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Der Irrhain

Der Irrhain, vor den Toren Nürnbergs, im Knoblauchsland gelegen, war einst eine barocke Gartenanlage, die dem Pegnesischen Blumenorden als Treffpunkt diente. Heute (2011) ist das 14.000 Quadratmeter große Areal mehr oder weniger verwildert. Es ist nicht so, dass der gute Wille fehlen würde die Anlage zu sanieren, nur konnten sich Natur- und Denkmalschutz bislang nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen.


Der Pegnesische Blumenorden, ursprünglich als "Löblicher Hirten- und Blumen-Orden an der Pegnitz" gegründet, besteht noch heute als Verein zur Pflege der deutschen Sprache und Dichtkunst. Seine Entstehung durch den Patrizier Georg Philipp Harsdörfer und Mitbegründer Johannes Klaj, ist auf das Jahr 1644 datiert. Anfangs trafen sich die Dichter im Poetenwäldchen an der Pegnitz, nahe dem heutigen Westbad. Durch einen Zaun um diesen Versammlungsort wurden sie jedoch vom Eigentümer dort ausgesperrt. Nach dem Tod Harsdörfers 1658, übernahm Sigmund von Birken die Leitung des Ordens, der sich der Schäferpoesie widmete und die Pflege und Reinigung der deutschen Sprache vertrat.

Der erste Pfarrer von Kraftshof im 17. Jh., Martin Limburger, 1656 zum kaiserlichen Dichter gekrönt, legte den Irrhain gemeinsam mit den Gärtnern Georg Schwarz und Andreas Ingolstädter 1681 in der Nähe seiner Pfarrgemeinde an. Fortan trafen sich die Mitglieder des Pegnesischen Blumenordens in ihren Lern- und Lustgarten im Knoblauchsland. Durch einen Ratsverlass im Jahr 1681, erhielt die Gemeinschaft ein immerwährendes Nutzungsrecht des Irrhains. Die damalige jährliche Pacht in Höhe von einem Gulden, entsprach in etwa dem entgangenen Holzertrag. In den Statuten der Pegnitzschäfer heißt es über den Irrhain:

"... überdiß ein Hoch-Edler und Hochweiser Rath allda, aus besonderer Gnade und Gewogenheit zu diesem löblichen Blumen-Orden, demselben unweit Krafftshof, ein Stück von dero Reichs-Wald zu einem Irr-Hayn, darinnen die Herren Gesellschafftere nach Belieben zusammen kommen und sich ergötzen könnten, eingeraumt, und unter gewissen Bedingungen, überlassen hat. ..."

Ursprünglich hatte der Irrhain einen "Schlangengarten", ein verzweigtes Labyrinth aus einer 900 Meter langen Weißdornhecke, die aber nicht mehr existent ist. Bis in unsere Zeit erhalten hat sich das Eingansportal von 1894 und Gedenksteine für:
Georg Philipp Harsdörfer (1607-1658)
Johannes Klaj (1616-1656)
Sigmund von Birken (1620-1681)
Dr. Sigmund Leinker (1725-1788)
Johann Heinrich Häßlein (1737-1796)
Christoph Martin Wieland (1733-1813)
Dr. Benedict Wilhelm Zahn (1738-1819)
Wilhelm Karl Freiherr Kreß von Kressenstein auf Kraftshof und Neunhof (1755-1856) und Martin Limburger

Die Gedenksteine samt Schillerdenkmal von 1905 bilden den sogenannten "Kirchhof". Ferner sind im Irrhain noch folgende Gedenktafeln angebracht für:
Johann Christoph Friedrich Seidel (1751-1795)
Wilhelm Malter (1900-1993)
Gerhard Hirschmann (1918-1999)
Johannes Geiger (1929-1999)
Elisabeth Fürst (1904-1995)


Bereits 1980 wollte die Stadtverwaltung den Irrhain nach altem Vorbild restaurieren. Das Gartenbauamt sollte die barocke Anlage aus dem Dornröschenschlaf wecken und 3.000 Quadratmeter Wildwuchs beseitigen. Auch eine kleine Bühne sollte rekonstruiert werden. Eine halbe Million Mark hätte das Vorhaben gekostet.

Doch das Unterfangen scheiterte am Veto des Landratsamts Erlangen-Höchstadt, auf dessen Territorium ein Großteil des Wäldchens liegt. Begründet wurde dies mit seltenen Tieren und Pflanzen die sich auf dem Areal angesiedelt hatten. Der damalige Präsident des Blumenordens, Friedrich von Herford, schimpfte gegenüber den "Nürnberger Nachrichten": "Die Entscheidung des Naturschutzbeirats ist völlig unverständlich und geht an den Wünschen und Bedürfnissen weiter Bevölkerungsschichten vorbei." Auch Nürnbergs einstiger Rechtsreferent, Richard Sauber, konnte sich mit der Ablehnung nicht anfreunden: "Das Ökologiebewusstsein ist eine Modeerscheinung, die sicher genauso schnell wieder abflaut, wie sie entstanden ist."

Der Rechtsreferent irrte, die Klagen verhallten. Lediglich die Eingangspforte sowie die Gedenksteine erhielten eine Schutzschicht, die weiterem Verfall vorbeugen sollte. Ferner verlor die Anlage 1989 durch Windbruch einige alte Bäume, was den Gebüschbewuchs begünstigte. Der Pegnesische Blumenorden indes gibt die Hoffnung nicht auf, das in Bayern einzigartige Denkmal wieder ansehnlicher zu gestalten. Doch dies wird schwierig, da sich zwischenzeitlich der vom Aussterben bedrohte Eremit-Käfer in den Bäumen eingenistet hat. Laut einer EU-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) darf jetzt nicht einmal mehr Totholz entfernt werden.

Bis vor einigen Jahren war das alljährliche Irrhain-Fest eine beliebte Veranstaltung. Doch auch damit ist es vorbei, weil herabstürzende Äste die Besucher gefährden könnten. Der derzeitige (2011) Präsident des Blumenordens, Werner Kügel, hofft, dass sich doch noch ein Kompromiss für Natur- und Denkmalschutz finden lässt. Dass das verwilderte Idyll vor den Toren der Stadt so bleiben soll, können sich auch viele Spaziergänger nicht vorstellen. Momentan jedoch hat der Naturschutz die Oberhand.


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Irrhain Eingangsportal
Irrhain
Irrhain Eingangsportal
Irrhain Eingangsportal
Gedenkstein
Gedenkstein
Gedenkstein
Gedenkstein
Kirchhof
"Kirchhof"
Gedenkstein
Gedenkstein
Kirchhof
"Kirchhof"
Irrhain
Irrhain


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Text: mw
Fotos: mw
Verwendete Literatur: KKL, NEL, SLN; Sonntagsblitz v. 14.03.2010: "Irrhain wartet immer noch auf Hilfe" von Georg Klietz
Quelle im Internet:
irrhain.de

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