaiserburg abgedreht werden, mit hübschen Burgfräulein, bösen Zigeunern und edlen Rittern. Doch eine Pariser Filmdiva hielt die Dreharbeiten nicht durch, sie war schwanger. Auch die Obrigkeit beobachtete das Treiben auf der Burg argwöhnisch. Als die Filmcrew dann den Straßenzug Am Ölberg mit einem Seil absperrte, gab es eine empfindliche Strafe wegen "polizeiwidriger Behinderung des Verkehrs". Das Spielfilmprojekt scheiterte letztendlich.

Richard und Phillip Nickel stellten sich weiterhin gut mit den Behörden. Und irgendwie hat es Phillip geschafft, eine Blanko-Konzession für Dreharbeiten jedweder Art zu erhalten. So entstanden für ihre Noris-Schau von 1907 bis 1944 insgesamt 531 Filmtitel. Die beiden Filmemacher hatten auch keine Berührungsängste mit den Nationalsozialisten. Sie filmten das braune Treiben in Nürnberg, wie beispielsweise den "Deutschen Tag" 1923. Dieses Werk öffnete Richard Nickel die Tür bei den hiesigen NS-Machthabern. Er durfte 1933/34 an Leni Riefenstahls Reichsparteitagsfilm "Triumph des Willens" mitdrehen. Auch die überregionale UFA-Wochenschau wurde mit lokalen Propagandafilmen aus der Noris versorgt.

Richard, der im Nachhinein das filmische Werk katalogisierte, verzichtete bei der Auflistung auf einen Titel. Der 1941/42 entstandene Film "Der Auszug der Juden aus Mainfranken" fehlt. Dieses Werk dürfte der Grund dafür sein, dass das komplette Archiv 1945 von amerikanischen Soldaten beschlagnahmt wurde. Ob es sich jetzt in Privatbesitz befindet oder vernichtet wurde ist nicht bekannt, vermutlich trifft Letzteres zu. (Eigentlich bedauerlich, sicher wären interessante Bilddokumente aus fast vier Jahrzehnten unter den Aufnahmen gewesen.)

Auch das Noris-Theater hat die Kriegswirren nicht überlebt. Es ging am 4. Oktober 1944 im Bombenhagel unter und wurde total zerstört. Phillip Nickel starb zwei Jahre später am 9. November 1946. In der Karolinenstraße 53 erinnert nicht mehr an das erste ortsfeste Kino Nürnbergs.

Peter Luginsland (eigentlich Hanns Schödel) beschrieb in seinem Büchlein " Das war´n halt noch Zeiten" als Zeitzeuge die Anfänge des Nürnberger Kintopp. Hier ein kleiner Auszug:

"(...) Als das schon etwas wurmstichige Tingel-Tangel zur Himmelsleiter in der Karolinenstraße wegen der zu großen Konkurrenz der Apollo-Programme seine Pforten schloß, eatblierte dort ein gewisser Herr Beyer den ersten Kinematographen. Um die zögernden Nürnberger anzulocken, stellte Herr Beyer einen leibhaftigen Neger in einer goldstrotzenden Generalsuniform vor die Türe und der gemütliche Afrikaner sagte unausgesetzt: >>Beyjjjäärs Ginemattograff! Theatääär läbbender Photografffien! Eindrieed su jädär Seit!<< (...) Nachdem sich anscheinend das Etablissement des Herrn Beyer, das später von dem bekannten Volkssänger Nickel erworben und unter dem Titel Noris-Kino weitergeführt wurde, rentierte, öffneten auch die Union-Lichtspiele ..."


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Text: mw
Fotos:
Verwendete Literatur: DWZ, SLN, VKC

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