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Die Schuckert-Werke. Vom Einmann-Betrieb über Schuckert & Co. zum Weltunternehmen

Was einst 1873 in der Nürnberger Schwabenmühle klein begann, entwickelte sich rasch zum Industriebetrieb von überregionaler Bedeutung. Nach den Anfängen mit Reparaturen von Nähmaschinen und wissenschaftlichen Instrumenten der Universität Erlangen, galt Schuckerts Interesse überwiegend dem Bau von elektrischen Maschinen.


Ein Freund Schuckerts, Johannes Greulein, beschrieb die Gegebenheiten bei dessen Einzug in die Schwabenmühle so: "Der Fußboden war halb durchgefault, die Türen hingen nur noch in den Angeln, die beiden Fenster klapperten im Winde, im ganzen Gebäude der Hausschwamm. Die Pegnitzratten schienen diesen schon längere Zeit leerstehenden Raum als Stelldichein ausgewählt zu haben."

Seine "dynamoelektrische Maschine", für die er 1874 das Patent erhielt, verkaufte sich gut und Sigmund Schuckert konnte bereits im Gründungsjahr einen Gehilfen einstellen. Der Raum in der Schwabenmühle war jetzt schon zu klein geworden und der Jungunternehmer zog innerhalb des Gebäudes in das obere Stockwerk, wo eine durch Wasserkraft angetriebene Transmission verfügbar war. Bereits Ende 1875 waren drei Lehrlinge und vier Gehilfen beschäftigt.

Die Auftragslage im sich rasch entwickelnden Industriezeitalter war gut. Schuckerts Versuche und Demonstrationen im Bereich der elektrischen Straßenbeleuchtung machten seine Maschinen deutschlandweit bekannt. Dem Unternehmer waren Konstruktion, Produktion und Vertrieb seiner Produkte längst über den Kopf gewachsen, sodass Alexander Wacker in Leipzig die Vertretung für Nord- und Mitteldeutschland übernahm. Auch in den Betriebsräumen war man bereits an die Grenzen gestoßen. So bezog der Betrieb 1878 größere Räume in der Meßthaler´schen Maschinenfabrik. Gefertigt wurden Bogenlampen in großer Stückzahl, welche auf der Pariser Weltausstellung viel Anerkennung erhielten. Die Mitarbeiterzahl war inzwischen auf zwölf Gehilfen und drei Lehrlinge gewachsen. Der Eintrag ins Handelsregister erfolgte 1879.

Einen weiteren Meilenstein der Firma Schuckert bildete die erste Elektrotechnische Ausstellung Deutschlands in München (1882). Spektakulär war Sigmund Schuckerts Demonstration elektromotorischer Kraftübertragung. Mit einer eigens verlegten Leitung von Hirschau an der Isar nach München gelang ihm der Antrieb einer mechanischen Werkstätte und zweier Dreschmaschinen. Dies beeindruckte mögliche Kunden und förderte das kontinuierliche Wachstum des Unternehmens. Die 1879 von Edison erfundene Glühlampe, wurde ebenfalls ins Produktionsprogramm aufgenommen.

Im Jahr 1883 umfasste die Produktpalette neben selbstregulierenden Kohle-Bogenlampen auch elektrische Zähler für die Verbrauchsmessung und diverse Schaltgeräte. Die gestiegene Nachfrage nach Schuckert-Produkten machten einen erneuten Umzug erforderlich. Diesmal sollte es ein auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichteter Neubau in der Schloßäckerstraße sein. Da die Belegschaft bereits auf 100 Mitarbeiter angewachsen war stand auch ein struktureller, innerbetrieblicher Wandel an. Umdenken war angesagt. Planung und Konstruktion sowie Produktion und Vertrieb wurden umorganisiert. Betriebsleiter für die jeweiligen Bereiche wurden eingesetzt. Der Schritt vom Handwerksbetrieb zur Industriefabrik war somit vollzogen.

Sigmund Schuckert hatte die technische Leitung inne, Alexander Wacker wurde als kaufmännischer Direktor bestimmt. Doch die eigentliche Blütezeit der Schuckert-Werke stand noch bevor. Professor Georg Munker war es 1885 gelungen, eine Schleifmaschine zu konstruieren mit der Glasparabolspiegel für Reflektoren aus einem Stück hergestellt werden konnten. Die Lichtausbeute der mit diesen Reflektoren ausgestatteten Scheinwerfer war so überzeugend, dass Kriegs- und Handelsschiffe damit ausgerüstet wurden. Die Schuckert-Werke wurden Großlieferant.

Die Expansion hielt weiter an. 1885 wurde Alexander Wacker Teilhaber in Schuckerts Firma. Durch die Heirat Wackers mit der Verlegertochter Brockhaus konnte er eine Million Mark mit in die Firma einbringen. Technik und Verkehr entwickelten sich rasch im ausgehenden 19. Jahrhundert, sodass weitere Fachkräfte für Konstruktion und Produktion eingestellt werden mussten. Pferdebahnen wurden durch Schuckerts "Elektrische" ersetzt und die fortschreitende Elektrifizierung der Städte erforderte den Bau kommunaler Netze. Schuckert & Co. installierten zwischen 1890 und 1900 einhundertzwanzig Kraftwerkzentralen in verschiedenen deutschen Städten. Bereits 1888 war eine Mitarbeiterzahl von 500 erreicht.

Sigmund Schuckert war immer darauf bedacht ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern aufzubauen. Er genoss in der Belegschaft hohes Ansehen und galt als Vaterfigur. Nicht nur seine Sozialmaßnahmen, die weit über das gesetzliche Muss hinausgingen, brachten ihm bei den Firmenangehörigen den Namen "Vater Schuckert" ein. Neben einer Betriebskrankenkasse setzte sich der Unternehmer darüber hinaus mit der "Wohnungsbaugemeinschaft Sigmund Schuckert" ein soziales Denkmal. Auch seine Frau Marie Sophie beschäftigte sich mit den sozialen Belangen der Betriebsangehörigen und engagierte sich für bedürftige Mitarbeiter.

Die gestiegenen Anforderungen machten einen erneuten Neubau notwendig. Grundstücke in der Landgrabenstraße wurden mit neuen Betriebsgebäuden gebaut. Dies machte aber auch eine erneute Umstrukturierung der Firma nötig. Für die benötigten Geldmittel wandelte man das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft um. Das Anlagekapital betrug acht Millionen Mark. Schuckert und Wacker brachten, als persönlich haftende Gesellschafter, je 2.500.000 Mark ein. Schon 1893 wurde die KG in die "Elektrizitäts-Aktiengesellschaft, vormals Schuckert & Co" umgewandelt. Bis 1900, also fünf Jahre nach Schuckerts Tod, expandierte das Unternehmen unaufhaltsam. Die Elektrifizierung Deutschlands machte dies möglich – der Straßenbahnbau und die Anfertigung von kompletten elektrischen Zentralen waren nun die Stützen des Unternehmens. Die Firma expandierte unter der Leitung Wackers auch im elektrochemischen Bereich. In der Schweiz, in Bosnien und Norwegen wurden Ende des 19. Jh. die größten Karbidfabriken der Welt gebaut. Das Eigenkapital war bis 1900 auf das Fünffache, das Fremdkapital auf das Achtfache gewachsen.

Vielleicht hätte sich der bodenständige Schuckert ein weniger rasantes Wachstum gewünscht? Die beginnende Rezession um 1900 ließ es auch bei dem Großunternehmen kriseln. Fusionsverhandlungen mit der AEG hatten keinen Erfolg. Auf Betreiben der Deutschen Bank musste man schließlich 1903 mit dem Konkurrenten Siemens & Halske in Berlin fusionieren. Es wurde eine neue Gesellschaft unter dem Namen "Siemens-Schuckert-Werke GmbH" (SSW) gegründet. Firmensitz war Berlin, die Zweigniederlassung befand sich in Nürnberg. Die "Elektrizitätsaktiengesellschaft, vormals Schuckert & Co" wurde, bis zur Liquidation 1939, als reine Holdinggesellschaft weitergeführt.

Die Siemens-Schuckert-Werke stellten in Nürnberg hauptsächlich Bogenlampen, Scheinwerfer, Zähler und Transformatoren her, während der Messinstrumentenbau nach Berlin verlagert wurde. 1927 wurden die SSW in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Verlagerung des Verwaltungssitzes nach Erlangen fand nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Am 01. Oktober 1966 wurden Siemens & Halske, die Siemens-Schuckert-Werke und die 1932 entstandene Siemens-Reiniger-Werke AG unter dem Dach der Siemens AG vereinigt.

Mehr über die "Keimzelle Schwabenmühle" können Sie hier nachlesen. Wenn Sie erfahren möchten warum es in Nürnberg "schuckerte", dann empfiehlt sich der Beitrag über den "Fischbach".


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Text: mw
Verwendete Literatur: DNA, DSB, NWM

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