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Maurer-Union – Nürnbergs erste und einzige Automobilfabrik

Die Firma Maurer-Union war Nürnbergs erste und einzige Automobilfabrik. Der Prototyp, ein in Handarbeit gebaute Automobil verließ den Betrieb im Jahr 1898. Ab 1900 firmierte das Unternehmen unter "Nürnberger Motorfahrzeugefabrik Union, System Maurer GmbH". Zeitweise stellten zwar auch andere Nürnberger Firmen (Mars-Werke, Victoria) Automobile her, aber Maurer-Union war die einzige Firma die sich fast ausschließlich auf diesen Geschäftszweig konzentrierte. Ludwig Maurer wurde 1908 der Geschäftsführerposten bei Maurer-Union entzogen. Er musste dann eigene Wege gehen, blieb allerdings der Automobilbranche treu.

Inhaltsübersicht
Firmengründer Ludwig Maurer
Maurer-UnionNürnberger Motorfahrzeugefabrik Union, System Maurer GmbH
Automobilwerke Union AG
Ludwig Maurer, Kraftfahrzeuge OHG
Maurer-Union-Wagen



Firmengründer Ludwig Maurer

Ludwig Maurer wurde am 14. Mai 1873 in Sigmanns bei Wangen geboren. Der Sohn eines Schäfers und Gutspächters interessierte sich bereits in jungen Jahren für die sich rasch entwickelnde Technik. Auf seinem Schulweg, vorbei an einer Papierfabrik, Spinnereien, sowie mechanischen Werkstätten faszinierten den Schüler besonders deren mechanische Einrichtungen.

Nach seinem Schulabschluss erlernte Ludwig Maurer das Mechanikerhandwerk bei verschiedenen Fahrrad-, Nähmaschinen- und Maschinenbauwerkstätten. Der junge Mechanikus belegte Seminare und Abendkurse um sich weiterzubilden. Ferner besuchte er drei Jahre lang Abendseminare am Technikum in Winterthur/Schweiz. Maurers Vision war ein Beförderungsmittel das sich selbstständig fortbewegte. Sein erstes konstruiertes und gebautes Fahrzeug war ein Hochrad mit Motorantrieb, welches seine Lehrmeister in Staunen versetzte. Während dieser Zeit hatte Carl Benz bereits seinen dreirädrigen Motorwagen zum Patent angemeldet (29. Jan. 1886) und dessen Frau Bertha, ohne Wissen des Erbauers, die werbewirksame Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim absolviert.

Als 23-jähriger erhielt Ludwig eine Stelle als Werkmeister bei der Motorradfirma Hildebrandt & Wolfmüller in München, der ersten Motorradfabrik weltweit. Das Unternehmen konstruierte 1892 ein motorgetriebenes Zweirad welches 1894 in Produktion ging, dessen Fertigung aber 1897 wieder eingestellt wurde.

Ludwig Maurer übersiedelte nach Nürnberg, der blühenden Industriemetropole Bayerns. Als Werkmeister und Konstrukteur nahm er eine Stelle bei der Firma Beißbarth an. Maurer hielt an seiner Vision eines eigenen, motorisierten Fahrzeugs fest, und begann, trotz begrenzter finanzieller Mittel, mit der Umsetzung seines Vorhabens. In der Fabrikstraße 40 (heute Georg-Strobel-Straße), in einem Raum des Modellbauers Leonhard Siebenwurst, konstruierte und baute Maurer mit einem Gehilfen 1898 seinen ersten Motorwagen. Dieses Gefährt absolvierte die Jungfernfahrt 1899 ohne Probleme, selbst den steilen Burgberg meisterte das Fahrzeug ohne Schwierigkeiten. Die Form dieses Kraftfahrzeugs war noch der Pferdekutsche nachempfunden. Auch das Fahrgestell, die Federung, sowie die Beleuchtung, Laternen mit Kerzen, stammten von Pferdekutschen.


Maurer-Union – Nürnberger Motorfahrzeugefabrik Union, System Maurer GmbH

Ludwig Maurer meldet daraufhin in Nürnberg ein Gewerbe an. Im Gewerberegister heißt es: "Anmeldung 14.08.1899; Maurer Ludwig, ledig, Fabrikstraße 40, mechanische Werkstätte, seit acht Tagen begonnen, beschäftigt werden: 1 Geselle, 1 Lehrling, 1 Volontär. Die Kraft wird einem von Schreinermeister Siebenwurst erworbenen Gasmotor entnommen."

Die Firma Ludwig Maurer fusionierte, wohl aus finanziellen Gründen, am 31. Mai 1900 mit der Nürnberger Motorfahrzeugefabrik Siebe, Kotschenreuther & Co. Mit dem Umzug in die Flaschenhofstraße 32 erfolgte am 31.10.1900 die Umbenennung in "Nürnberger Motorfahrzeugefabrik Union, System Maurer GmbH". Weitere Finanziers, namentlich die Düsseldorfer Maschinenfabrik Union, waren in die Firma eingetreten.

Nach der "Allgemeinen Motorfahrzeugeaustellung" auf der Wöhrder Wiese in Nürnberg, war am 29. Juni 1900 im "Fränkischen Kurier" zu lesen:

"Auch ein Nürnberger Fabrikat ist vertreten. Unter den neueingetroffenen Wagen, ein Wagen des Herrn Maurer, welchen derselbe auf Grund seiner 10jährigen Praxis konstruierte. Ohne Probe kam der Wagen in die Fahrbahn der Ausstellung und funktionierte sofort tadellos. Der Wagen ist viersitzig, nimmt die Steigungen sehr gut. (...) Der Wagen ist vierfach gefedert, hat einen geringen Benzinverbrauch, magnetelektrische Zündung, läuft ohne Riemen, Ketten und Vorgelege. Es ist kein Wechseln der Zahnräder nötig, deshalb sein ruhiger Gang. Der Wagen ist mehrfach patentiert. Die Fabrikation und der Verkauf liegen in den Händen der Nürnberger Motorwagenfirma Siebe, Kotschenreuther und Co., hier."

Ludwig Maurer hatte auch freundschaftliche Verbindungen zu anderen Unternehmen der Branche, wie Benz, Horch oder Opel. Fritz von Opel soll bei einem Besuch in Nürnberg geäußert haben, dass seine Firma nicht so leistungsfähig arbeiten könne und auch die hier produzierten Stückzahlen nicht erreiche.

Auf die Geschwindigkeit seiner damals als Schnellfahrzeuge geltenden Wagen angesprochen, entgegnete der Firmengründer meist: "Ich bin froh, dass meine Wagen so schnell fahren. ... Es könnte ja nichts passieren, da ich mit einem Ruck halten könne." Wegen der "enormen" Geschwindigkeit, hielten Motorfahrzeuge 1902 Einzug in die Straßen-Polizei-Ordnung. Wie unüberlegt die Ordnungshüter mit dem neuen Verkehrsmittel umgingen, zeigt Paragraph 33a, der die Geschwindigkeitsbegrenzung regeln sollte: "Motorfahrzeuge dürfen innerhalb der Ortschaft nicht schneller als 12 km in der Minute fahren, was angemessen erscheint." Doch Oberbürgermeister Dr. von Schuh rechnete nach und wies den Entwurf als "Sammelsurium bombastischer und naiver Formulierungen" zum Überarbeiten zurück. Statt der utopischen 720 Stundenkilometer schrieb die Behörde eine Höchstgeschwindigkeit von 15 km pro Stunde vor.

Wie schnell die Automobile des Herrn Maurer tatsächlich waren beschreibt Peter Luginsland auf amüsante Weise in seinem Buch "Das war´n halt noch Zeiten". Luginsland (alias Hanns Schödel) hatte den Direktor Maurer in seinem Lieblingslokal "Douglashöhle" öfters angetroffen und später in seinem Büchlein verewigt. Hier ein kleiner Auszug über ein Rennen von Nürnberg nach Würzburg und zurück:

"(...) Der Nürnberger Autokönig Ludwig Maurer fuhr also dieses erste Rennen auf seiner neuesten Konstruktion und hatte bis Würzburg schon ganz schön auf die Tube gedrückt, aber ein zäher Peugeot gefiel ihm gar nicht. Der ging dem Rennfahrer Maurer langsam auf die Nerven. Auch auf der Rückfahrt konnte der Nürnberger Motorsportpionier den Franzosen nicht abschütteln. Kurz vor dem damals berüchtigten Emskirchner Berg lag der Franzose nur einige Meter hinter Maurer. Mit einem wilden Auftakt nahm der Unionwagen die erste Hürde des tückischen Berges. Dann sah sich der Ludwig um und kommandierte seinem als Beifahrer agierenden Bruder Karl: Jetzt tust den Besen raus! Der brave Bruder nahm flugs einen langen Kehrbesen, der zu seinen Füßen lag und hielt ihn in den Straßenstaub. Daraufhin entwickelte sich eine derartige Staubwolke, dass dem Peugeot Hören und Sehen verging. Als Ludwig Maurer auf der Höhe des Berges war, konnte er von dem Peugeot nichts mehr wahrnehmen. So gewann er sein erstes Rennen, den Grand-Prix Würzburg-Nürnberg."

Die gestiegene Nachfrage an Automobilen machte einen Umzug nötig. Die Nürnberger Motorfahrzeugefabrik Union, System Maurer GmbH, erwarb das Anwesen der Maschinenfabrik Julius Wacker & Co. in der Regensburger Straße 40-46 und übersiedelte dorthin im März/April 1902.

Maurer beschränkte sich nicht nur auf die Fertigung von Fahrzeugen. Der Nürnberger Automobilpionier gründetet am 19. März 1903 auch die "Erste Bayerische Motor-Omnibuslinien-Gesellschaft m.b.H." Am 23. Mai 1903 eröffnete die Gesellschaft die Buslinie Nürnberg-Heroldsberg. Bedient wurde die Strecke mit Motorwagen aus eigener Produktion. Im Hinblick auf die im Bau befindliche Bahnlinie, wurde die Busverbindung nur bis 1906 aufrechterhalten.

Die Automobile aus Nürnberger Produktion mussten nach dem Willen des Firmengründers von größter Zuverlässigkeit, einfachster Konstruktion und Bedienbarkeit sein, getreu der Firmenphilosophie: "Einen Wagen mit allen Kompliziertheiten möglichst vollkommen und leistungsfähig zu gestalten ist keine Kunst, aber mit wenig Mitteln dasselbe zu erreichen, darin liegt die Größe des Maurer-Union-Wagens." Die Kraftübertragung der Maurer-Union Wagen erfolgte mittels eines Friktionsrades. Dieses Reibradgetriebe beschrieb Ludwig Maurer, der verstorbene Enkelsohn des Autofabrikanten, im Jahr 2000 folgendermaßen:

"Nach fast einem Jahrhundert findet das von Ludwig Maurer gebaute Reibradgetriebe in seinem Grundprinzip im stufenlosen Automatikgetriebe nach wie vor Anwendung. Das Prinzip der Kennungsumwandlung war schlicht. Die Antriebswelle endete in einer Scheibe, auf deren äußerer Fläche rechtwinkelig ein zweites Rad ablief. Dieses war auf einer Welle verschiebbar. Durch den Ablauf über veränderten Radius wandelte sich das Verhältnis. Ließ man das zweite Rad über die Mitte vom ersten Rad wandern, ergab das zwangsläufig den Rückwärtsgang.
Das moderne Reibradgetriebe fußt auf einem Patent, das 1925 Frank Heayes in New Jersey erteilt wurde. Bereits 1905 erregte Maurer mit seinem neuentwickelten vierzylindrigen Motorrad mit Planscheibenreibradgetriebe großes Aufsehen. Eine Identität ist nicht ausgeschlossen. ..."


Ludwig Maurers finanzielle Mittel waren anfangs recht begrenzt. Nach Gründung der Nürnberger Motorfahrzeugefabrik Union, System Maurer, GmbH, betrug das Stammkapital 31.400 Mark. Nach mehreren Erhöhungen in den folgenden Jahren belief sich dieses im August 1907 auf 450.000 Mark. Fast 50 Patente hatte sich die Firma im Lauf der Jahre eintragen lassen. Dadurch konnte das Unternehmen Lizenzen für den Bau von Maurer-Union-Wagen vergeben, so etwa 1905 an eine große Gesellschaft in New York. Zwar hatte man auch eine Vereinbarung mit der Florisdorfer Lokomotivfabrik in Wien getroffen, zum Bau von Fahrzeugen kam es aber nicht.

Es gab auch Nachahmer die das patentierte Friktionsreibradgetriebe widerrechtlich nachbauten. So etwa die Berliner Firma Otto Weiß & Co., gegen die Maurer-Union gerichtlich vorging. Nach einem Sieg der Nürnberger Firma in erster Instanz, kam es zu einem Vergleich bei dem die Berliner eine nicht näher bezeichnete Summe zu zahlen hatten. Ferner musste Weiß & Co. sämtliche Gerichts- und Anwaltskosten, sowie die Sachverständigenhonorare beider Parteien übernehmen. Des Weiteren sicherte sich Maurer-Union das Recht, die Vergleichsvereinbarung in beliebigen Zeitungen zu veröffentlichen.

Bei einer Gesellschaftsversammlung am 20. Januar 1908 wurde Ludwig Maurer des Postens als Geschäftsführer enthoben. (Nähere Umstände sind dem Autor nicht bekannt.) Ferner erloschen die Gesamtprokuren von Lorenz Schätzler und Rudolf Birkner. Neu bestellt wurden Ingenieur Julius Maurer und Fabrikbesitzer Louis Lotz jr. als Geschäftsführer, sowie Erhard Kotschenreuther als Prokurist. Dem ausgeschiedenen Ludwig Maurer untersagte man auf Dauer von fünf Jahren ein Konkurrenzgeschäft zu eröffnen.


Automobilwerke Union AG

Die neue Führungsspitze sah für den Betrieb eine positive Zukunft voraus. Deshalb gründete man 1908 die Automobilwerke Union AG, die sämtliche Einrichtungen, Anlagen und das Gelände der Motorfahrzeugfabrik Union GmbH übernahm. Das Stammkapital betrug 400.000 Mark. Die Aktien wurden von den Begründern des neuen Unternehmens übernommen. Später sollten Wertpapiere auch an die Börsen in München, Frankfurt/M. und Berlin gehen. Sämtliche Rechte des alten Unternehmens sind am 2. März 1909 an die Automobilwerke Union AG übergegangen. Die Maurer-Union GmbH wurde liquidiert.

Obwohl die Automobilwerke Union AG 1908 auf der Automobilausstellung in Leipzig vertreten war und der Union-Wagen Typ Ic ausgezeichnet wurde, wechselte der Betrieb den Besitzer. Der Firmenführung war es nicht gelungen die finanziellen Mittel für Modernisierungsmaßnahmen aufzubringen. Die Geschäfte entwickelten sich nicht wie erwartet. Darüber hinaus konnte in den Jahren 1908/09 keine Dividende ausgeschüttet werden.

Auch nachdem die Nürnberger Feuerlöschgeräte- und Maschinenfabrik, vorm. Justus Christian Braun AG, am 3. Mai 1910 die Fabrikation übernommen hatte und als Sonderabteilung für Fahrzeuge weiterführte, blieb eine erwartete, positive Trendwende aus. Die lahmenden Union-Werke hatten zwar Halb- und Fertigfabrikate im Wert von 130.000 Mark verkauft und ein Bardarlehn in Höhe von 75.000 Mark gewährt, jedoch konnte kein Umschwung erzielt werden. Sämtliche Patente/Rechte, sowie das Fabrikgrundstück verblieben weiterhin bei der Automobilwerke Union AG.

Der Betrieb konnte noch bis zum 21. Januar 1911 aufrechterhalten werden, dann war auch dieses Kapitel der Firmengeschichte beendet. Die Automobilwerke Union AG hatte sich durch Beschluss der Generalversammlung vom 29. März 1911 aufgelöst und trat in Liquidation.

Auch die Feuerlöschgeräte- und Maschinenfabrik geriet 1911 in finanzielle Schieflage und beteiligte "The Premier Cycle Company Ltd. Werke" in Nürnberg-Doos am Unternehmen. Aus dieser Fusion entstand im selben Jahr die "Justus Christian Braun-Premier-Werke AG", die ihrerseits 1913 in Liquidation ging. Ein gewisser Karl Schmidt übernahm den insolventen Betrieb und führte ihn als "Nürnberger Feuerlöschgeräte- & Fahrzeugfabrik Karl Schmidt" fort, der dann wiederum 1919 mit der Fahrzeugfabrik Ansbach AG fusionierte. Das so entstandene Unternehmen firmierte anfangs unter "Fahrzeugfabriken Ansbach und Nürnberg AG" und ist seit 1920 unter dem Namen Faun-Werke bekannt.

Hier würde die Maurer-Union Firmengeschichte eigentlich enden, wäre da nicht noch Ludwig Maurer, dem es im Januar 1908 für fünf Jahre untersagt wurde ein Konkurrenzunternehmen zu eröffnen. Um die Konventionalstrafe in Höhe von 10.000 Mark zu umgehen, gründete dessen Frau eine neue Firma.


Automobilfabrik Johanna Maurer – Ludwig Maurer, Kraftfahrzeuge OHG

Bereits drei Monate nach dem Ausscheiden Maurers aus der "Union", meldete dessen Frau, Johanna Maurer, ein Gewerbe an. Im Gewerbemelderegister vom 21. April 1908 ist folgender Eintrag verzeichnet: "Maurer Johanna, mechanische Werkstätte für Fabrikation und Reparatur von Automobilen etc. und Handel mit solchen, schriftlich angemeldet, 18. April 1908 unter Nummer 47493 II. Zur Zeit werden drei Personen beschäftigt."

Bei der Suche nach geeigneten Geschäftsräumen wurde man in der Dürrenhofstraße 8-10 fündig. Auf dem Areal, einst im Besitz von Theodor Freiherr von Cramer-Klett, bestand ehemals eine Bäckerei in Vorder- und Hinterhaus. Das Anwesen wurde angemietet und 1908/09 von Ludwig Maurer nach eigenen Bedürfnissen umgebaut.

Der Erfinder Maurer sah sich mit Reparatur und Handel von Automobilen nicht ausgelastet und knüpfte deshalb an eine alte Entwicklung an. Bereits 1901 hatte der Tüftler einen Motorschlitten konstruiert und gebaut. Ein solches Gefährt stellte er 1911 in verbesserter Ausführung auf dem zugefrorenen Dutzendteich vor. Ein neu entwickelter 8-PS Zweizylinder-Aeroplanmotor trieb einen Heckpropeller an, der den Motorschlitten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h fortbewegen konnte. Abnehmer des Schlittens war ein Kunde in Russland.

Das Firmengelände, mit Eingang Bahnhofstraße 91, wurde 1911/12 um eine Wagenhalle erweitert. Während des Ersten Weltkriegs, Ludwig Maurer wurde eingezogen, stand der Betrieb weitgehend still. Am 30. Juni 1919 ging die Firma samt Prokura wieder an Ludwig Maurer über. Im selben Monat konnte auch das Firmenanwesen erworben werden.

In den 1920er Jahren stieg Maurer in die aufstrebende Motorradproduktion ein. Erfahrung im Zweiradbau hatte er bereits 1894-97 als Werkmeister bei Hildebrand & Wolfmüller in München gesammelt. Seine erste Konstruktion war ein Fahrrad mit einem luftgekühlten 118 ccm Zweitaktmotor. Es folgten weitere, kleinere Motorräder mit denen Rennen und Zuverlässigkeitsfahrten gefahren und gewonnen wurden.

Die erste "richtige" Maschine entwickelte die Firma 1920/21. Es war ein Motorrad mit einem wassergekühlten Zweitaktmotor mit 225 ccm. Ein weiterer Meilenstein der Automobilfabrik Ludwig Maurer, wie sie jetzt firmierte, war die Einführung des ersten Zweizylinder- Zweitaktmotorrads Deutschlands mit einem Zylinderinhalt von 500 ccm. In einem Prospekt heißt es: "... Unser Zweizylindermodell ist als Solo- und als Beiwagenmaschine für jeden Zweck das idealste Verkehrsmittel."

Ingenieur Maurer beschäftigte sich auch wieder mit der Fabrikation von Automobilen. Das erste Produkt war ein 1923/24 entwickelter Kleinwagen mit einem wassergekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor. Die Karosserie wurde vollständig aus Aluminiumblech hergestellt. Das Fahrzeug erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 55 km/h. Die Maurer-Automobile und Motorräder waren solide konzipiert, konnten sich aber nicht gegen Konkurrenzprodukte durchsetzen – zu einer größeren Serienfertigung kam es nie.

Am 10. Oktober 1923 wechselte das Firmengrundstück an der Bahnhofstraße, wohl aufgrund finanzieller Engpässe, den Besitzer. Neue Eigentümer wurden Lucie Raum und deren Erben, die auf dem Areal 20 Autogaragen errichteten und vermieteten. Ludwig Maurer und dessen Söhne blieben weiterhin auf dem Gelände, gründeten eine Fahrschule und führten nach wie vor Fahrzeugreparaturen durch. Für die "Privaten Kraftfahrkurse" standen fünf Fahrlehrer und sieben Lehrkraftwagen zur Verfügung, wie einer Werbeanzeige zu entnehmen ist. Ferner übernahm der Familienbetrieb eine Opel-Vertretung um den Kraftfahrzeughandel weiter auszubauen.

Eine weitere Erfindung Ludwig Maurers wurde 1931 patentiert. Der Automobilfachmann hatte eine transportable Autogarage aus Eisenbeton konstruiert. Zwei dieser "Beförderbaren Einzellen-Schuppen für Kraftwagen" hatte er zu Demonstrationszwecken vor seiner Firma aufgebaut. Maurer kaufte auch einen kleinen Lastwagen, Typ M 10 von der Magirus AG, für die nach dem Zweiten Weltkrieg die Generalvertretung übernommen wurde.

Anlässlich der Denkmalenthüllung für Carl Benz in Mannheim berichtete auch die "Nürnberger Zeitung" am 22. April 1933 über Ludwig Maurer, der bei den Feierlichkeiten anwesend war:

"... Einer unter ihnen, der in Mannheim besonders begrüßt wurde und sich großer Anerkennung und Achtung erfreuen durfte, war unser Landsmann Ludwig Maurer, der mit Benz und Daimler zu den Erfindern des Automobils zählt. In der Automobilwelt ist Ludwig Maurer überall bekannt. Wenn sein Name der breiten Masse außerhalb Nürnbergs nicht genügend bekannt wurde, so lag das an seinem bescheidenen Wesen und an seinem Fleiß, denn er hatte in der Zeit der Geburt des Automobilismus alle Hände voll zu tun, um seine Erfindungen auszuarbeiten, neue Konstruktionen zu ersinnen und vor allem seinen Fabrikationsbetrieb zu überwachen, der mit Aufträgen so überhäuft wurde, dass dieser mit der Produktion kaum nachkommen konnte."

Nachdem Firmengründer Ludwig Maurer am 23. Mai 1936 verstarb, führten seine Söhne Paul, Leonhard, Eduard, Hans und Christian den Betrieb weiter. Ab 1. Januar 1937 firmierte das Unternehmen unter Ludwig Maurer, Kraftfahrzeuge OHG. Während des Zweiten Weltkriegs fielen Paul und Christian Maurer, die verbliebenen Geschwister bauten nach Kriegsende, die durch Luftangriffe zerstörten Firmengebäude wieder auf. Die Ludwig Maurer OHG übernahm in den Nachkriegsjahren die Generalvertretung für Magirus-Deutz Lastkraftwagen und Omnibusse. Ebenso wurden Reparatur- und Servicearbeiten für die Nutzfahrzeuge des Ulmer Herstellers durchgeführt.

Die wechselvolle Firmengeschichte des ersten und einzigen Nürnberger Automobilherstellers endet im August 1971, sämtliche Geschäftstätigkeiten wurden aufgegeben. Das Areal Dürrenhofstraße 8-10 wurde von 1971-1981 an die Oberpostdirektion Nürnberg verpachtet und im Oktober 1981 an ein Konsortium verkauft. Die Gebäude sind längst abgerissen. Heute steht auf dem Areal ein Geschäftskomplex mit Büros und einem Hotel.


Maurer-Union-Wagen

Etwa 400 Maurer-Union-Wagen verließen das Werk im Jahr 1905. Die Modellpalette reichte vom leichten Personen- und Geschäftswagen für zwei Personen, über Reise- und Sportwagen (3-4 Personen) und Tourenwagen (4/6/8 Personen), bis hin zum Lastwagen. Das Motorenangebot umfasste Aggregate mit einem Zylinder (4-12 PS), zwei Zylindern (10-12 PS) und vier Zylindern mit 16 PS.

Besonders beworben wurde der Maurer-Union-Doktorwagen. In einer Werbeschrift von 1906 wurde der Ärzteschaft die Anschaffung des 2.700 Mark teuren Automobils folgendermaßen schmackhaft gemacht:

"... Ein guter Motorwagen spart Ihnen an Ihrer Zeit täglich mindestens 3 Stunden. Ein vielbeschäftigter Arzt wird seine Arbeitsstunde doch mindestens auf Mk. 3.– berechnen, die Ersparnis beträgt somit pro Tag Mk. 9.–, macht in 300 Arbeitstagen Mk. 2700.–, von welcher Ersparnis Sie keinen Gebrauch machen. Stimmts´s? Die effektive Ersparnis des Motorwagenbetriebes gegenüber Pferdebetrieb oder Lohnfuhrwerk etc. ist hierbei noch gar nicht in Betracht gezogen. Wir bringen Ihnen jederzeit den Nachweis der Richtigkeit und zwar aus den Bestätigungen Ihrer Herren Kollegen selbst. ..."

Um die Leistungsfähigkeit des Doktorwagens zu untermauern waren in Werbeschriften auch Fotos abgedruckt die das Fahrzeug in Aktion zeigten. Auf einer Fotografie fährt der Doktorwagen die Freitreppe des Nürnberger Apollotheaters hinauf. Eine "52% ige Steigung", wie es in der Unterzeile heißt.

Auch einen Rennwagen mit Friktionsantrieb stellte Maurer-Union als Prototyp her. Das Fahrzeug war mit zwei, getrennt voneinander arbeitenden Motoren ausgestattet. Der Fahrer konnte beide Aggregate gleichzeitig benutzen, oder nur mit einem Motor fahren. Eine Motorpanne setzte das Gefährt also noch nicht außer Gefecht.

Weitere Spezialfahrzeuge stellten die Maurer-Union-Droschken dar. Direktor Maurer überführte 1902 persönlich eine Droschke nach Berlin, wo er von Prinz Heinrich und einem Komitee festlich empfangen wurde. Durch diesen werbewirksamen Auftritt konnten auf Anhieb 60 Autodroschken verkauft werden. 1905 war in der "Zeitschrift des Mitteleuropäischen Motorwagen-Vereins" folgendes zu lesen:
"Die Einführung der Motordroschken im Berliner Straßenverkehr fand erst allgemeines Interesse nachdem eine größere Anzahl Droschken nach dem System Maurer das Straßenbild beherrschten. Die ersten Vertreter des Reibradsystems mit Handhebelkupplung und Drosselpfeil auf dem Steuerrad waren Ende 1903 ca. 70 Maurerdroschken." Von den 160 Autodroschken im Berliner Stadtbild von 1905, kamen über 80 aus der Nürnberger Motorfahrzeugefabrik Union.


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Maurer-Union Typ 1a
Typ Ia
Maurer-Union Zweisitzer mit 4/5 PS-Motor, Geschwindigkeit bis 35 km/h,

Ausstattung: Lackierung in beliebiger Farbe, zwei Kerzenlaternen, Signalhupe und vollständigen Werkzeug.

Preis: 3.000 Mark, mit 7-14 PS-Motor 4.400 Mark
Maurer-Union Typ 2c
Typ IIb
Maurer-Union Doktorwagen mit 6/8 PS-Motor, Geschwindigkeit bis zu 40 km/h,

Ausstattung: Wetterbeständiges Lackrindleder, dauerhafteste Lackierung in beliebiger Farbe, Maurer-Union Zellenkühlung, Signalhupe und vollständigem Werkzeug

Preis: 4.300 Mark
Maurer-Union Typ 3
Typ III
Maurer-Union Tonneauwagen mit 6/8 PS-Motor, Geschwindigkeit bis zu 40 km/h

Ausstattung: Bestes Lackrindleder, Maurer-Union Zellenkühlung, 2 Laternen, Hupe, Reserveteilen und komplettem Werkzeug.

Preis: 4.500 Mark
Maurer-Union Typ 4c
Typ IVc
Maurer-Union Limousine, Vierzylindermotor mit 12-22 PS, Geschwindigkeit bis zu 60 km/h

Ausstattung: Lackrindlederpolsterung glatt oder abgenäht, dauerhafte Lackierung in beliebiger Farbe, Lichtbogenzündung, Zellenkühlung, Friktionsantrieb im Aluminiumgehäuse, Wasserpumpe, Ventilator, 2 Laternen, Hupe, Werkzeug.

Preis: 15.000 Mark, mit Sechszylindermotor 18-33 PS 17.000 Mark
Maurer-Union Droschke

Maurer-Union Droschke
Maurer-Union Rennwagen

Maurer-Union Rennwagen
Maurer-Union Typ 7b
Typ VIIb
Leichter Maurer-Union Lastwagen mit Einzylindermotoren von 4 bis 12 PS, Zweizylindermotoren von 8 bis 16 PS, Tragkraft bis 1.500 kg

Preise: je nach Motorstärke und Tragkraft, 4.000 bis 12.000 Mark
Maurer-Union Typ 10
Typ X
Maurer-Union Sechszylinder mit 18 bis 33 PS, Geschwindigkeit bis zu 90 km/h
Ausstattung: Beste Lackrindlederpolsterung, Lackierung in beliebiger Farbe, Bienenzellenkühlung (Eigenentwicklung), Benzin und Öl unter Druck, zwei Petroleumlampen, Zwischenfenster, amerikanisches Segeltuchverdeck, Signalhupe, Reserveteile, Werkzeug.
Preis: 15.000 Mark
Extras: Gepäckträger 70 Mark, Scheiwerfereinrichtung 200 Mark, Gleitschutz für Räder 60 Mark pro Rad
Maurer-Union Droschke

Maurer-Union Droschke im Berliner Stadtbild
Maurer-Union Motorrad

Maurer-Union Motorrad
Maurer-Union Hauptkatalog

Maurer-Union Hauptkatalog 1905/06
Maurer-Union Fabrik

Maurer-Union Fabrik, Regensburger Straße
Maurer-Union Doktorwagen

Maurer-Union Doktorwagen auf der Freitreppe des Apollo-Theaters
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Text: mw
Fotos: Archiv der Familie Maurer. Reproduktionen mit freundlicher Genehmigung von Herrn Hans Maurer.
Verwendete Literatur: MAU

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