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Das Blausternwerk

Das Blausternwerk war, obwohl es ein Wasserrad besaß, keine Mühle und würde auch in die Rubriken Brunnen oder Bauwerke passen. Da es aber durch den Fischbach angetrieben wurde nimmt es eine Sonderstellung in der Kategorie Mühlen ein. Es war als "Wasserwerk vor dem Frauentor" (heute Sterntor) gebaut worden und diente zur Wasserversorgung der Nürnberger Innenstadt. Das Blausternwerk war aber kein Wasserwerk nach heutiger Vorstellung, sondern ein fünfstöckiger Wasserturm mit Pumpwerk.


Schon im Mittelalter verfügte Nürnberg über eine gut ausgebaute Wasserversorgung. Bereits im Jahr 1594 wurden in der Stadt 118 Brunnen und 14 Wasserleitungen gezählt. Die innerstädtischen Brunnen wurden durch nahe gelegene Grundwasserquellen und/oder mittels Rohrleitungen von außerstädtischen Quellen gespeist. Diese Leitungen bestanden anfangs aus Holzröhren, später auch aus Bleirohren.

Apropos Wasserversorgung. Über die Wasserqualität machte man sich in dieser Zeit keine Gedanken. Zusammenhänge zwischen Seuchen und hygienisch vorbelasteten Grundwasser wurden noch nicht erkannt. Heute völlig unvorstellbar: Die Abortgruben lagen damals direkt neben den Brunnenschächten. Eine Verschmutzung des Grundwassers führte man nur auf das Hineinwerfen von Abfällen zurück. Kam es einmal zu wasserbedingten Erkrankungen, wurde versucht mutmaßliche "Brunnenvergifter" ausfindig zu machen. Die Juden waren dann immer die erste Adresse.

Durch die über 1.000 Grundwasserbrunnen, die Mühlen, den Kornspeichern und dem Schlachthof innerhalb der Stadtmauern, war Nürnberg im Kriegsfall weitgehend autonom. Zusätzlich wurde der Fischbach in die Stadt geleitet um bei Wasserknappheit auf Reserven zurückgreifen zu können. Ferner wurde die Almosen- und Krötenmühle durch diesen Wasserlauf angetrieben.

Das Blausternwerk wurde nicht geplant, sondern entstand eher zufällig. Der Nürnberger Rotschmied Georg Labenwolf, probierte 1582 an der Stelle wo der Fischbach auf einer hölzernen Galerie in die Stadt eingeleitet wurde, einen neuen, für den König von Dänemark gefertigten Röhrenbrunnen aus. Bei den Erdarbeiten für das Fundament stieß man auf Quellen und hatte somit zwei ideale Voraussetzungen für ein Wasserwerk – den Fischbach zum Antrieb der Pumpen mittels Wasserrad, sowie sauberes Quellwasser.

Der Baubeginn für das "Wasserwerk vor dem Frauentor" wie es anfangs genannt wurde erfolgte 1583. Es sollte den Vorläufer des Tugendbrunnens, "eine steinerne säul", mit Wasser versorgen. Die Arbeiten waren 1584 abgeschlossen und der Brunnen vor der Lorenzkirche ab dem 10. August 1585 mit Frischwasser versorgt. Der Tugendbrunnen wie wir ihn heute kennen, wurde erst 1589 aufgestellt. Das geförderte Wasser verkaufte der städtische Rat ab 1586 an private Haushalte. Die Umbenennung in Blausternwerk erfolgte in den 1680er Jahren.

Über 50 Jahre nach der Inbetriebnahme war das Pumpwerk baufällig und reparaturbedürftig geworden. Dem Nürnberger Ingenieur Johann Carl verdanken wir Kenntnisse über die Funktionsweise des Wasserturms. Carl wurde 1643 mit der Sanierung des Bauwerks beauftragt und fertigte Zeichnungen, Querschnitte und Grundrisse an. Demnach besaß das Werk im dritten Stockwerk ein hölzernes Wasserrad mit einem Durchmesser von 6,5 Metern und 36 Schaufeln. Das Wasser wurde durch drei Pumpzylinder in zwei muschelartige Schalen im oberen Teil des Turms gefördert. Eines der Sammelbecken speiste die Leitung zum Tugendbrunnen, die andere Schale bediente die sogenannte Bürgerröhre, die angeschlossene Privathaushalte sowie öffentliche Gebäude versorgte.

Das Blausternwerk arbeitete unrentabel. Die Baukosten und der Unterhalt wurden durch den Verkauf von Bezugsrechten nicht gedeckt. Zudem war das Pumpwerk vom Wasserstand des Fischbachs abhängig, dessen Wassermenge starken Schwankungen unterlegen war. Dies hatte aber nicht nur natürliche Ursachen. Das Hammerwerk der Firma Spaeth am Dutzendteich konnte im 19. Jh. durch Aufstauung die Wasserration bestimmen, die dem Bach auf seinem Weg in die Stadt zur Verfügung stand. Oft blieb für die Kröten- und Almosenmühle sowie das Blausternwerk nicht genug Wasser übrig, manchmal versiegte der Wasserlauf gänzlich.

Die geförderte Wassermenge betrug 1656 1,4 Sekundenliter und wurde bis 1811 auf ca. 2,1 Sekundenliter gesteigert -– vermutlich wurde eine zweite Quelle angeschlossen. Wenn der Fischbach zu wenig Wasser führte mussten, wie 1755 geschehen, fünfzehn Männer acht Tage lang ein Rad (Göpel) drehen, dass als Alternativantrieb neben dem Wasserrad montiert war. So konnten die Pumpen auch ohne Wasserkraft zum Laufen gebracht werden.

Christian Gottlieb Müller schreibt 1793 in "Kurze Beschreibung der Reichsstadt Nürnberg" über das Blausternwerk: " (...) Zu dem letzteren kommt es (das Wasser) von einem etlich und 60 Schuhe hohen Thurm, der unweit des Frauenthors an der Stadtmauer über dem Einfluß des Fischbachs stehet, und schon im Jahr 1483 mit dieser künstlichen Wassermaschine erbauet worden ist, die vor anderen gesehen zu werden verdient. Alle Stunden werden wenigstens 100 Eymer Wasser über vier Stockwerke hoch in zwey grose Becken aus mehreren in der Tiefe des Stadtgraben gelegenen ausgemauerten Brunnen, welche unter sich Communication haben, hinauf getrieben, und dies geschiehet durch sechs Stiefel, welche vermittelst dreyer Waagbalken und einer dreyfach metallenen Kurbel, von einem Wasserrad, das der Fischbach treibt, in Bewegung gesetzt werden."

Im 19. Jh. galt das Blausternwerk als veraltet und unzulänglich. Bei Beschwerden der Abnehmer über unzureichende Wasserversorgung argumentierte die Stadt mit der Verschlammung des Dutzendteiches und übermäßiger Entnahme des Fischbachoberwassers. Die Einrichtung einer "... Hilfskraft (ab 1847) vermöge welcher sowohl während der Dauer der Reinigung des Fischbachkanals, durch welches das Werk getrieben wird, als auch während der trockenen und kalten Witterung den öffentlichen und Privatbrunnen ihr volles Wasserquantum verschafft werden soll ...", brachte keine Besserung – die "Hilfskraft" war ein Pferdegöpel, eine Drehvorrichtung zum Antrieb von Arbeitsmaschinen durch im Kreis herumgehende Pferde.

Die fortschreitende Industrialisierung ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. kündigte für das Blausternwerk das Aus an. Es wurden zwar noch Überlegungen angestellt das Pumpwerk mit einer Dampfmaschine auszurüsten, dies scheiterte jedoch an den Kosten. Da die Mängel immer gravierender wurden, beschloss man 1867 die Auflassung der Einrichtung. Die Bezugsberechtigten wurden seit dieser Zeit von dem bereits gebauten Wasserwerk in der Tullnau versorgt. Diese, 1865 in Betrieb genommene Anlage, war mit einer Dampfmaschine ausgestattet und konnte fünfzehnmal mehr Wasser liefern als das Pumpwerk an der Stadtmauer.

Das Blausternwerk wurde 1867 für den Durchbruch des Sterntors abgerissen, der Fischbach unter die Erde verbannt und an die städtische Kanalisation angeschlossen.


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Text: mw
Fotos:
Verwendete Literatur: NZS, RIF, SLN

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