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Ernst Paul Lehmann Patentwerk (EPL) – Lehmann Großbahn (LGB)

LGB diese drei Buchstaben sind heute Freunden der Lehmann Großbahn bzw. Lehmann Gartenbahn bestens bekannt. Blechspielwaren-Sammler schwören auf das Kürzel EPL. Beide Abkürzungen stehen für Spielwaren des Herstellers Ernst Paul Lehmann Patentwerk, einer Traditionsfirma die heute zum Modellbahnhersteller Märklin gehört.

Inhaltsübersicht
Ernst Paul Lehmann, der Firmengründer
E. P. Lehmann Patentwerk – Die Blechspielwarenfabrik
Kriegszeiten und Enteignung
Neubeginn in Nürnberg
Die Lehmann-Gross-Bahn wird geboren
Die Insolvenz – das Ende der Nürnberger Ära
Die Sammlung Lehmann im Spielzeugmuseum



Ernst Paul Lehmann, der Firmengründer

Ernst Paul Lehmann wurde am 9. Juni 1856 in Berlin geboren. Als einziger männlicher Spross von Schneidermeister Johann Gottlieb Ernst Lehmann und seiner Gattin Pauline, wuchs er mit seinen fünf Schwestern in der Berliner Brüderstraße 39 auf. Über seine Jugend ist nicht viel überliefert. Wahrscheinlich war er in jungen Jahren als Buchhalter in einer Blechwarenfabrik beschäftigt.

Ernst Paul Lehmann war ein Tüftler, der 1881 in Frankfurt auf einer Patentausstellung seine ersten Werke der Öffentlichkeit vorstellte. Er wurde nicht nur mit Preisen ausgezeichnet, sondern konnte seine Erfindungen auch gleich an die Industrie der Blechemballagen-Herstellung verkaufen. Zu dieser Zeit lernte Lehmann in Brandenburg auch Jean Eichner kennen, den Sohn des Nürnberger Blechspielwaren-Fabrikanten G. Leonhard Eichners. Jean der eigentlich Architekt werden wollte, wurde von seinem Vater auserkoren den gut gehenden, elterlichen Betrieb zu übernehmen. Doch Eichner jun. hatte bei der Firmenfortführung kein glückliches Händchen. Nach immer weiter sinkenden Umsätzen, musste das Unternehmen verkauft werden. Eichner wurde schließlich Prokurist in einer Blechspielwarenfabrik in Brandenburg an der Havel.

Mit seinem Posten unzufrieden, lernte er Ernst Paul Lehmann kennen, der die Erträge aus den Lizenzverträgen seiner Erfindungen anlegen wollte. Beide gründeten in Brandenburg die "Blechspielwaren-Fabrik Lehmann & Eichner", "Specialität: Lackirte Artikel mit Figuren, Fahrwerke in allen Arten etc.". Lehmann war jedoch mit den gefertigten Produkten nicht zufrieden und auch der geschäftliche Erfolg blieb aus – es wurden nur bescheidene Gewinne erwirtschaftet. Nachdem Jean Eichner am 14. April 1884 verstarb, war Ernst Paul Lehmann Alleininhaber der Firma.

Er stellte in den folgenden Jahren hauptsächliche Blechverpackungen für die chemische Industrie her, jedoch spukten Blechspielwaren weiterhin in seinem Hinterkopf herum. Er kaufte Produkte von der Konkurrenz um diese zu analysieren. Lehmann erkannte, dass die Spielzeuge beliebig kopiert werden konnten und reagierte darauf mit Spielwaren-Erfindungen für die er sich Patente eintragen ließ. Nachdem 1887 bereits das "made in Germany" eingeführt wurde, begann der Unternehmer 1888 wieder mit der Blechspielwarenproduktion. Versehen mit dem Markenzeichen EPL, reichte der Erfinder am 5. Oktober 1888 seinen ersten Artikel, eine sogenannte Spindelpresse, zum Patenteintrag ein. Der Grundstein war gelegt.


E. P. Lehmann Patentwerk – Blechspielwaren

Sein Vorgehen gab dem Fabrikanten Recht. Die Firma expandierte und Lehmann tätigte weitere Grundstücks- und Hauskäufe. Nachdem er 1890 für das Exportgeschäft Gottlieb Rank als Korrespondent einstellte, widerfuhr dem aufstrebenden Betrieb am 20. März 1895 ein herber Rückschlag. Die Fabrik in der Brandenburger Klosterstraße brannte vollständig ab. Zu dieser Zeit arbeiteten ca. 160 Beschäftigte bei EPL. Finanziell traf es den Produzenten nicht sonderlich, Inventar und Gebäude waren versichert. Aber, alle Formen, Zeichnungen und Maschinen waren vernichtet. Es würde Monate dauern eine neue Fabrik samt Maschinen hinzustellen, Formen hätte man damit immer noch nicht.

Und hier kam dem Unternehmer ein Zufall zu Hilfe. Die insolvente Blechspielzeugfabrik von Carl Adam in Königsberg stand zum Verkauf. Lehmann erwarb die Konkursmasse samt Mustern, Formen und Patenten. Den drohenden Wegfall der bereits eroberten, ausländischen Märkte konnte er somit entgegen wirken – der Exportanteil betrug immerhin 85 Prozent.

Nachdem die eigene Fabrik wieder aufgebaut war, zog Lehmann 1901 in seine neu errichtete Jugendstilvilla in der Plauer Straße. Bereits 1900 hatte man ihn in das Gemeindeparlament gewählt. Der Fabrikant galt als Einzelgänger, der jedoch von seiner Belegschaft geschätzt wurde. Im Jahr 1904 wird ihm der Titel des Kommerzienrates verliehen. Zur Weltausstellung in St. Louis im gleichen Jahr reiste Ernst Paul Lehmann nebst Gattin und Vetter Johannes Richter. Letzterer sollte den Betrieb als Nachfolger übernehmen, da ein direkter Erbe fehlte.

Ferner schickte Lehmann seinen 20-jährigen Vetter mit Empfehlungsschreiben in die USA um Auslandserfahrungen zu sammeln. Richter verbrachte vor seiner Rückkehr noch einige Zeit in Paris und sammelte dann weitere Kenntnisse im Brandenburger Werk. Danach muss Richter anderen Tätigkeiten nachgegangen sein.

EPL war zu einem Wirtschaftsfaktor geworden und expandierte weiter. Zum 25-jährigen Jubiläum des Patentwerks gab es ein großes Fest das Ernst Paul Lehmann mit der ganzen Belegschaft feierte. Etwa 400-500 Mitarbeiter gratulierten dem Firmenchef, der wiederum zeichnete langjährige Mitarbeiter mit Ehrenurkunden, Präsenten und Gratifikationen aus. Lehmann führte seine Firma als Patriarch, war seinen Angestellten gegenüber allerdings sozial eingestellt.

Der Betrieb stand national sowie international unter starkem Konkurrenzdruck. Nicht nur die Brandenburger Mitbewerber, sondern auch die starke Spielzeugindustrie in Nürnberg versuchten sich gegenseitig zu überbieten. Und so waren auch qualifizierte Fachkräfte aus anderen Firmen sehr gefragt. Jeder versuchte dem Mitbewerber diese Spezialisten abzuwerben. Lehmann sah das gelassen und agierte humorvoll. Auf eine Chiffre-Anzeige, worin ein "tüchtiger Werkzeugmeister aus der Spielzeugbranche" gesucht wurde antwortete der Firmenchef persönlich.

Die Anzeigen-Verfasser, die Walter Stock AG aus Solingen, reagierten verwirrt und wollten wissen wer sich hinter einem gewissen E. P. Lehmann verbirgt, und schalteten eine Auskunftei ein. Die Antwort muss die Solinger sehr beschämt haben, sodass man auf eine weitere Kontaktaufnahme verzichtete. Im Schreiben der Auskunftei heißt es:

"... privatim bemerken noch, dass Lehmann wohl der erste seiner Branche ist, circa 500 Mann, nur Frauen beschäftigt, sehr wohlhabend ist, der höchste Steuerzahler der Stadt sein soll. Seine Fabrik gilt als Musterfabrik und seine Fabrikate als tadellos."

Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Auftragsbücher im Patentwerk prall gefüllt. Qualitätsspielwaren waren im In- und Ausland stark gefragt, doch die Nachfolgeregelung war noch nicht geklärt. Und so stellte Lehmann seinen Vetter 1908 wieder ein um ihn weiter mit der Fabrik und den Abläufen vertraut zu machen. Er gab Richter freie Hand um eigene Entwicklungen zu erarbeiten und dieser erkannte die sich bietenden Perspektiven. Nach drei Jahren schied Johannes Richter jedoch wieder aus, weil er die Mechanik einer Toiletten-Druckspülung entwickelt hatte und diese selbst vermarkten wollte. Er gründete in Berlin eine Firma für Präzisions-Armaturen wo er seinen "Aquaspüler" herstellte.

Nach dem Tod seiner Frau war Ernst Paul Lehmann sehr angeschlagen und neigte zum Kränkeln. Auch der Erste Weltkrieg hinterließ seine Spuren, dazu kam eine schwere Magen-Darm-Operation. Lehmann fürchtete um den Fortbestand seiner Firma und kontaktierte Johannes Richter erneut. Dieser entschied sich trotz des eigenen Erfolgs für das Patentwerk in Brandenburg. Am 11. April 1921 wurde ein Gesellschaftsvertrag geschlossen, im Gegenzug brachte Richter 100.000 Mark in das Unternehmen ein. Prokura erhielten die langjährigen Mitarbeiter Ludwig Bluhm und Gottlieb Rank.

Bei einem Jahresgehalt von 40.000 Mark erhielt Johannes Richter ab April 1921 fünfundzwanzig Prozent der Gewinne, der Rest fiel an den Firmengründer, sofern das Geld nicht im Betrieb angelegt werden mussten. Überdies musste Richter die eigene Fabrik verkaufen, was ihm im Januar 1922 auch gelang. Im Gegensatz zu anderen Firmen die während und nach dem Ersten Weltkrieg schwere Rückschläge hinnehmen mussten, sah es beim Patent-Spielwarenwerk überhaupt nicht düster aus. Da fast 85 Prozent der Produkte exportiert und in Dollar bezahlt wurden, hatte man mit dem Verfall der deutschen Währung keine Probleme. Lehmann konnte mit der "Weltwährung" rare, teure Bleche einkaufen und auch seine Arbeiter in US-Dollar bezahlen. Während andere Unternehmen vor dem finanziellen Ruin standen, war man bei EPL guten Mutes.

Für den weltweiten Verkauf hatte E. P. Lehmann ein eigenes Vertriebsnetz aufgebaut, wobei jeder Vertreter Gebietsschutz besaß. Auch auf Messen war man präsent, wo der Firmenchef persönlich als Ansprechpartner zu Verfügung stand. Auf der zweimal jährlich stattfindenden Leipziger Messe wurden die Neuheiten vorgestellt, die dann kurze Zeit später bei den Händlern standen, oder durch Straßenverkäufer angeboten wurden. Die Renner im Straßenverkauf, egal ob in Berlin, London oder New York, waren Produkte deren Preise sich im Groschenbereich bewegten.

Kommerzienrat Lehmann engagierte sich auch sozial. Zur Erinnerung an seine Frau richtete er beispielsweise den Martha-Lehmann-Hort ein und unterstützte die Arbeiter-Invaliden-Stiftung. Auch als Stadtförderer trat der Spielzeughersteller in Erscheinung. Er stiftete das Denkmal des "Alten Fritz" und die Orgel in der Gotthardtkirche.

Nach seinem 75. Geburtstag und dem 50-jährigen Bestehen seines Unternehmens am 1. September 1931, zieht sich der Firmengründer allmählich aus dem Betrieb zurück. Johannes Richter führte die Geschäfte in seinem Sinne weiter, jedoch ließ sich Lehmann weiterhin bis ins kleinste Detail über die Vorgänge in der Fabrik informieren. Der Pensionär machte nun ausgiebige Schiffsreisen und flog mehrmals mit dem Zeppelin. Wenige Tage nach einer Teneriffa-Reise verstarb der Spielzeugfabrikant am 10. Juli 1934. In einem Nachruf der "Deutschen Spielwaren-Zeitung" heißt es: "Ein Führer der deutschen Spielwarenindustrie ist nicht mehr. ... als wir kurze Zeit vorher noch Gelegenheit hatten, selbst diesem Mann gegenüberzusitzen und das Gefühl zu haben, dass er an seiner geistigen und körperlichen Frische nichts eingebüßt hatte."

Kriegszeiten und Enteignung

Johannes Richters war fortan Alleininhaber des Patentwerkes. Doch, nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933, standen die Sterne nicht mehr so günstig. Da der Spielwarenhandel länderübergreifend in jüdischer Hand lag und die Nazis mit ihrer "Arisierung" begannen, brachen wichtige Handelsstrukturen zusammen. Außerdem wurden die Rohstoffe kontingentiert. Die Rüstungsindustrie verschlang das dringend benötigte Blech. Fast alle Nürnberger Spielzeugfabriken mussten ihre Produktion auf Kriegsgüter umstellen. Auch in Brandenburg wurden die Nazis vorstellig, doch Johannes Richter gelang es bis Kriegsende seine Produktion nicht umstellen zu müssen, machte jedoch Zugeständnisse in Form von Kriegsspielzeug wie das "Emgeh" (EPL-Nr. 804), oder das Tankfahrzeug "Quex" (EPL-Nr. 825). Somit war sichergestellt das weiterhin Blech zur Verfügung stand.

Aufgrund der schwierigen Verhältnisse, sowie Umsatzeinbrüchen musste auch die Belegschaft abgebaut werden. Nur noch 100 Arbeiter produzierten jetzt die immer kleiner werdenden Spielsachen. Nach Kriegsende stand Brandenburg unter russischer Besatzung. Da Richters Materialvorräte aufgebraucht waren, ersuchte er bei der Militärregierung um Nachschub und hatte Glück. Ab 1947 ging es dann wieder aufwärts, bis im April 1948 ein Brief des Rats der Stadt Brandenburg eintraf, worin es heißt: "(...) Hierdurch wird mitgeteilt, daß in der Verhandlung am 25.2.48 Sie mit Ihrer Firma und sonstigen Sachwerten einstimmig enteignet worden sind."

Das war der schwerste Schlag in der bis dato 67-jährigen Firmengeschichte. Enteignung ohne finanzielle Entschädigung. Das Ernst Paul Lehmann Patentwerk wurde zum volkseigenen Betrieb, weswegen Richter mehrere Prozesse führte. Zwar wurde ihm sein Wohnhaus wieder zugesprochen, aber die Firma war verloren. Die Familie Richter setzte sich über Berlin nach München ab, wo Sohn Wolfgang in einem Spielzeuggeschäft arbeitete.


Neubeginn in Nürnberg

Die weitere Reise führte nach Nürnberg, wo die Richters zunächst notdürftig im eigenen Haus unterkamen. Das Gebäude in der Rosenaustraße 5, in dem auch Firmenvertreter Ernst Strauß wohnte, diente als Repräsentanz in der Spielzeugstadt. Das Angebot als Direktor bei der Firma Meccano in England zu arbeiten schlug er aus. Vielmehr dachte Richter über einen kompletten Neubeginn nach. Das Lehmann-Patentwerk sollte in der Noris wieder aufleben. Der Grundstein wurde durch Kredite in Höhe von 20.000 Mark durch Banken und Staat gelegt. Die Industrie- und Handelskammer in Mittelfranken attestierte dem Unternehmer in einem Gutachten vom 19. Sept. 1950:

"Unserer seits besteht mit Rücksicht auf den guten Ruf des Unternehmens und auf die fachliche Qualifikation des Inhabers ... keine Kreditbedenken. (...) Herr Richter ist der Erfinder und Inhaber zahlreicher wertvoller Patente, die noch gültig sind und zum Teil noch der Auswertung harren."

Da Nürnberg vor dem Zweiten Weltkrieg ein Mekka der Spielwarenproduktion war, und die ortsansässigen Firmen nach Kriegsende auch wieder produzierten, waren diese über den Neuling nicht sonderlich begeistert. Zunächst wurde mit einer Maschine und drei Mitarbeitern im Hinterhof der Rosenaustraße bescheiden begonnen. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Wolfgang und Eberhard, wurde produziert soviel es ging. Da die beiden Brüder in einem Spielwarengeschäft gelernt hatten, konnten sie die Produkte auch an den Mann bzw. die Frau bringen. Sie führten die Lehmann-Spielwaren an Ständen in Kaufhäusern größerer Städte vor.

Auf der Nürnberger Spielwarenmesse war die Firma Ernst Paul Lehmann ab 1952 vertreten. Überhaupt ging es in der Wiederaufbauzeit langsam aber stetig aufwärts. Die Produktionsstätte konnte ausgebaut werden und dank der Messeaufträge wurde jetzt auch wieder ins Ausland geliefert. Johannes Richter beschäftigte sich von nun an mit dem Neubau einer Fabrik, da die Kapazitäten in der Rosenaustraße ausgeschöpft waren. Außerhalb der Stadt, in der Saganer Straße, wurde ein Grundstück gekauft, doch die Realisierung seiner neuen Fabrikhallen erlebte der Unternehmer nicht mehr mit – er verstirbt am 4. November 1956.

Nun lag es an seinen Söhnen Eberhard und Wolfgang, die Geschicke der Blechspielzeugfabrik zu lenken. Mit hohem finanziellen Aufwand wird der Fabrikneubau gestemmt, doch der Markt für Blechspielzeug stagniert denn ein neuer Rohstoff hält Einzug in die Spielzeugwelt: Kunststoff. Zwar stellt man auch bei Lehmann auf das neue Material um, jedoch stieg der Umsatz nach dem Firmenneubau zu langsam. Außerdem trat ein neues Problem auf – die Produkte aus dem Nürnberger Patentwerk wurden von asiatischen Produzenten kopiert und auf den Weltmarkt gebracht.


Die Lehmann-Gross-Bahn wird geboren

Nachdem die Nachahmer aus Fernost den Spielwarenmarkt mit Billigprodukten überschwemmten, musste ein völlig neues Produkt her welches die Spielzeugwelt revolutioniert. Während andere Firmen (Arnold, Spur N) damit beschäftigt waren die Modelleisenbahn immer mehr zu verkleinern, hatte Wolfgang Richter eine andere Idee. Er wollte eine Großbahn.

Da man für Modellbahnen der gängigen Spuren (H0, N) viel technisches Know-How hätte aufholen müssen, wagten die beiden Brüder einen riskanten Schritt. Ab Anfang der 1960er Jahre sprachen sie wichtige Kunden mit der Idee für ein solches Projekt an, um Meinungen einzuholen Da die Resonanz positiv war, entschlossen sich Wolfgang und Eberhard Richter zur Entwicklung einer "Lehmann-Gross-Bahn". Die ersten Handmuster, eine Lok und zwei Wagen aus Holz, wurden 1965 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorgestellt. Allerdings nicht öffentlich, sondern im stillen Kämmerlein. Nur einige, ausgewählte Kunden bekamen die Stücke zu sehen.

Die Reaktionen waren gemischt. Von den Kritikern wurde angeführt, dass die Bahn nur wenige Kunden mit viel Platz ansprechen würde. Andererseits wurden Modellbahnen in großer Spur (1 und 0) bereits seit 30 Jahren nicht mehr angeboten, mal abgesehen von wenigen Kleinserien-Herstellern. Insidern zufolge war die Entscheidung der Richters die LGB zu verwirklichen geprägt vom Kampf ums Überleben der Firma.

Durch Einzug der Kunststofftechnik war es nun möglich eine wetterfeste Modellbahn zu realisieren, was Wolfgang Richter als Motor dieses Projekts, von Anfang an erkannte. Dennoch warnten Branchenkenner vor allzu großer Euphorie, die durchdachte Entwicklung nähme mindestens zwei bis drei Jahre in Anspruch. Trotz aller Unkenrufe überraschte das Ernst Paul Lehmann Patentwerk die Fachwelt auf der Spielwarenmesse 1968. Vorgestellt wurde die Lehmann-Gross-Bahn im Maßstab 1:22,5 mit 45mm Spurweite (Spur G, IIm). Anders als in den Jahrzehnten zuvor, konzentrierte man sich bei der Vermarktung auf den Einzelhandel. Nach anfänglichem Zögern seitens des Handels kam der Zug, im wahrsten Sinne des Wortes, doch noch ins Rollen.

Die Lehmann-Gross-Bahn bzw. Lehmann-Garten-Bahn, kurz LGB, eroberte die Märkte der Welt. Ganz im Sinne der Vorfahren sicherte man sich natürlich sämtliche Schutzrechte an der Erfindung. Auch die Aufgabenteilung war klar geregelt. Wolfgang Richter unterstand der kaufmännische Bereich, sowie Werbung und Marketing. Eberhard Richter trug die Verantwortung für den technischen Bereich. Entscheidungen sollen immer einvernehmlich getroffen worden sein.

Waren die Maschinen anfangs nicht voll ausgelastet, mussten schon bald Sonderschichten gefahren werden. Besonders in den USA kam die neue Modellbahn gut an. Kritiker bemängeln, dass in den Folgejahren das LGB-Sortiment zu sehr auf diesen Markt ausgelegt war. Die Wetterfestigkeit war es, was den Erfolg ausmachte, eine Gartenbahn für Sommer- und Winterbetrieb. Natürlich gab und gibt es LGB-Bahner die ihre Anlage im Wohn- oder Hobbyraum betreiben, jedoch dürften diese in der Minderheit sein.

Die Entwicklungskosten für die Großbahn sollen sich auf drei Millionen Mark belaufen haben, weitere 13 Millionen hat der Aufbau des Maschinenparks seit 1966 gekostet. Nach Markteinführung entwickelte sich die Absatzkurve der LGB kontinuierlich nach oben. Im Betrieb an der Saganer Straße arbeiteten ca. 150 Beschäftigte, zudem waren etliche Zulieferer für das Unternehmen tätig, wie beispielsweise die Firma Bühler, die die Elektromotoren für die Loks lieferte. In guten Zeiten wurden 600 Tonnen Messing, sowie 200 Tonnen Polysterol, weitere 200 Tonnen Luran sowie 100 Tonnen Spezialkunststoff jährlich verarbeitet. Um dem technischen Fortschritt folgen zu können, wurde das Werk und der Maschinenpark immer wieder modernisiert.


Die Insolvenz – das Ende der Nürnberger Ära

Doch es half alles nichts, 2006, im Jahr des 125-jährigen Bestehens, musste das Ernst Paul Lehmann Patentwerk Insolvenz anmelden. Noch im Sommer selben Jahres gab es in der Saganer Straße ein großes Fest anlässlich des Firmenjubiläums. Ein Wochenende lang wurde gefeiert und es gab palettenweise Sonderangebote. So mancher Beobachter wunderte sich, dass bei den Versteigerungen wertvolle Einzelstücke aus dem Firmenfundus unter den Hammer kamen. Ahnten die Richters das bevorstehende Ende? Wollten sie die musealen Stücke noch schnell zu Geld machen? Dies kann der Autor weder be- noch widerlegen. Jedenfalls sollen die zahlreich angereisten LGB-Fans und Sammler bei den Raritäten kräftig zugeschlagen haben. Manche Stücke wechselten für stolze Preise den Besitzer. Außerdem wurde vor dem Insolvenzantrag bereits LGBoA (LGB of America) verkauft.

Aber wie konnte es so weit kommen? Hatte doch die LGB hierzulande im Modellbahngeschäft einen Markanteil von zehn Prozent. Den Aussagen eines Modellbahnhändlers zufolge, soll es in den letzten Jahren an verfehlter Modellpolitik gelegen haben. Zu sehr hat man sich auf den amerikanischen Markt, ohne Zweifel ein wichtiger Umsatzträger, versteift und die Wünsche der Modellbahner diesseits des großen Teichs vernachlässigt. Branchenkenner sprechen zudem von Missmanagement.

Wie dem auch sei, noch vor der Spielwarenmesse 2007 stellte der Insolvenzverwalter Herrn Hermann Schöntag vor, der die Geschicke des Traditionsunternehmens nun lenken sollte. Doch die Finanzierung scheiterte, der Investor musste noch im April gleichen Jahres ebenfalls in die Insolvenz. (Mehr über den vermeintlichen "Retter" können Sie in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel "Der Eisenbahner aus der U-Haft" nachlesen.

Ein neuer Investor wurde am 26. Juli 2007 gefunden. Märklin, selbst erst 2005 durch eine englische Investorengruppe gerettet, übernahm den Gartenbahnhersteller. Die Märklin Holding GmbH hatte am 1. Januar 1997 bereits auch den Nürnberger Modellbahnhersteller Trix übernommen.

Das Lehmann-Patentwerk in Nürnberg ist zwischenzeitlich abgewickelt. Maschinen, Werkzeuge und Formen wurden in das Märklin-Werk im ungarischen Györ verbracht. Jetzt werden LGB-Produkte dort und in China produziert. Einen letzten Besucheransturm gab es am 5. Dezember 2009 in der Saganer Straße. An diesem Tag wurden die restlichen Warenbestände (Startpackungen, Loks und Wagen, sowie Rollmaterial von Fremdherstellern) versteigert. Was mit dem Firmengebäude und dem dazugehörigen 12.000 Quadratmeter großen Areal geschieht ist noch nicht entschieden.

Aktuell (April 2010) ist es um den Modellbahn-Marktführer gar nicht gut bestellt. Einen Tag vor der diesjährigen Spielwarenmesse musste Märklin erneut Insolvenz anmelden und somit ist die Zukunft von LGB (und Trix) momentan ungewiss. Insolvenzverwalter Pluta hat seine Erwartungen schon zurückgeschraubt und geht davon aus, das ein möglicher Käufer schon für 60 bis 70 Millionen Euro den Zuschlag erhält, ursprünglich sollten 100 Millionen erzielt werden.

Nachtrag, 02.04.2013
Das Insolvenzverfahren bei Märklin ist beendet. Die Fürther Simba-Dickie-Gruppe hat den angeschlagenen Modellbahnhersteller im März 2013 übernommen. Für die Übernahme hat Firmenchef Michael Sieber gemeinsam mit Sohn Florian eigens eine Firma gegründet (Sieber & Sohn GmbH & Co. KG). Die verbliebenen 1.100 Märklin- Mitarbeiter erhielten eine Arbeitsplatzsicherung bis 2019. Michael Sieber gegenüber den Nürnberger Nachrichten: "Es geht darum, Märklin wieder mit dem nötigen Herzblut aufzufrischen. Das bringen wir mit." Branchenkenner sehen die Zukunft des Marktführers unter neuer Leitung ebenso positiv. Somit steuern auch die ehemals vom Göppinger Unternehmen übernommenen Nürnberger Modellbahnfirmen LGB und Trix wieder ruhigere Gewässer an.


Die Sammlung Lehmann im Spielzeugmuseum

Eine umfangreiche Sammlung an Lehmann-Blechspielwaren befindet sich im Nürnberger Spielzeugmuseum. Rund 350 Exponate waren dem Haus von den Firmeneigentümern als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden. Nach der LGB-Insolvenz hing jedoch ein Damoklesschwert über der wertvollen Leihgabe. Man befürchtete, dass die Sammlung auf internationalen Auktionen versteigert und somit zerschlagen werden könnte, um Gläubiger- Interessen zu befriedigen.

Doch dieses Szenario konnte abgewendet werden. Wie die "Nürnberger Nachrichten" am 14.02.2012 berichteten, ging die komplette Dauerleihgabe in den Besitz des Spielzeugmuseums über. Dies war aber nur durch finazielle Unterstützung des Fördervereins Spielzeugmuseum, sowie der Kulturstiftung der Länder möglich. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Wenn man allerdings einen Blick auf laufende Internet-Auktionen wirft, kann man erahnen das "dieses wahrscheinlich weltweit einzigartige Kleinod", so Fördervereinsvorsitzender Heinrich Sieber gegenüber den NN, schon ein kleines Sümmchen gekostet hat.

Wie dem auch sei, das Nürnberger Spielzeugmuseum muss seine Vitrinen im ersten Stockwerk nicht räumen und kann einen beliebten Anziehungspunkt behalten. Wer keine Möglichkeit hat die Sammlung Lehmann (und andere Objekte) vor Ort selbst in Augenschein zu nehmen, dem sei das "Virtuelle Depot" des Museums empfohlen:
http://www.museen.nuernberg.de/spielzeugmuseum/depot.html



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Text: mw
Fotos:
Verwendete Literatur: EJB, SLN, Nürnberger Nachrichten v. 01.04.2009, Gregor Le Claire, "Modellbahnstadt Nürnberg ist Geschichte"; Nürnberger Nachrichten v. 22.03.2013, "Bahn frei für Märklin" von Klaus Wonneberger;

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