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Ernst Heinrichsen – Zinnfiguren aus Nürnberg

Ernst Heinrichsen Zinnfiguren. Diese drei Worte treiben auch heute noch Sammlern in aller Welt einen kindlichen Glanz in die Augen. Es ist eine eingeschworene Liebhabergemeinschaft die sich mit ihrem Hobby ganz den Produkten der Nürnberger Traditionsfirma verschrieben hat. Neben den Blechspielwarenfabrikanten trugen auch die Zinngießer zu Nürnbergs Vormachtsstellung in der Spielzeugherstellung im 19. Jahrhundert bei.



Ernst Carl Peter Heinrichsen

Die Familie Heinrichsen, ursprünglich Hinrichsen genannt, stammte aus Dänemark und kam über Schlesien nach Nürnberg. Nachdem der in Reichenbach/Schlesien geborene Ernst Carl Peter Heinrichsen (1806-88) eine Zinngießerlehre in Schweidnitz absolviert hatte, kam er 1826 nach Nürnberg und arbeitete bei der Zinnfigurenfabrik Ammon als Graveur. Durch die Freundschaft zu Karl Alexander Heideloff, den er durch den Besuch der Polytechnischen Schule kennen lernte, kam Heinrichsen zum Kunsthandwerk. Ab 1832 war der junge Ernst freiberuflich tätig. Er setzte Heideloffs Entwürfe von Formen und Werkzeugen für andere Kunsthandwerker um. 1833 heiratet der Künstler Babette Frosch. Aus dieser Ehe geht Sohn Wilhelm hervor, der später die Firma übernimmt.

Den Grundstein für die später weltberühmte Firma legte Heinrichsen 1839 in der heutigen Albrecht-Dürer-Straße 21 (damals Zisselgasse). Dort fertigte er Kinderspielwaren aus Zinn und erlangte im selben Jahr von der Stadt Nürnberg "die Lizenzierung zum Gießen bleierner Kinderspielwaren aus sogenanntem Rose´schen schnellflüssigen Metalle." Damit war der Neuling den alteingesessenen Zinngießern natürlich ein Dorn im Auge, was dem Erfolg aber keinen Abbruch tat. Die erste Silbermedaille wurde der Firma im Jahr 1842 verliehen.
Die kommerzielle Lage ermöglichte es Ernst Heinrichsen, 1854 vor dem Frauentor an der Bahnhofsstraße einen Bauplatz zu kaufen und einen Neubau zu erstellen, der 1856 bezogen werden konnte.

Eine Chance die Monopolstellung zu erlangen vergab der Jungunternehmer allerdings. Der Krimkrieg (1854-56) ließ die Nachfrage nach Zinnsoldaten der kriegsführenden Mächte zwar sprunghaft steigen, aber Heinrichsen nutzte diesen Boom nur halbherzig. Ein weiterer Meilenstein in dieser Zeit war der Großauftrag des Zaren Nikolaus I. Er ließ alle russischen Garderegimenter in Zinn gießen.

Ernst Carl Peter Heinrichsen schien sich in der Folgezeit mehr mit privaten Problemen zu beschäftigen und auch die starke Konkurrenz machte ihm zu schaffen. 1869 zog sich der Firmengründer aus dem Geschäft zurück und verkaufte die Firma an seinen Sohn Wilhelm, mit dem er jahrelang private und geschäftliche Differenzen hatte. Der Senior übersiedelte nach Grainau bei Garmisch wo er am 1. Oktober 1888 verstarb.

Der Historiker und Germanist Theodor Hampe schrieb über Ernst Heinrichsen: "(...) War es bei seiner künstlerischen Veranlagung, seinem kaufmännischen Geschick, seinem technischen Können, seinem Fleiß und der Regsamkeit seines Geistes nur natürlich, daß er in kurzer Zeit die anderen Offizinen ... überflügelte und auch fast die gesamte auswärtige Konkurrenz aus dem Felde schlug."


Wilhelm und Ernst Wilhelm Heinrichsen

Sohn Wilhelm wurde am 16. April 1834 in Nürnberg geboren und war aus einem anderen Holz geschnitzt als sein Vater. Liberal eingestellt und politisch engagiert, galt seine Leidenschaft dem Turnen. 1861 gehörte er zu den Neugründern des Turnvereins, der in den Jahren nach der Revolution (1848) verboten war. Auch in der Freiwilligen Feuerwehr war er aktiv tätig. Sein gesellschaftliches Engagement wurde gewürdigt, indem man ihn am 1. Dezember 1869 ins Gemeindekollegium gewählt hatte. Ferner war er Vorsitzender des Gewerbevereins, Gemeindebevollmächtigter und Markadjunkt, sowie Mitglied der Handelskammer.

Die "Zinn-Kompositions-Figuren-Fabrik Ernst Heinrichsen in Nürnberg" erlebte unter ihm eine zweite Blütezeit. Erneut waren es Kriegsereignisse die eine Verdoppelung der Aufträge mit sich brachten. Mit den zu produzierenden Soldatenfiguren des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 stieß man an Kapazitätsgrenzen. Wilhelm, der mit Hermine Grobe verheiratet war, kaufte 1872 das Anwesen Johannisstraße 19 und verlagerte Firmensitz und Wohnung in damaligen Vorort St. Johannis.

Wilhelm Heinrichsen, der die künstlerische Begabung des Vaters geerbt hatte, bildete sich auch weiter. Er nahm Unterricht beim Bildhauer Konrad Krauser, dem Schöpfer des Hans-Sachs-Denkmals. Aber auch die Literatur schien es ihm angetan zu haben. Er schrieb mit seiner "Hauschronik" einen bisher unveröffentlichten Lebensbericht.

Wilhelm hatte aus der Werkstatt seines Vaters inzwischen einen großen Betrieb gemacht. Der Zukauf von über 1.000 Gussformen der Berliner Zinnfigurenfabrik Gustav Söhlke festigte die Marktstellung der Manufaktur. 1882 errang die Firma eine Goldmedaille, im gleichen Jahr wurde Wilhelm Heinrichsen königlich bayerischer Kommerzienrat. Ein weiterer Großauftrag kam wiederum vom russischen Zarenhaus. Nikolaus II. bestellte Figuren russischer Truppen für eine Parade, die in Teilen noch heute in einem der Zarenschlösser zu sehen ist. Den internationalen Ruf verdankt die Heinrichsen-Fabrik aber auch den qualifizierten Mitarbeitern. So zählte ab 1895 der Meistergraveur Ludwig Frank zur Belegschaft.

Seit 1886 ist Wilhelms Sohn, Ernst Wilhelm Heinrichsen, im elterlichen Geschäft tätig. Ab ca. 1898 übernimmt er die Leitung der Firma. Ein schwieriges Jahr erlebt der Betrieb 1902. Die Kinderarbeit wurde verboten und somit fielen Kinder die in Heimarbeit die Figuren bemalten weg, doch auch diese Zeit wird gemeistert.

Wilhelm zieht sich im selben Jahr aus der Firma zurück um sich in Wendelstein seinen literarischen Neigungen und dem Verfassen seiner "Hauschronik" zu widmen. Der begeisterte Turner sitzt beim 10. Deutschen Turnerfest 1903 im Ehrenwagen des Festzugs. Nachdem er am 8. Juli 1908 in Wendelstein verstarb, wurde er auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. In einem Nachruf der Stadt heißt es:" ... seinem organisatorischen Talent und seiner Opferwilligkeit ist es mit zu danken, dass der Turnverein eine eigene Turnhalle besitzt."

In der Zeit zwischen 1876 und 1890 verließen jedes Jahr neue Flachfiguren-Serien in der 40 mm-Größe die Fabrik, welche nach Entwürfen namhafter Künstler hergestellt wurden. Das einstige Kinderspielzeug hatte sich Anfang des 20. Jh. aber bereits zum Sammlerobjekt entwickelt, wobei ab 1905 ein Stilwechsel zu erkennen ist, um dem erwachsenen Kundenkreis gerecht zu werden. Zwischen den beiden Weltkriegen, in den 1920/30er Jahren, floriert das Unternehmen und bedient einen weltweiten, anspruchsvollen Sammlerkreis. Nach dem Tod Ernst Wilhelms im Jahr 1938 führen seine drei Töchter das Geschäft eingeschränkt weiter. Da die Kreativität und künstlerische Hand des Vaters fehlen, werden keine neuen Serien herausgebracht. Die Firma "Ernst Heinrichsen Zinnfiguren" ist zwar nie wirklich vom Markt verschwunden, erlebte aber in den 1980er Jahren praktisch eine Wiedergeburt. Dr. Brigitte Grobe, die Ehefrau des Ur-Urenkels von Wilhelm Heinrichsen, lässt die Traditionsfirma neu aufleben und kümmert sich seither um die Belange der Sammler in aller Welt. Somit ist die Zinnfigurenfirma Heinrichsen mit ihrer fast 175-jährigen Geschichte eine der wenigen, noch existierenden Zinnfigurenhersteller Europas. Das Anwesen Johannisstraße 19 wechselte zwar 1981 den Besitzer, der Formenbestand und das Firmenarchiv wurden aber gerettet.

Hans Boesch schreibt in seinem 1900 erschienenen Buch "Kinderleben in der deutschen Vergangenheit" über die Nürnberger Zinngießer: "(...) Auch die politischen Ereignisse beinflussten die Spielwaren und ihre Fabrikation. Die Erfolge des großen Friedrich wirkten befruchtend auf die Herstellung der Zinn- oder Bleisoldaten, die wiederum ihren Sitz in Nürnberg hatte und noch hat. Die Kinder spielten mit den tapferen Husaren Zietens und den Kürassieren Seidlitz´s. Die alten tüchtigen Nürnberger Zinngießer fertigten in großer Naturtreue auch alle möglichen Tiere, auf deren Stehplättchen der lateinische Name eingegossen war und die gewissermaßen als naturwissenschaftliches Lehrmaterial dienten. Aber auch der ganze Olymp, malerische Kriegsschiffe mit reichem Takelwerk, Modedamen und -Herren, Gärten usw. wurden in Zinn ausgeführt. (...)"


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Text: mw; Besten Dank an Frau Dr. Brigitte Grobe für ergänzende Hinweise und Korrekturen.
Fotos:
Verwendete Literatur: BNN, NEL, SLN

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