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Hauptwache

Die ehemalige Hauptwache befand sich einst am Rathausplatz 1. Sie war die Einsatzzentrale der bayerischen "Aufpasser" in der Innenstadt. Heute steht an ihrer Stelle eine in vielen Reisführern erwähnte Bratwustküche, das "Bratwursthäusle".


Auf dem Areal des heutigen Bratwursthäusles stand einst die sogenannte "Alte Schau". In diesem Schauamt konnte jeder Gold, Silber und andere Edelmetalle prüfen lassen. In einem Reiseführer von 1910 heißt es zum Gebäude: "... stand an Stelle des jetzigen bis in die letzten Jahre als Hauptwache benützten Gebäudes die 1454 vollendete alte Schau, eine der bemerkenswertesten Profanbauten der deutschen Spätgotik. Im Jahre 1809 leider abgebrochen, wurde an ihrer Stelle die alte Hauptwache gebaut."

Nachdem die ehemals freie Reichsstadt Nürnberg 1806 an Bayern überging, fiel das Bauwerk 1809/10 der Spitzhacke zum Opfer. An seiner Stelle entstand, als Sinnbild der Besitzergreifung, die neue Hauptwache, was an dieser prominenten Stelle sicherlich eine Schmach für manche Nürnberger darstellte. Recht amüsant beschreibt das "Machtgehabe" Peter Luginsland (alias Hanns Schödel) in seinem Büchlein "Das war´n halt noch Zeiten"

"... Man besehe sich diesen Aufzug der letzten Woche einmal genau: wie die paar Nürnberger Bummler da in dezentem Abstand das militärische Miniaturschauspiel bewundern. Man fühlt sich beinahe in den Zwergenstaat Monaco versetzt, wenn diese "Fähnlein der sieben Aufrechten" da seine genau einzuhaltenden Vorschriften vor allem Volke in die militärische Tat umsetzt. Im sicheren Schatten des Balkons steht sozusagen als "jupiter tonans" ein staatlicher Feldwebel, der sich angesichts seiner 16 Dienstjahre auch einen ansehnlichen Bauch stehen lassen durfte. Mit scharfen Augen beobachtet der Vorgesetzte das Tun seiner Untergebenen ..."

Peter Luginsland hat auch herausgefunden, dass die Militärbauverwaltung die Hauptwache 1898 an die Stadt Nürnberg verkaufte. Allerdings wurde dem Militär noch eine Weiternutzung für fünf Jahre eingeräumt. Auch den letzten Aufzug der Wache hat der Autor in seinem Buch verewigt:

"... Am 25 März (1903, Anm. d. Verf.) wurde die letzte Wache mit Regimentsmusik abgeholt, die vorher auf der Plattform spielte. Die Leutnants, die sonst immer mit auf Wache gezogen waren, spendierten den Gästen und den Herren vom Magistrat Bratwürste mit Sauerkraut und Bier. Gegen 1 Uhr zog die letzte Wache, von einer großen Menschenmenge begleitet, mit klingendem Spiel ab. ..."

Nachdem die bayerischen Soldaten 1903 in die Deutschhauskaserne verlegt wurden, nutzte die Handwerkskammer für Mittelfranken die Räumlichkeiten. Aber auch für andere repräsentative Veranstaltungen wurde das Gebäude im klassizistischen Stil genutzt. So stand es 1912 im Mittelpunkt, als der Festzug des deutschen Sängerbundesfestes feierlich vorbeizog. Die 40.000 Teilnehmer des sieben Kilometer langen Zuges wurden vom Vorplatz der Hauptwache aus von "Hans Sachs", "Albrecht Dürer" und anderen Nürnbergern Meistern begrüßt.

Ein weiteres großes Ereignis fand ebenfalls auf dem Areal im Schatten der Sebalduskirche statt. Die Eröffnungsfeier der "Nagelung des Eisernen Kreuzes" am 11. Juli 1915. Nürnberg hatte nämlich als erste bayerische Stadt, gemeinsam mit dem Roten Kreuz, einen "Fonds für die Hinterbliebenen gefallener Krieger" eingerichtet. Jeder konnte hiefür symbolisch einen Nagel stiften. Der Preis eines weißen Nagel betrug 2 Mark, ein Schwarzer war für 1 Mark zu haben, Kinder bezahlten 50 Pfennig. Die Stifter durften sich in einem aufgelegten Buch verewigen, das "als Erinnerungszeichen an den Völkerkrieg 1914/15 für spätere Geschlechter" im alten Rathaus zur Aufstellung kommen sollte. Wie einer Ansichtskarte zu entnehmen ist, war zu diesem Anlass ein großes "Eisernes Kreuz" vor der Hauptwache unter einem Pavillon aufgestellt.

Die Hauptwache wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. An ihrer Stelle sollte nach dem Willen der Lederer-Brauerei das ebenfalls in Schutt und Asche gebombte "Bratwurstglöcklein" wiedererstehen, zumindest was den Namen angeht. Das wiederum behagte der Stadt Nürnberg nicht. So steht an dieser Stelle heute das nicht minder beliebte "Bratwursthäusle". Warum das so ist, können Sie hier und hier nachlesen.


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Text: mw
Fotos:
Verwendete Literatur: DWZ, GAN2, GAN3, NRS, SLN

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