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Gescha Patentspielwaren

Bei Otto-Normalverbraucher nicht ganz so bekannt ist die Firma Gescha, obwohl sie in Sammlerkreisen im gleichen Atemzug mit Gama, Schuco oder Arnold genannt wird. Klangvolle Namen der einst so berühmten Nürnberger Spielzeugindustrie. Zwar konnte Gescha in puncto Stückzahlen mit den Branchengrößen nicht mithalten, aber bei Originalität und Funktionsvielfalt übertrafen die Gescha-Spielwaren oft die Konkurrenzprodukte.


Die Gebrüder Max und Ludwig Schmid gründeten ihr Unternehmen 1923 in der Fürther Straße 80a. Den Firmennamen leiteten sie aus GEbrüder SCHmid ab, wobei das "a" als Sprachhilfe angehängt wurde. Anfangs waren die Schmids noch als Lieferant für Nürnberger Großhändler tätig. Ebenso wurden Zulieferteile für andere Spielzeughersteller gefertigt. Zu den Großabnehmern zählten auch die Firmen Moskowitz und Hertz, die nach Amerika und Kanada exportierten.

Erst ab 1933 legten die Gebrüder Schmid eigene Serien auf, die das Gescha-Logo trugen. Dies bestand anfangs aus drei zu einem Dreieck geformten Kreisen, die die Buchstaben G, S und N enthielten. Später war es dann ein Kleeblatt symbolisiert durch die Buchstaben G und S. Die ersten Produkte die unter diesen Markenzeichen in den Handel kamen, waren militärisches Spielzeug. Der Katalog von 1935/36 umfasste Funken sprühende Panzer, die mit Zündplättchen-Kanone ausgestattet waren. Der 1937 erschienene "Manövrier-Tank F" wurde durch ein Uhrwerk angetrieben und besaß eine drahtgebundene Fernbedienung, sowie Beleuchtungselemente. Gleiches Modell wurde auch ohne Fernsteuerung bzw. Beleuchtung angeboten.

Max Schmid war der innovative Kopf des Unternehmens. Er entwickelte die Produkte und meldete Patente für seine genialen Erfindungen an. Bruder Ludwig war für den kaufmännischen Bereich verantwortlich. Der Firmensitz in der Fürther Straße 80a gliederte sich in Vorder- und Hinterhaus. Verwaltung und Ludwigs "Bastelzimmer" waren im Vorderhaus, Produktion und Lager im Hinterhaus untergebracht.

Lange bevor Gescha mit eigener Produktlinie auf dem Markt kam, ließ sich Max Schmid bereits 1929 das Patent für seine "Junior Kinder-Schreibmaschine" eintragen. Ein Artikel der aber erst ab 1936 produziert wurde und wesentlich zum Aufschwung des Unternehmens beitrug. Diese Kugelkopf-Schreibmaschine verfügte über eine Walze für den Papiertransport, sowie Hochstelltaste für Groß- und Kleinschreibung. Geliefert wurde das Gerät auch in einer Blechkiste. In der Top-Ausführung war eine Glocke montiert die den Endausschlag der Walze signalisierte. In weiser Voraussicht sicherte sich der Erfinder 1930 sein "Paper Carriages for Typewriting Machines" unter der Patentnummer 1750363 auch in den USA. Die "Junior-Schreibmaschine" war 20 Jahre im Gescha-Sortiment (1935-1956). Später wurden Kugelkopf und Papiertransport von großen Büromaschinenherstellern übernommen.

Ein weiteres Meisterstück war der "Express-Boy", der 1937 mit der Patentschrift 667474 angemeldet wurde. Dieser, bei Sammlern als "Koffer-Boy" bezeichnete Artikel, bestand aus einem Hotelpagen der einen Koffer vor sich herschob und dann mit einem Satz auf selbigen sprang. In einer Werbeanzeige hieß es:

"Ich renne hinterm Koffer her,

dann lieg ich auf dem Bauch;
nein, toller treib es keiner mehr
– drum kauft man mich ja auch!"

Dieses Spielzeug wurde im Lauf der Jahre immer wieder modifiziert und war von 1938-1960 im Gescha-Sortiment. Es dürfte der meistverkaufte Artikel der Gebrüder Schmid gewesen sein. Ein gut erhaltener Express-Boy in Originalverpackung aus Vorkriegsproduktion bringt es heute auf einen mittleren, dreistelligen Eurobetrag. Mit gleicher Mechanik brachte man 1950 noch den Schlittenfahrer heraus, der eben nicht auf einen Koffer, sondern auf seinen Schlitten sprang.

Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung der Fernsteuerung für Spielzeugautos. Natürlich nicht per RC (Radio-Control), wie es heutige Kinder gewohnt sind, sondern in mechanischer Form. In der Patentschrift Nr. 589370 vom 7. Februar 1931 heißt es: "Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum selbsttätigen Steuern von Spielfahrzeugen durch eine auf die Lenkachse des Fahrzeugs wirkende, von einer gleichmäßig umlaufenden Scheibe verschiedenartig bewegte Steuerstange, deren angetriebenes Ende abwechselnd in Ausschnitte oder Vertiefungen der Scheibe einsetzbar ist."

Wahrscheinlich der Urahn aller ferngesteuerten Modellautos erschien ca. 1935. Es war das "Auto-Six", dass ab 1956 auch als "Electro Six-Mobil" angeboten wurde. In dieser Version mit Distler Motor konnten sechs verschiedene Fahrfiguren "programmiert" werden. Ein ebenfalls aus 1935 stammendes Patent für ein Wendeauto, dass bei Erreichen der Tischkante die Richtung wechselte und somit nicht herunter fallen konnte, wurde im August selben Jahres an den Nürnberger Mitbewerber Schreyer & Co. (Schuco) verkauft. Diese vertrieb das Modell erfolgreich unter dem Namen "Patent Motor Car".

Doch es herrschte nicht nur eitel Sonnenschein im Hause Gescha. Bis 1935 hatten die Gebrüder Schmid mit finanziellen Engpässen zu kämpfen. Neben den Folgen der Weltwirtschaftskrise waren auch die hohen nationalen und internationalen Patentkosten ein entscheidender Posten. Hätte Max Schmid nicht von Anfang an geschützte Produkte entwickelt, wäre das Ende der Firma wahrscheinlich schon vor dem Zweiten Weltkrieg gekommen. Aber innovatives Handeln zahlt sich eben aus. Die bereits erwähnte Junior-Schreibmaschine führte den Familienbetrieb 1936 in die Gewinnzone. Durch den Erfolg beflügelt, ließen sich die Gebrüder Schmid 1937 die Buchstaben G und S sowie den Gescha-Schriftzug beim Nürnberger Reichspatentamt schützen.

Wie die gesamte Nürnberger bzw. deutsche Industrie blieb auch die kleine Spielzeugfabrik nicht von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs verschont. Die Produktion musste auf Geheiß des Nazi-Regimes auf Kriegsgüter umgestellt werden. Abverkauft werden durften lediglich Spielwaren aus Lagerbeständen – Fabrikation war untersagt. Aus den gelagerten Rohstoffen wurden beispielsweise Halter für Gasmasken gefertigt. Glück im Unglück und dann doch Pech, hatte Gescha während der Kriegsjahre. Der Firmensitz wurde nicht von Fliegerbomben getroffen, dafür beschlagnahmten die Siegermächte nach Kriegsende einen Großteil der Maschinen. Max Schmid, die treibende Kraft des Unternehmens, gab aber dennoch nicht auf. Mit viel Engagement meisterten er und sein Bruder alle Widrigkeiten. 1949 konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. Die Schmids durften während der Kriegsjahre zwar kein Spielzeug herstellen, was Max Schmid aber nicht hinderte neue Produkte zu entwickeln. Da die Alliierten alle Warenzeichen für erloschen erklärten, musste Gescha ein neues Firmenlogo anmelden. Da das alte Signet mit dem eines Schweizer Elektronikherstellers kollidierte, wurde der Gescha-Schriftzug in ein auf der Spitze stehendes Quadrat gesetzt.

In den Nachkriegsjahren wurden bestehende Artikel in modernisierter Form auf den Markt gebracht. Zu einem Verkaufsschlager wurde der 1953 vorgestellte "Gläserne Motor", den Max Schmid vor und während der Kriegsjahre entwickelt hatte. Dieser Transparent-Motor erschien in zwei Ausführungen – als Kleinmodell für Lehrzwecke und als Baukasten für Jugendliche. Anhand dieses Modells konnte die Funktionsweise eines 4-Zylindermotors veranschaulicht werden. Als "Einzigartig, interessant und lehrreich für alle!" wurde er in der Werbung angepriesen.

Das erste Patent der Nachkriegszeit war ein Fahrrad mit Clown oder Cowboy. Hergestellt wurden jetzt auch sandkastentaugliche Modelle wie Traktoren und Raupen. Zur Spielwarenmesse 1954 stellte Gescha eine neue Produktlinie vor, die LKW-Reihe "Solido", die den Umsatz stark ankurbelte. Diese Fahrzeuge (Bagger, Kranautos, Langholzlaster etc.) waren durch ihre Bauweise aus 0,8 Millimeter dickem Blech sehr robust und sind heute bei Sammlern äußerst gefragt. 1955 umfasste der Produktkatalog ca. 60 Artikel.

Jetzt wo die Firma wieder richtig lief, ereilte sie ein herber Rückschlag. Am 24. April 1955 verstarb Ludwig Schmid. Von da an führte Bruder Max das Unternehmen alleine weiter – keine kluge Entscheidung wie sich später herausstellte. Max Schmid war zwar ideenreicher Erfinder, hatte aber von Vertrieb und Verwaltung wenig Ahnung. Dennoch profitierte der Betrieb im Zuge des deutschen Wirtschaftswunders. Zwischen 1956 und 1958 wurden neben 60 Arbeitnehmern, noch 100 Heimarbeiter beschäftigt. Der Exportanteil lag in dieser Zeit zwischen 60 und 70 Prozent. Die Qualitätsprodukte waren vor allem in Amerika, Kanada, Österreich, Ungarn sowie Schweden und England sehr beliebt. Als Flop entpuppte sich allerdings der 1959 vorgestellte Metallbaukasten, welcher nur ein Jahr produziert wurde. Nur mühsam konnten in den folgenden Jahren die Lagerbestände abverkauft werden.

Der Firmensitz an der Fürther Straße hatte zwischenzeitlich seine Kapazitätsgrenzen erreicht – ein Ausbau war nicht möglich. Aber Max Schmid wollte, trotz gestiegener Nachfrage, das Risiko für einen notwendigen Neubau bzw. Umzug nicht eingehen. In der Preisliste von 1961 entschuldigt sich Gescha für die Lieferengpässe: "Mit Lieferverzügen muß gerechnet werden, da wir Mangel an Arbeitskräften haben und nicht alle Bestellungen termingerecht gefertigt werden können."

In den 1960er Jahren hielt ein neuer Rohstoff Einzug in die Spielzeugproduktion: Kunststoff. Blech galt von nun an als altmodisch. Auch bei Gescha reagierte man auf die neuen Anforderungen des Marktes. Doch das Plastikzeitalter konnte vorerst das Blech noch nicht ganz verdrängen. Man baute in Mischbauweise. Meist wurde der Unterbau aus Kunststoff, die Aufbauten aus Blech gefertigt.

1960 klagte Gescha erfolglos gegen die Firma Gama. Schmid warf dem Mitbewerber eine Verletzung des Musterschutzes für den Manöverpanzer Nr. 65/3 vor. Nach der Niederlage trat Gescha die gesamte Panzerproduktion an Gama ab.

In den folgenden Jahren machten sich Schmids mangelnde Kenntnisse im kaufmännischen Bereich bemerkbar. Um den steigenden Konkurrenzdruck standhalten zu können, wären Modernisierungen bei Werkzeugen und Maschinen notwendig gewesen, für die aber das Geld fehlte. Ebenso konnten die Patentgebühren nicht mehr bezahlt werden. Dies hatte zur Folge, dass Produkte wie der Gläserne Motor jetzt auch von anderen Herstellern angeboten wurden. In Folge Kapitalmangels ging Max Schmid 1963 mit Spielzeughersteller Strenco eine Vertriebs- und Werbepartnerschaft ein. Zu gleicher Zeit verkaufte er Maschinen und Werkzeuge an andere Firmen.

Als 73-jähriger zog sich Max Schmid aus dem Betrieb zurück. Er veräußerte die Firma 1965 an Strenco. Deren Inhaber, Ludwig Streng, verkaufte aber hauptsächlich Lagerbestände ab. Der Markenname Gescha wurde zwar weiterhin verwendet, Neuheiten brachte Streng unter diesem Label aber nicht mehr auf den Markt. Auch Strenco geriet in finanzielle Schieflage und wurde 1971 samt Gescha vom bisherigen Zulieferer Conrad übernommen. Im selben Jahr starb Max Schmid.

Conrad führte das Gescha-Logo noch bis 1973 weiter. Diese Traditionsfirma existiert noch und ist heute führender Hersteller von Zinkspritzgussmodellen für Nutzfahrzeuge und Baumaschinen. Gescha oder Strenco-Produkte gehören nicht mehr zum Produktionsprogramm.

Der Name Strenco indes, ist seit der Spielwarenmesse 2004 wieder am Markt präsent. Nachzulesen
hier.

Homepage: Conrad Modelle


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Verwendete Literatur:GSP

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