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Nürnberg

Die Großweidenmühle

Richtigerweise müsste es in der Überschrift "Großweidenmühlen" heißen, weil es ehemals mehrere unabhängige Mühlenanlagen waren die von unterschiedlichen Inhabern betrieben wurden. Im 19. Jh. bestand der Komplex aus drei Teilen: Dem "Leykaufschen Eisenhammer" (Großweidenmühlstr. 1-3), dem "Engelhardtschen Hammer"(Großweidenmühlstr. 9-11) und der Mahlmühle (Großweidenmühlstr. 5) Heutzutage bezeichnet man (inoffiziell) einen Teil des Stadtteils St. Johannis als Großweidenmühle.


König Heinrich VII. schenkte die Großweidenmühle 1234 zusammen mit der Almosenmühle und wahrscheinlich auch der Krötenmühle der Deutschordenskommende. Die "Weidenmühle in der Sebalder Pfarr", wie die Mühle auch genannt wurde, ging 1431 an die Reichsstadt Nürnberg über und wurde 1473 an Leonhardt Pregler verkauft. Pregler und die nachfolgenden Mühlenbetreiber mussten eine Art Zinsabgabe an den Nürnberger Rat abführen. Diese Abgaben waren jährlich sechs Simmer Korn, ein Weck zu Weihnachten oder einen Gulden und eine Fastnachtshenne. Zu dieser Zeit hatte die Großweidenmühle vier Räder zum Getreidemahlen und zwei weitere Räder für andere Zwecke. Vermutlich wurde mit einem Rad ein Eisenhammer, mit dem Zweiten eine Drahtzieherei betrieben.

Seit 1487 war die Mühle, mit der am südlichen Pegnitzufer gelegen Kleinweidenmühle, durch einem Steg verbunden Den Steg samt Mühle hat Albrecht Dürer auf seinem Aquarell "Die Drahtziehermühle" 1494 verewigt. Im Juni 1515 ging die Mühlenanlage für 666 Gulden in den Besitz des Großhandelsunternehmers Hans Imhof über. Seit diesem Zeitpunkt wurde die Großweidenmühle "Imhofsche Weidenmühle" genannt und behielt diesen Namen über die folgenden Jahrhunderte. Auch Imhof musste weiterhin Zinsabgaben leisten.

Die Notizen des Nürnberger Rats von 1596 lassen vermuten, dass zu dieser Zeit ein Zainhammer auf der Großweidenmühle betrieben wurde. In dem Schreiben ist von einem Michael Cammerdörfer, Zainer auf der Weidenmühle die Rede. Der Drahthammer wurde 1635, mit Erlaubnis des Rats der Stadt, durch den Betreiber Conrad Wild in eine Mahlmühle umgewandelt.

Im Jahr 1700 ging das Mühlenanwesen für 450 Gulden an den Stadtbaumeister Gottlieb Volkamer über. Gleichzeitig wurde ein Wasserpumpwerk für die Versorgung der Hesperidengärten in St. Johannis eingerichtet. Eine teure Sanierung des maroden Wehres erfolgte 1704 – die Lohn- und Materialkosten betrugen 458 Gulden. Zu dieser Zeit waren sieben Mahlräder im Besitz von Hannß Uhlherr. Wahrscheinlich wurden durch zwei weitere Räder noch Eisen- oder Zainhämmer angetrieben. Ein weiteres Rad versorgte die Barockgärten weiterhin mit Wasser.

Da die Pegnitz an dieser Stelle (am Nordufer) zehn Räder antreiben musste, kam es zwischen den unterschiedlichen Betreibern immer wieder zu Streitigkeiten. Der Besitzer des Zainhammers bezichtigte 1778 den Müller Reinhard des "Entzugs des Wassers". Der Rat der Stadt konnte keine klare Regelung finden und fasste den Beschluss den Streit "zur Zeit auf sich beruhen zu lassen". Auch andernorts führten die vielen Wasserräder im Stadtfluss immer wieder zu Differenzen

Ein erneuter Besitzerwechsel erfolgte 1802. Der gesamte Komplex wurde von der "von Ebnerischen Fideicommiß-Administration" übernommen, die die Anlage weiterverpachtete. Im heutigen Bereich Großweidenmühle 1-3 betrieb Bernhard Leykauf zwischen 1806 und 1818 ein Hammerwerk mit zwei Eisenhämmern. Ein weiterer Eisenhammer wurde von Leonhard Engelhardt auf den ehemaligen Hausnummern 47 und 48 betrieben. Michael Strobel hielt auf den Hausnummern 41-43 eine Mahlmühle in Gang.

Seit 1863 befanden sich in der Großweidenmühle keine Hammerwerke mehr. Der Fabrikant Georg Andreas Fröscheis hatte den Leykaufschen Hammer erworben und in eine Bleistiftfabrik umgewandelt. Der Engelhardtsche Hammer wurde 1860 von Adam Buchner zur Kunstmühle umgewandelt, da Hammerwerke anscheinend unrentabel geworden waren. Die vordere Mahlmühle wechselte 1860 ebenfalls den Besitzer und wurde nun von Heinrich Haberstumpf betrieben. Den unteren Teil der Mühlenanlage erwarb 1864 Johann Georg Fehn. Das Wasserpumpwerk existierte weiterhin im Anwesen Nr. 7.

Fröscheis hatte sich inzwischen den Markennamen "Lyra" eintragen lassen und verlagerte 1878 seine Bleistiftfabrikation an die Ecke Großweidenmühl-/Brückenstraße. Die Großweidenmühle diente aber weiterhin zum Vermahlen der Graphit- und Tonmischung.

Ab 1905 wurden im Mühlenanwesen noch fünf Wasserräder betrieben, die von Fröscheis, den Kunstmühlen Haberstumpf und Fehn sowie dem Pumpwerk der Stadt Nürnberg genutzt wurden. In die Haberstumpfsche Mühle zogen 1942 die Lederwarenfabrik Breede & Co sowie die Signierkreidefabrik Kühnel ein. Der obere Teil der Anlage wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Vom Bombenhagel verschont, existierte die Fehnsche Kunstmühle am längsten. Zwischen 1953 und 1956 wurde das, durch eine Luftmine zerstörte Wehr, für 630.000 Mark komplett neu aufgebaut. Jedoch war die Nutzung der Wasserkraft zu teuer geworden. Georg Fehn produzierte bereits seit 1945 mit Strom. Als vorletzte, noch existierende Nürnberger Mühle wurde der Betrieb 1967 endgültig stillgelegt (die Satzinger Mühle produzierte noch bis 1972).

Das Buch "Räder im Fluss" enthält Teile eines lebensgeschichtlichen Interviews mit Georg Fehn vom 18.01.1984. Ein einzigartiges Dokument über etwas das wir heute nicht mehr kennen: Die kleinen Wassermühlen.

"Ich war gewissermaßen der letzte Müller drauf, bin selber Müllermeister; in der vierten Generation habe ich die Mühle betrieben. Mein Urgroßvater, der in Hersbruck draußen schon eine Mühle hatte, die jetzige Sartorius Mühle, kam 1864 nach Nürnberg und hat die Mühle gebaut. Seit 1865 ist sie gelaufen (...). Ich hab dann gemahlen bis 1967. Sie wissen ja, die ganze Lage der Müllerei, es sind ja heute über achtzig Prozent der Mühlen, die nach dem Krieg noch gearbeitet haben, verschwunden, kleinere Mühlen überhaupt, da hab ich dann auch aufgegeben, zwangsläufig. Ich hab noch ein paar Jahre mit Mehl gehandelt und die Firma ist dann 1975 gelöscht worden".

In unseren Tagen noch existent sind die Lyra Bleistift-Fabrik und Teile des Gebäudes der Kunstmühle Fehn. Lyra produziert in der Willstätterstraße weiterhin ihre bekannten Schreib- und Künstlerartikel. Im Anwesen Großweidenmühlstraße 9 befindet sich heute, ebenso wie in der Satzinger Mühle, ein Gastronomiebetrieb. Zumindest in Teilen sind noch Spuren der Mühle zu entdecken. Es wurde nicht einfach herausgerissen und neu gebaut, sondern erhalten. Im Restaurant "Etage" im ersten Stock hängen noch zwei hölzerne Zufuhrschächte für die Walzenstühle. Von außen erkennt man an der Pegnitzseite die zugemauerten Zuführungen des Wasserrades sowie die der Getriebeübersetzungen.




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Text: mw
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Verwendete Literatur: RIF, SLN

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