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Nürnberg

Phoebus-Palast

Der Phoebus-Palast befand sich ehemals am Königstorgraben 11 und war einst das größte Kino Nordbayerns. Entworfen hatte den mächtigen Bau Ludwig Ruff, der später auch für die Kongresshalle verantwortlich zeichnete. Dort wo sich einst der Kinopalast befand, steht heute das Geschäftsgebäude einer Bank.


Nürnbergs erstes ortsfestes (kleines) Kino, das Noris-Theater, befand sich seit 1908 in der Karolinenstraße. Schon vor der Eröffnung des mächtigen Phoebus-Palastes gab es im Nürnberg der Weimarer Republik Gegner des Projekts. Einerseits war der damalige Oberbürgermeister Hermann Luppe kein Freund des aufstrebenden Mediums (Ton)Film, anderseits fürchteten Anhänger klassischer Kulturveranstaltungen eine Profanierung durch die neue Volksunterhaltung.

Für die Eröffnung eines der größten Kinos Deutschlands zu damaliger Zeit wurde eigens ein Film produziert der am 7. Oktober 1927 uraufgeführt werden sollte. Das Werk mit dem Titel "Der Meister von Nürnberg", gab die Phoebus AG bei Ludwig Berger in Berlin, einem der führenden deutschen Regisseure, in Auftrag. Gedreht wurde in den Babelsberger Studios, wo Berger Teile der Nürnberger Altstadt nachbauen ließ. Der Film basierte auf Motiven der Wagner-Oper "Die Meistersinger von Nürnberg", als Hauptdarsteller agierte der Schauspieler Rudolf Rittner neben Gustav Fröhlich und Maria Solveg.

Doch es formierte sich Protest gegen die Aufführung, hauptsächlich von Leuten die den Film nie gesehen hatten, sondern nur von der Uraufführung im Berliner Kino "Capitol" hörten. Man sprach von Verunglimpfung des Wagnerischen Werks. Der "Fränkische Kurier" schrieb in seiner Ausgabe vom 29. Okt. 1927:

"(...) Es geht hier nicht allein um Wagner, sondern alles was deutsch und echt ist. Doch nehmen wir dieses unerhörte Verbrechen an den Meistersingern als endliches Signal zum Losschlagen. In diesem Falle muss der Gegenschlag von Nürnberg kommen."

Unterstützt wurde der sogenannte "Nürnberger Protest" auch von Oberbürgermeister Luppe, welcher Vorsitzender mehrerer Kulturvereine war. Der Redakteur Wilhelm Matthes vom "Fränkischen Kurier", der den Film bis dato nicht gesehen hatte, schürte die Protestwelle, die sich bald als Sturm im Wasserglas entpuppte. Nachdem Redakteure anderer Nürnberger Zeitungen den Film in München gesehen hatten, stellten sie fest dass der Protest völlig unberechtigt sei.

Der Phoebus-Palast wurde dennoch am 7. Oktober 1927 eröffnet. Oberbürgermeister Luppe war ebenso anwesend wie andere hochrangige Persönlichkeiten. Allerdings kam nicht oben erwähntes Werk zur Aufführung sondern der Sternheim-Film "Die Hose". In der "Nordbayerischen Zeitung" war zwei Tage später zu lesen: "Der Film ist nun auch in Nürnberg gesellschaftsfähig geworden." In der Nürnberg-Fürther Morgenpresse vom selben Tag heißt es über die Eröffnungsrede von Generaldirektor Corell: "(...) Er gab dann dem Bedauern über die Widerstände Ausdruck, die in Bayern dem Phoebus-Spitzenfilm "Meister von Nürnberg" entgegengesetzt würden, der als urdeutscher Film deutschen Geistes von Dr. Berger gedacht, geschaffen und von Ritter auf der Höhe seiner Kunst gespielt worden sei. ..." Die Leitung des Hauses hatte von 1928 bis 1931 Curt Baumgärtner sen. inne, danach ein Herr Seebacher.

Rudolf Rösermüller schrieb von der Eröffnung im Fränkischen Kurier: "Das Wesen eines großen Lichtspieltheaters bedingt den Massenraum als Mittelpunkt, einen begrenzten Bühnenraum als rückwärtigen Teil und einem dem großen Verkehr gewachsene Empfangs- und Wirtschaftshalle mit breiten Zugängen. (...) Es war ... als würde man fürs erste Tausendundeine Nacht erleben. Rhythmische Farbenschimmer in indirekter Beleuchtung ließen Formen der Zweckmäßigkeit in großdimensionaler Raumaufteilung erstehen, über einem Meer an Sitzen. Erst allmählich konnte das Auge an die Erforschung der Einzelheiten, die den Gesamteindruck bedingen, herangehen."

Architektonisch gesehen war der Phoebus-Palast ein Bau zwischen Tradition und Moderne, der auch Architekturkritikern Respekt abnötigte. 2.043 Sitzplätze bot der Kinosaal, weitere 300 Plätze befanden sich in einem Café im ersten Obergeschoss, wohin man über Marmortreppen gelangte. In dem Café spielte ein Tango-Orchester für die Gäste auf. Da sich zu dieser Zeit der Tonfilm erst entwickelte, war der Kinosaal mit einer großen Wurlitzer-Orgel ausgestattet mit der Stummfilme live begleitet wurden – das einzige Instrument dieser Art in Deutschland, wie es in einer Zeitungsanzeige heißt.

Eine Umbenennung in Ufa-Palst erfolgte unter den Nationalsozialisten, geleitet wurde der Lichtspieltempel in dieser Zeit von Erich Menz. Die Nazis ließen zum 100-jährigen Jubiläum der deutschen Eisenbahn auch einen Film drehen, der 1935 im Ufa-Palast uraufgeführt werden sollte. Doch soweit kam es nicht, der Streifen mit dem Titel "Das Stahltier" wurde verboten. Regiseur Willy Ziehlke hatte ein avantgardistisches Werk geschaffen das den Machthabern missfiel. (Die Filmmusik stammte aus der Feder von Peter Kreuder, der später als Schlagerkomponist berühmt wurde.)

Nachdem Bombentreffer das Haus beschädigten konnte der Kinobetrieb mit 410 Plätzen im umgebauten Foyer am 16. Dezember 1948 wieder aufgenommen werden. Der gesamte Komplex wurde am 22. Dezember 1952 unter altem Namen (Phoebus-Palast) wiedereröffnet. Allerdings bauten die Betreiber das Kino mit geänderter Struktur wieder auf. Anstatt eines großen Saals wurde der Filmpalast in drei Häuser aufgeteilt – 1.000 Plätze bot das Große Haus, im Kleinen fanden 250 Besucher Platz und das ehemalige Café wurde zum Studio umfunktioniert. In Letzterem boten die Betreiber ab Oktober 1954 auch ein "Non-stop-Kino", wo Kulturfilme und Aktuelles gezeigt wurden.

Sogar im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wurde über das Filmtheater berichtet, nachdem es 1956 zu einem Streit zwischen Nürnberger und Fürther Kinobesitzern gekommen war. Selbst die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen "wettbewerbsbeschränkenden Absprachen". Grund: Karl O. Hierl und Max Zimmermann vom Phoebus-Palast, sowie Friedrich und Walter Jung (Atlantik-Palast) hatten schriftliche Vereinbarungen mit den Filmverleihern getroffen, wonach die Filme zuerst in Nürnberg aufgeführt werden durften. Die Folge: Bei Kassenschlagern pilgerten die Fürther scharenweise in die Nürnberger Kinos. Die Fürther Kinobetreiber schalteten ihren damaligen Oberbürgermeister, Dr. Hans Bornkessel, ein der daraufhin Strafantrag stellte. In einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft heißt es:

"Im Zuge der Motorisierung wird die Abwanderung der Besucherscharen immer größer, klagte der Geschäftsführer der drei Fürther Filmtheater Park, Admiral und Bambi, der an einigen Abenden in Nürnberg vor dem Phoebus-Palast und dem Atlantik-Palast die Nummernschilder der zwei- und vierrädrigen Fahrzeuge kontrolliert hatte und dabei feststellen musste, dass die Fürther Kenn-Nummern noch häufiger waren, als er erwartet hatte."

Wie die Sache letztendlich ausging ist dem Spiegel-Artikel nicht zu entnehmen. Die Filmverleiher haben aber den Passus "Erstaufführung Nürnberg" geändert. Der Zusatz "vor Fürth" wurde gestrichen.

Doch auch dieses Lichtspieltheater fiel dem einsetzenden Kinosterben zum Opfer. Es wurde am 30. Mai 1972 geschlossen. In den letzten Vorstellungen liefen "Das Haus in Montevideo" und "Königswalzer" durch die Projektoren. Wie eingans erwähnt, steht an dieser Stelle jetzt ein Geschäftshaus

Apropos. "Der Meister von Nürnberg" wurde doch noch im Phoebus-Palast aufgeführt. Am 31. August 1928 liefen die Filmrollen durch den Projektor – diesmal ohne Proteste.


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Text: mw
Verwendete Literatur: ANB, KIN, SLN, VKC; Der Spiegel 38/1956 (Besten Dank an Herrn Edenharter für den Artikel). Nürnberger Nachrichten v. 26.06.2010 "Unter Dampf; Adler-Feiern spiegeln die Bahngeschichte", von Franz Sonnenberger

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