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Gleißmühle (später Hadermühle)

Die Gleißmühle, nach 1463 als Hadermühle bezeichnet, wurde urkundlich erstmals 1374 erwähnt. Berühmt wurde sie 1390 als erste Papiermühle Deutschlands, wobei die Meinungen über das Datum der ersten Papierherstellungen auseinander gehen. Man kann annehmen, dass es die erste Papiermühle nördlich der Alpen war. Aber dazu später mehr. Es wird vermutet, dass auf der Gleißmühle Glas hergestellt wurde, was sich eventuell aus der Silbe "gles" (glesmuel), als Plural für Gläser ableiten lässt.


Die Mühlenanlage lag vor dem Wöhrder Tor, nördlich und südlich des linken Pegnitzarms. Burggraf Friedrich verkaufte die "muel, dye man nennet dye Gleissenmuel, gelegen hinter sand kathrein" 1374 mit weiteren drei Mühlen an Leupold Schürstab dem Älteren. Das Obereigentum behielt der Burggraf, da das Anwesen nur auf Lebenszeit übereignet wurde. Bis zum Juni 1390 waren die Schürstabs Eigentümer, die das Nutzungsrecht an Fritz Tailer verpachteten. Da Tailer aber mit dem Pachtzins im Rückstand war, wurde eine Zwangsvollstreckung eingeleitet.

Am 24. Juni 1390, zwei Tage nach dem Urteil gegen Tailer, erwirbt Ulman Stromer die Gleißmühle als Untereigentümer, was aber erst am 1. April 1391 beurkundet wird. Da den Schürstabs das Eigentum nur auf Lebenszeit überlassen wurde, konnte Stromer das Untereigentum ebenfalls nur auf Lebenszeit zugesichert werden. Ulman wurde beim Burggrafen vorstellig und ließ sich das Recht zusichern nach Schürstabs Tod die Mühle dauerhaft als Erbrecht zu erhalten, was ihm auch verliehen wurde – gegen die üblichen Abgaben versteht sich.

Und hier beginnen auch die Spekulationen. Ulman Stromer schrieb am 24. Juni 1390 in sein "püchl von mein geslecht und abentewr": "In nomine Jesu Christi, amen. Anno 1390. Ich, Ulman Stromer, hub an mit dem ersten mit dem papir zu machen zu sant Johans tag zu subenten (Sonnwendtag) und nahm dazu den Claussen Obsser, (...) und hub an ayn rad zu richten." Aber wurde an diesem Tag tatsächlich das erste Papier in Deutschland geschöpft? Lore Sporhan-Krempel deutete 1961 die Aussage im "Püchl" lediglich als "Grundsteinlegung" der Papierherstellung. Da am 22. Juni 1390 Fritz Tailer die Mühle wahrscheinlich noch als Mahlmühle betrieb und eine Umrüstung zur Papiermühle ein halbes Jahr in Anspruch genommen hätte, kann der Satz " hub an mit dem ersten mit dem papir zu machen" auch nur so verstanden werden. Wahrscheinlich war Claus Obsser auch kein Papiermacher sondern ein Mühlenbauer der für den Umbau der Anlage angestellt wurde.

Andere Thesen, nach Karl Hegel und August Wilhelm Katzmeier, setzen das Gründungsjahr mit 1389 an und gehen davon aus, dass an dem umstrittenen Datum tatsächlich das erste Papier hergestellt wurde und Obsser ein Papiermacher war. Diese Untersuchungen/Betrachtungen aus den Jahren 1862 bzw. 1957, sowie die Aussage Sporhan-Krempels können weder be- noch widerlegt werden. Weiter Annahmen und Mutmaßungen können auch kein Licht ins Dunkel bringen, weswegen auf deren Ausführung verzichtet wird.

Im "Neuen Taschebuch von Nürnberg" ist 1822 zu lesen: "Im Jahr 1390 legte Senator Ulmann Stromer eine ausgezeichnete große Papiermühle mit 18 Stampfen zunächst bei der Stadt an. In Deutschland finden sich schwerlich ältere zuverlässige Angaben von dem Betriebe der Papiermacherei."

Bleibt noch anzumerken was Armin Renker 1950 in "Das Buch vom Papier" schrieb: "Wann ist nun das Papier nach Deutschland gelangt? So klar der Weg dieses Werkstoffes im chinesischen und maurischen Kulturbereiche vor uns liegt, so verworren und dunkel sind seine Übergänge in den Ländern Europas." Ferner schreibt er, dass es für die frühen Papiermühlen um Ravensburg und im mittleren Rheingebiet keine klaren Belege gibt und kommt zu dem Schluss, "dass die früheste Papiermühle in Deutschland von Ulman Stromer im Jahre 1390 vor den Toren von Nürnberg errichtet wurde." Dabei wollen wir es belassen.

Urkundlich belegt ist die Papierproduktion durch Ulman Stromer auf einer Stadtrechnung erst im Jahr 1392. Da zwischen 1391 und 1396 vermehrt Arbeitskräfte eingestellt wurden ist anzunehmen, dass 1390 erste Versuche der Papierschöpfung angestellt wurden und die Papierproduktion erst im oben genannten Zeitraum richtig anlief. Aus einem Vertrag geht hervor, dass die südlich der Pegnitz gelegene Mühle zwei, und die auf der Nordseite drei Wasserräder besaß. Nur die größere (nördliche) Anlage wurde als Papiermühle betrieben.

Jörg Tyrmann, mit dem Stromer einen vierjährigen Verlagsvertrag hatte, verließ die Gleißmühle vorzeitig, ohne seinen erhaltenen Vorschuss abzuarbeiten. Ob die Schadensersatzklage Stromers in Höhe von einhundert Silbermark Erfolg hatte, ist nicht überliefert.

Die von Stromer aus der Lombardei angeworbenen Brüder Franciscus und Marcus de Marchia mussten einen heiligen Eid schwören für niemand anders als für ihn Papier zu machen. Doch die beiden Italiener erwiesen sich als nicht so umgänglich und bereiteten ihrem Arbeitgeber Ärger. Stromer vermutete sogar das sie ihn von der Mühle verdrängen wollen. Ein weiterer Eintrag in seinem "Püchl" verrät uns seine Gegenmaßnahmen: "Anno 1390 die 25. Augusti do fieng ich den Frantzen und seinen brueder den Marcus, und legt die auf den thurn hinder dem Derrer (Wasserturm) und verschloß sie in ein Kemmerlein." Nach dem Arrest wurden die Italiener nachgiebig. Stromer ließ sie abermals schwören und fortan arbeiteten die Brüder ganz im Interesse ihres Arbeitgebers. Aber auch diese Aussage über die italienischen Papiermacher ist nicht unumstritten.

Nach dem Pesttod Ulman Stromers (1407) ging das Anwesen an dessen einzigen Sohn Georg über. Der wiederum geriet 1430, zusammen mit der mit Hans Ortlieb gegründeten Handelsgesellschaft, in eine finanzielle Krise. Ortlieb flüchtete und hinterließ Stromer einen Schuldenberg in Höhe von 21.000 Gulden. Die Firma ging 1431 in Konkurs. Auch externe Investoren wie der Launinger Ratsherr Werner Roßhaupter waren von der Insolvenz betroffen. Es entfesselte sich eine jahrelange Fehde, in der Roßhaupter versuchte seine 3.000 Dukaten einzuklagen und die Papiermühle zu enteignen. Georg Stromer hatte die Liegenschaften aber bereits auf seine Söhne übertragen.

Andreas Stromer, Georgs Sohn, spezialisierte sich auf Verpackungspapier für das Metallgewerbe, für das ein größerer Bedarf bestand. Dessen Frau Elsbeth betrieb die Mühle weiter, nachdem Andreas im Markgrafenkrieg beim Sturm auf Altdorf gefallen war. Durch die Kriegsereignisse wurde auch die Gleißmühle in Mitleidenschaft gezogen, was Stromers Witwe wahrscheinlich veranlasst hat den Betrieb an den entfernen Verwandten Sebald Groland zu verpachten, der dort neben der Papierherstellung auch noch eine Schmelzhütte betrieb.

Nachdem Burggraf Friedrich 1427 nach Brandenburg gezogen war, übertrug er seine Liegenschaften, darunter auch die Gleißmühle, an die Stadt die somit Lehens- bzw. Eigenrecht besaß. Dadurch scheiterte auch der Versuch Grolands, die Anlage von Elsbeth Stromer zu kaufen – der Rat nahm das Vorkaufsrecht in Anspruch und sicherte sich die Mühle für 1.300 Gulden. Nachdem damit das Recht auf Papiermacherei erlosch, wurde der Betrieb zu einem Zain- und Kupferhammer umgebaut. 1471 kamen noch zwei Räder zum Polieren von Harnischen hinzu.

Ab 1463 wurde die Gleißmühle als Hadermühle bezeichnet, welche 1479 abbrannte und wahrscheinlich nach selben Grundriss wieder aufgebaut wurde. Nachdem die südliche Hadermühle (später Nr. 5) 1531 durch Sebald Ochsenfelder gekauft wurde und bis Ende des 19. Jh. etliche Besitzerwechsel erlebte, wurde der Betrieb als Loh- und Gipsmühle 1896 eingestellt. Das Anwesen wurden danach von der Firma Adam Baumüller als Holzlager und Sägemühle genutzt.

Die ehemalige Sägemühle (später Hadermühle 7) wurde bereits 1839 von der Firma Zenker & Stadler zu einer Farbholzmühle umgebaut. In den 1870er Jahren ist dann der Bleistiftfabrikant Emil Mahla in dem Anwesen ansässig, gefolgt von Jean Denecke (ab 1891) der ebenfalls in der Bleistiftproduktion tätig ist. Nachdem die Mühle seit 1895 über zwei Wasserräder und zwei Dampfmaschinen verfügte, ließ sich ab 1922 die Maschinenfabrik Daniel Speck in der Hadermühle 7 nieder.

Die auf der anderen Pegnitzseite gelegene Mühle (später Hadermühle 1 und 3) wurde in reichsstädtischer Zeit als Kupfer- und Zainhammer betrieben. Allerdings sind die dortigen Besitzverhältnisse nicht lückenlos dokumentiert. Die Spiegelglaspoliermühle von Johann Jakob Häuffle musste wahrscheinlich wegen der starken Konkurrenz aus Fürth in den 1860er Jahren aufgeben. Bevor die Rundstabfabrik Baumüller das Anwesen Hadermühle 1 erwarb, war dort noch die Firma Goetz & Holzinger tätig, die ebenfalls Kupfer- und Eisenhämmer betrieb. Auch die Bleistiftfabrik Denecke zog mit in das Anwesen ein.

Zur Jahrhundertwende wurde die Wasserkraft der Hadermühle von den Firmen Baumüller, Speck und Denecke genutzt. Vier unterschlächtige Wasserräder lieferten insgesamt 31 PS. Nachdem sich die Bleistiftfabrik nicht behaupten konnte, zog 1920 die Apparatefabrik Hans Schroth in deren Räume ein. Neben Spezialarmaturen wurden ab 1925 auch Maxima-Vergaser für die Motorradindustrie produziert. Die Firma Baumüller, inzwischen von den Söhnen (Georg und Gottlieb) des Firmengründers geleitet, konnte bis zur Zerstörung der Anlage Produktion und Umsatz stark steigern.

Die Gleiß- bzw. Hadermühle brannte zwar über die Jahrhunderte mehrfach, wurde aber nie aufgegeben und immer wieder hergerichtet. Erst der Zweite Weltkrieg machte der einst so innovativen Industriestätte den Garaus. Die Bomben legten die Hadermühle in Schutt und Asche. Nachdem die Ruinen 1952 beseitigt wurden, ließen sich die Besitzer von den Wasserlasten befreien, indem sie die Wasserrechte an die Stadt abtraten. Übrig geblieben ist nur noch der Straßenname "Hadermühle".


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Text: mw
Fotos:
Verwendete Literatur: NZS, RIF, SAN, SLN

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