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Nürnberg

Schwabenmühle auf der Schwabeninsel

(Auch: Mühle unter den Hutern, Mühle an der Füll)

Die Schwabeninsel

Die kleine Insel, zwischen Fleisch- und Karlsbrücke (direkt gegenüber des Trödelmarkts), im südlichen Pegnitzarm wird heute in keinem Reiseführer erwähnt. Kaum jemand kennt ihren Namen und im Nürnberger Straßenplan ist sie auch nicht benannt. Es ist die Schwabeninsel. Die Natur hat sie sich im Laufe der Zeit zurückerobert. Zugewachsen mit Gestrüpp, Büschen und Bäumen ist das Eiland heute ein Zuhause für Schwäne, Enten und anderer, eher ungeliebter Tiere. Früher war das einmal anders. Die kleine Insel bekam ihren Namen durch die auf ihr ehemals gelegenen Schwabenmühle. Diese Mühle hatte elf Mühlräder von denen acht zum Getreidemahlen und Malzbrechen und drei ab dem 16. Jh. als Schleif- Polier- und Sägerad dienten.


Die "alte" Schwabenmühle

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Schwabenmühle im Jahr 1298. Zu dieser Zeit hieß sie noch Mühle an der Füll. (Der Name "an der Füll" leitet sich daher ab, weil der sumpfige und sandige Untergrund erst aufgefüllt werden musste.) König Albrecht gab die Mühle im Erwähnungsjahr den Burggrafen Johann und Friedrich zum Lehen. In den folgenden Jahrzehnten wechselte die Schwabenmühle nicht nur öfters den Besitzer, sondern auch dreimal ihren Namen. Wegen ihrer Lage nördlich der Kaiserstrasse und Hutergasse (dies soll das Hutmacherviertel gewesen sein) wurde sie zeitweise auch "Mühle unter den Hutern" genannt.

Ein um 1450 errichtetes Wehr wurde von der Schwabenmühle gemeinsam, mit der am Sebalder Ufer liegenden Pfannenmühle und der Schleifmühle auf der Trödelmarktinsel, genutzt. Aus nicht näher überlieferten Umständen wurde die Mühle eigenartigerweise 1462 abgerissen und noch im selben Jahr wieder aufgebaut. Ein weiterer Schicksalsschlag folgte im Jahr 1501 – das Betriebsgebäude wurde durch ein Hochwasser völlig zerstört. Ihren letzten Namen erhielt die Mühle als im selben Jahr der Mahlmüller Schwab den Betrieb übernahm. Die Schwabenmühle war zwar als Mahlmühle seit jeher ein bedeutender Versorgungslieferant für die Lorenzer Stadthälfte, aber auch die Müller konnten sich dem technischen Fortschritt nicht entziehen. So diente die Mühle in den folgenden Jahrzehnten weiterhin zur Mehlversorgung der Bevölkerung, wurde aber nach und nach umstrukturiert bzw. erweitert. Die Stadt Nürnberg verzeichnete im Jahr 1791 folgendes über die Schwabenmühle: "Sie hat 10 Räder, 1 Säg-, Schleif- und Poliermühle, und ehedem auch eine Rollmühle und Drechselräder. Es wird auch Malz gebrochen."

Das Streiten ist des Müllers Lust

Konkurrenzdruck schien es an dieser Stelle in Nürnberg damals nicht gegeben zu haben. Die Pfannenmühle mahlte für die Sebalder Stadthälfte, die Schwabenmühle für die Lorenzer. Doch wie verhielten sich die Mühlenbetreiber untereinander? In Nürnberg lagen Mühlen oft am linken und rechten Pegnitzufer auf gleicher Höhe. Da blieben Differenzen, über die gerechte Aufteilung der Wasserkraft, nicht aus. Die benachbarten Müller der Pfannen- und Schwabenmühle beispielsweise, gerieten sehr oft in Streit. Da die Mühlen am selben Wehr lagen, gaben die Spundbäume, die die Wassermengen regelten, oft den Anlass. Doch es galt schon damals: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich! So mussten die streitbaren Müller zusammenhalten, wenn es darum ging, sich mit den flussabwärts gelegenen Mühlenbetreibern (Dürren- und Nägeleinsmühle) auseinander zu setzen. Wenn diese nämlich das Wasser durch das Nägeleinswehr zu sehr aufstauten, wirkte sich das negativ auf die Fließgeschwindigkeit flussaufwärts aus. Das Kraftpotential der Pegnitz für die Schwaben- und Pfannenmühle verringerte sich drastisch. Da das Gefälle der Pegnitz zwischen den Mühlenbetrieben am Säumarkt (Trödelmarkt) und am Neuen Bau ( Max-, Nägeleinsplatz) ohnehin weniger als ein Prozent betrug (dieser Wert reicht gerade einmal für die Selbstreinigung des Flusses), kann man sich vorstellen, das selbst eine geringe Erhöhung der Staumenge massive Auswirkungen auf die Mühlräder der flussaufwärts gelegenen Pfannen- und Schwabenmühle hatte. Da diese Streitigkeiten immer wieder an der Tagesordnung waren, gründete der Rat der Stadt Nürnberg eigens eine "Aufsichtsbehörde" für das Mühlengewerbe. Dies soll zwar eine Linderung, aber keine Beilegung der Streitereien gebracht haben.

Die "neue" Schwabenmühle

Die Stadt Nürnberg kaufte 1856 das Mühlenanwesen. Der Anfang vom Ende? Durch die ständige Bedrohung durch Hochwasser, ließ die Stadt im selben Jahr die Schwabenmühle abreißen und am Lorenzer Ufer ein Werkstättengebäude mit Wasserkraftnutzung und Wasserpumpwerk (bis 1885 in Betrieb) für unterschiedliche Gewerbebetriebe errichten das die Wasserbauten der "neuen" Schwabenmühle nutzte (heute Kaiserstraße 20/22).

Sigmund Schuckert legte in diesem "Gewerbepark" 1873 den Grundstein für ein späteres Weltunternehmen (Siemens-Schuckert Werke AG). Ein Freund Schuckerts, Johannes Greulein, beschrieb die Gegebenheiten bei dessen Einzug so: "Der Fußboden war halb durchgefault, die Türen hingen nur noch in den Angeln, die beiden Fenster klapperten im Winde, im ganzen Gebäude der Hausschwamm. Die Pegnitzratten schienen diesen schon längere Zeit leerstehenden Raum als Stelldichein ausgewählt zu haben."

Die Anzahl von 40 Pächtern Mitte des 19. Jh. reduzierte sich Anfang des 20. Jh. auf weniger als zehn. Dies mag auch daran gelegen haben, das durch die neue Mühlenanlage, im Vergleich mit der gegenüberliegenden Pfannenmühle, nur noch ein Drittel der üblichen Wassermenge floss – die Fließgeschwindigkeit der Pegnitz betrug an dieser Stelle zweidrittel weniger als gegenüber. Daraus resultierte eine eingeschränkte und nicht zufriedenstellende Nutzung der Wasserkraft, was auch durch die Mieter des öfteren moniert wurde. Mehrere Werkstattpächter machten ihren Unmut in einem Leserbrief vom 22. Juli 1865 im Fränkischen Kurier Luft:

"Die jetzige Schwabenmühle, durch mehrere hiesige Bürger, welche vor 10-12 Jahren die Wichtigkeit einer solchen Anstalt einsahen, in´s Leben gerufen, würde, wenn sie ihrem Zwecke entspräche, zu den segensreichsten Unternehmungen gezählt, ja als Zierde Nürnbergs betrachtet werden könne; leider ist dies nicht der Fall, denn der eigentliche Zweck bei Gründung derselben lautete: Hebung der Industrie in Nürnberg; inwieweit diese schönen Worte Wahrheit wurden, davon mag folgende Erklärung Zeugniß ablegen, wenn wir sagen, dass man mit Hilfe eines Schwungraddrehers mehr und schönere Arbeit zu fertigen im Stande ist, wie bei der Benützung der Wasserkraft der Schwabenmühle."


Das Aus für die Wasserkraftnutzung kam im Jahr 1920 – das Wasserrad für das Pumpwerk wurde stillgelegt. Völlig beschämend, für die ehemals so wichtige Mühle, war 1922 die Nutzung der Radstuben als Hühnerstall durch einen Privatperson.

Die Stadt beschloss nun eine Mischnutzung (Werkstätten, Läden, Wohnungen) der Partie, welche bis zur Zerstörung 1945 bestand. Laut Adressbuch von 1925 sollen sich in dem Gebäude auch noch folgendes Gewerbe befunden haben: ein Metalldreher, ein Schwarzblechflaschner, ein Feinmechaniker, ein Metalldrücker und ein Reißzeugpolierer.

Das endgültige Aus für das Anwesen brachten die verheerenden Luftangriffe am 02. Januar 1945. Die durch die Fliegerbomben entstandene Ruinenfläche der Schwabenmühle wurde von 1948-1954 vom Musikhaus Neubert mit einem provisorischem Ladenbau genutzt. Ab 1954 betrieb der Metzgermeister Johann Ruder an dieser Stelle eine Gaststätte mit Biergarten in einem Nachkriegsneubau. Die verbliebenen, zerstörten Wasserbauten der Schwabenmühle (wie die der anderen Nürnberger Mühlen auch) wurden im Zuge der Hochwasserfreilegung der Pegnitz beseitigt.

Heute erinnert nichts mehr an die traditionsreiche Schwabenmühle. An diesem, einst so innovativen Platz, befindet sich (wie schon 1954) ein Gaststättenbetrieb (Café, Bar; Kaiserstr. 20/22) auf dessen Außenfläche man im Sommer, hoch über der Pegnitz, einen Blick auf die Schwabeninsel werfen kann. Wäre die Insel nicht so dicht bewachsen, könnte man hinüber blicken auf den Trödelmarkt und die Partie an der sich damals die Pfannenmühle befand. Aber selbst wenn – die Pfannenmühle lässt sich nicht einmal mehr erahnen. Einzig die östliche Spitze der Trödelmarktinsel, die Liebesinsel, auf der ehemals die Schleif- und Poliermühle stand, scheint sich ihre Form erhalten zu haben
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Schwabeninsel
Schwabeninsel
Schwabeninsel
... v. d. Karlsbrücke aus
Schwabenmühle
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Text: mw
Fotos: mw
Verwendete Literatur: RIF, SLN

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