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Zündapp-Werke – Motorräder aus Nürnberg

Die Zündapp-Werke waren einst der erfolgreichste Motorradhersteller Nürnbergs. Mit einem Marktanteil von 16%, war der Betrieb vor dem Zweiten Weltkrieg führend bei motorgetriebenen Zweirädern in Deutschland und überdies in 69 Ländern vertreten. Nachdem auch diese Firma von der Krise in der Motorradindustrie nach 1955 nicht verschont blieb, ging Zündapp nach einer wirtschaftlichen Berg- und Talfahrt 1984 in Konkurs.


Begonnen hatte die Zündapp-Firmengeschichte am 17. September 1917. Der Nürnberger Unternehmer Fritz Neumeyer gründete zusammen mit der Friedrich Krupp AG (Essen) und der Firma Gebr. Thiel (Ruhla) die "Zünder und Apparatebau GmbH". Das Unternehmen in der Lobsingerstraße 8 stellte mit 1.800 Arbeitern Artilleriezünder für die Rüstungsindustrie her. Nachdem das Werk bereits 1918 wieder stillgelegt wurde, führte es Fritz Neumeyer ab 1919, nach dem Ausscheiden der Partner, als Alleininhaber weiter.

Die Zündapp-Werke produzierten zu dieser Zeit verschiedenste Dinge wie beispielsweise Schreibmaschinen, Schrauben und Muttern, oder Lichtmaschinen für Kraftfahrzeuge. Nach einem Besuch der Berliner Automobil- und Motorradausstellung 1921, stieß Neumeyer auf eine Marktlücke. Seiner Erkenntnis nach mangelte es in Deutschland an einem preisgünstigen Gebrauchsmotorrad. Kurzerhand gründete er die "Zündapp Gesellschaft für den Bau von Special-Maschinen mbH".

Das erste Zündapp-Modell aus dem Jahr 1921 trug die Bezeichnung Z 22 und wurde als "Motorrad für Jedermann" angepriesen. Die Maschine hatte einen zweieinhalb PS leistenden, 211 ccm Zweitakt-Motor -– die Kraftübertragung erfolgte mittels Riemenantrieb. Neumeyers Hauptaugenmerk lag auf einfacher Bedienbarkeit und Handhabung der Maschine. Die Z 22 verkaufte sich erfolgreich, sodass bis 1924 bereits 10.000 Stück abgesetzt werden konnten. Dies war möglich, weil der Betrieb auf Fließbandfertigung nach amerikanischem Vorbild umgestellt hatte. Bis dahin war die Produktion auf vier Standorte verteilt. Im Jahr 1927 lief unter Direktor Wilhelm Wittig die 25-tausendste Zündapp-Maschine vom Band, 1929 waren bereits 75.000 Motorräder produziert.

Fritz Neumeyer beauftragte die Architekten Hans Müller und Karl Kröck mit dem Neubau einer großen Fabrik in der Dieselstraße, welche 1928 bezogen wurde. Das Gebäude in Betonbauweise wurde als "modernste Motorradfabrik der Welt" bezeichnet. Von der Weltwirtschaftkrise blieben auch die Zündapp-Werke nicht verschont. In diesen schwierigen Zeiten handelte Neumeyer atypisch – er investierte und modernisierte den Maschinenpark. Nachdem sein Sohn, Hans-Friedrich Neumeyer, die Leitung der Fabrik übernommen hatte, präsentierte Zündapp auf der Internationalen Automobil- und Motorradausstellung in Berlin 1933 acht neue Maschinen mit Motoren zwischen 200 und 800 ccm Hubraum. Im selben Jahr baute Zündapp auch einen von Richard und Xaver Küchen entwickelten vierrädrigen Schnell-Lieferwagen.

Zündapp versuchte mehrmals in die Automobilherstellung einzusteigen. Bereits 1924 sollte in Lizenz ein Kleinwagen der englischen Firma Rover gebaut werden, doch die Verhandlungen scheiterten. Ein erneuter Anlauf folgte 1931. Es tauchte ein Projekt auf, nach dem ein viersitziger Personenwagen gebaut werden sollte. Erstmals trat hier die Bezeichnung "Volkswagen" in Erscheinung. Nach nur drei gebauten Prototypen wurde das Projekt des Porsche Typ 12 jedoch aufgegeben. Bei Probefahrten hatte sich herausgestellt, dass Motorkühlung und Getriebe nur unzureichend arbeiteten. Generaldirektor Fritz Neumeyer entschied daraufhin, die Entwicklung nicht weiter zu verfolgen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam ein Zündapp-Automobil auf den Markt, welches aber keinen Anklang fand (s. unten).

Ein weiterer Geschäftszweig kam ab 1936 hinzu. Das Reichsluftfahrtministerium erteilte Zündapp den Auftrag zum Bau eines leistungsfähigen Flugzeugmotors. Der von Ernst Schmidt entwickelte, luftgekühlte Reihenvierzylinder verfügte über zwei Liter Hubraum und leistete 50 PS. Unter der Bezeichnung Zündapp Z 9-092 wurde er in kleinere Flugzeuge wie der Klemm KL 105, oder Fieseler Fi 253 verbaut.

In den folgenden Jahren erfuhr die Firma einen stetigen Aufschwung. 1933 verließ das 100.000ste Zündapp-Motorrad das Werk, gefolgt von der 200-tausendsten im Jahr 1938. Diesen Erfolg erlebte Dr. h. c. Fritz Neumeyer nicht mehr, er verstarb am 10. Sep. 1935. Ab 1940 musste das Unternehmen auf Rüstungsgüter umstellen. Produziert wurden jetzt Motorräder für die Wehrmacht und Kleinpanzer. Durch Bombenangriffe wurden die Betriebsgebäude fast zur Hälfte, der Maschinenpark zu einem Drittel zerstört.

Da nach Kriegsende die Motorradproduktion vorerst verboten war, wurden zunächst Haushaltsnähmaschinen gefertigt. Ein weiterer Zweig deckte die Mühlentechnik ab. Zündapp hatte sich mit Herrn Wiegand, dem Leiter und Miteigentümer der Mühlenbauanstalt Hipkow zusammen getan.

Der Zweiradbau lief im Jahr 1947 wieder an, 1950 wurde in München ein Zweigwerk gegründet, in dem bis zu 1.700 Beschäftigte arbeiteten. Neben dem in den Nachkriegsjahren beliebten Bella-Roller wurden auch wieder schwere Zündapp-Maschinen hergestellt. Nach einem erneuten Blütejahr, 1955, zeichnete sich die beginnende Krise der Motorradindustrie ab – stärker gefragt waren jetzt Kleinwagen. Auch bei Zündapp wurde ein solches Fahrzeug entwickelt, aber der erwartete Erfolg des "Janus" blieb aus. Das viersitzige Rollermobil hatte mit einem Preis von 3.290 DM (3.330 DM mit Heizung) keinen Vorteil gegenüber anderen Herstellern. Die 6.000 gefertigten Exemplare stellten sich als nahezu unverkäuflich heraus.

In den Nachkriegsjahren sehr bekannt war das Motorrad KS 601 mit Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor das meist in grüner Lackierung ausgeliefert wurde, weshalb es den Spitznamen "Grüner Elefant" erhielt. 1967 soll der deutsche Markanteil von Zündapp-Motorrädern (bis 100 ccm) bei 33% gelegen haben. Auch wenn andere Produkte wie Bootsmotoren (ab 1954), Nähmaschinen und Rasenmäher (ab Anfang 1970er Jahre) hergestellt und vertrieben wurden, konnte Zündapp dennoch nicht an einstige Glanzzeiten anknüpfen. Obwohl es den Produkten an Qualität und Innovation nicht gemangelt haben soll, brachten sie nicht erhofften wirtschaftlichen Erfolg. Die internationale Konkurrenz, auch aus Fernost, war zu groß. Ebenso die Konzentration auf Zweitaktmaschinen und veraltetes Design gingen am Geschmack der Kundschaft vorbei. Großvolumige Viertakter aus japanischer Produktion waren zwar nicht so robust, trafen aber den Nerv der Käuferschaft.

Die Rettung der angeschlagenen Firma gelang nur durch einschneidende Sanierungsmaßnahmen. Der Motorrad-, Auto- und Nähmaschinenbau in Nürnberg wurde aufgegeben, der Firmensitz nach München verlagert. Bis in die 1980er Jahr wurden dort hauptsächlich Mopeds und Leichtkrafträder hergestellt. Obwohl die Belegschaft zu dieser Zeit um die Hälfte reduziert wurde, konnte das Aus nicht verhindert werden. Die Zündapp GmbH ging im August 1984 in Konkurs, die Produktionsanlagen wurden für 16 Millionen DM nach China verkauft. Die Tiajin Mororcycle Co. produzierte noch einige Jahre unter dem Zündapp-Zeichen weiter. Auch in Portugal, bei der Firma Casal, wurden unter der Leitung eines ehemaligen Zündapp-Mitarbeiters, bis in die 1990er Jahre fast identische Zündapp-Motoren hergestellt, die vom Werk lizenziert waren. Die dort unter den Marken Solo und Mars hergestellten Leichtkrafträder wurden in Deutschland von Versandhäusern vertrieben.

Zündapp ist aber nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Viele Zündapp-Fans haben sich weltweit in zahlreichen Clubs organisiert und halten den Mythos des einstigen Traditionsunternehmens in Ehren. In Sigmaringen (Baden-Württemberg) gibt es seit 2008 ein Zündapp-Museum. Auch in Österreich (Königswiesen/OÖ) kann man die Geschichte des Motorradherstellers erleben. Das dortige Heimatmuseum zeigt eine umfangreiche Sammlung alter Motorräder. Im Nürnberger Museum Industriekultur findet man ebenso einige Exponate aus Zündapp-Produktion. Dort befindet sich ein Modell (M 1:5) des Zündapp-"Volkswagens".


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Text: mw
Fotos:
Verwendete Literatur: BNN, DWN, SLN

Quellen im Internet:
Zündapp auf wikipedia.de
"Volkswagen" auf wikipedia.de

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