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Martin Behaim (II.) und der Behaim-Globus

Das Leben Martin Behaims wirft Fragen auf, von denen viele nur ungenügend beantwortet werden können. Manche der folgenden Daten und Fakten sind nicht im Detail belegt. Teils sich widersprechende Quellen einerseits und die Vermutung das Behaim mehr sein wollte als er wirklich war andererseits, machen selbst für Wissenschaftler eine stichhaltige Dokumentation schwierig. Auch das 1948, vom Stadtarchiv Nürnberg, erworbene Familienarchiv der Familie Behaim und das Briefarchiv des Germanischen Nationalmuseums können manche Spekulation leider nicht aufklären. Selbst das genaue Geburtsdatum Behaims wurde erst 1951 von Stadtarchivar Werner Schultheiß entdeckt.

Martin Behaim wurde am 6. Oktober 1459 als Sohn einer Patrizier- und Kaufmannsfamilie in Nürnberg geboren. Vermutlich besuchte der junge Martin anfangs die Schule bei St. Sebald, später soll es dann eine Privatschule gewesen sein wo er das Rechnen erlernte. Ihn zog es aber schon bald hinaus in die große weite Welt. Seine Ausbildung zum Tuchhändler begann er 1476 in Mecheln (Flandern), die er dann 1478 in Antwerpen fortsetzte. Bereits zu dieser Zeit betrieb er eigene Handelsgeschäfte in Bergen-op-Zoom und Frankfurt/Main. Mecheln war zu dieser Zeit ein führender Standort des Tuchgewerbes. Der Landstrich galt aber auch als politisch unruhig. Nachdem sein Dienstherr die Firma an einen deutschen Kaufmann verkauft hatte, und somit die Begleitung durch den Sohn seines Arbeitgebers zur Frankfurter Fastenmesse 1477 hinfällig wurde, traute sich Martin nicht, die Reise allein anzutreten.

Martin Behaim durfte ein Jahr später den Nürnberger Kaufmann Barthelmess von Eyb auf die Frankfurter Messe begleiten. Anscheinend hatte Martins Mutter von Eyb beauftragt ein Auge auf ihren Zögling zu werfen. Sie war es auch die ihm 300 Gulden für eigene Handelsaktivitäten überließ. Behaim kaufte auf Anraten von Eybs ungefärbtes englisches Tuch welches er färben ließ, in der Hoffnung es profitabel weiterverkaufen zu können.

Martin Behaim muss sehr lebenslustig gewesen sein, oder einfach nur töricht. Als er sich 1482/83 wieder in Nürnberg aufhielt, und auf einer jüdischen Hochzeit das Tanzverbot während der Fastenzeit missachtete, wurde er mit acht Tagen Arrest bestraft. Der Drang die Welt zu erkunden schien immer größer geworden zu sein und so beschloss er 1484 (bereits wieder in Antwerpen) seinen Lebensmittelpunkt nach Portugal zu verlagern.

Vermutungen für diese Entscheidung gehen von wirtschaftlichen Interessen aus. Es könnte auch das afrikanische Gold, das seit 1482 in Portugal umgeschlagen wurde, gewesen sein. Oder war es Abenteuerlust und der Drang nach Ruhm und Ehre der ihn zu diesem Schritt veranlasste? Und, hatte Behaim wirklich ein Empfehlungsschreiben von König Maximilian? Wir wissen es nicht.

In Portugal wurde er wahrscheinlich am 18.02.1485 zum Ritter geschlagen. Ob es den königlichen Ritterschlag wirklich gab, oder ob er nur zum "Schildknappen" ernannt wurde, der den Titel als Ehrenbezeichnung führen durfte, ist ebenfalls nicht genau überliefert. Warum ihm diese Ehre zuteil wurde, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es wird vermutet, dass dies mit Behaims Afrikareisen in dieser Zeit zu tun hat, die auch auf seinem Globus vermerkt sind.

Irgendwann vor 1489 heiratete Behaim Joãna de Macedo, die Tochter des Gouverneurs der Azoreninseln Fayal und Pico. Joãnas Mutter, Brites de Macedo, war eine Adelige. Dies schien Martin den Zugang zum portugiesischen Hof (unter König João II., 1481-95) ermöglicht zu haben.

Von 1490-93 verweilte Martin Behaim auf Heimaturlaub in Nürnberg. Sehr wahrscheinlich zwangen ihn familiäre Erbstreitigkeiten und der Verkauf seiner Liegenschaften zu seiner Rückkehr. (In dieser Zeit entstand der berühmte Behaim- Globus.) Behaim versuchte aber auch die Nürnberger Kauf- und Handelsleute für seine Seefahrten zu begeistern. In einem Brief (1493) seines Freundes Hieronymus Münzer wird dem portugiesischem König Behaim für das Projekt "Westfahrt" empfohlen.

Zurück in Portugal, brach Behaim in königlicher Mission nach Flandern auf. Er schrieb am 11. März 1494: "Nun in deszen jar bin ich widerome vom konig hier in Flandern zum konigs sun hier geschigt worden". Aber um welchen Königsohn soll es sich gehandelt haben? Wahrscheinlich war es Philipp der Schöne, Graf von Flandern und Sohn König Maximilians gemeint. Das Treffen fand aber nicht statt. Die Reise stand unter keinem glücklichen Stern. Sein Schiff wurde gekapert und er selbst in England eingesperrt. Man wollte ihn über sein vermeintliches Wissen über Perkin Warbeck, den Thronrivalen Heinrichs VII., aushorchen. Doch Behaim gelang, mit Hilfe eines gedungenen Seeräubers, die Flucht und kehrte über Frankreich und Flandern nach Portugal zurück.

Sein väterlicher Freund, Hieronymus Münzer, wollte 1494 der Pest in Nürnberg entfliehen und begab sich auf Auslandsreise. Neben Frankreich besuchte er auch Portugal. Im November/Dezember selben Jahres, hielt sich Münzer in Lissabon auf und wohnte bei Martins Schwiegervater. Ob er sich mit seinem langjährigen Freund traf, ist fraglich. War Behaim zwischenzeitlich auf die Azoren gereist?

Martin Behaim starb völlig verarmt am 29.07.1507 in Lissabon und wurde im dortigen Dominikanerkloster beigesetzt.

Trotz der zahlreichen Legenden um seine Person, lässt sich folgendes festhalten: Durch seine portugiesischen Entdeckungsfahrten entstand sein Globus und er wurde, neben anderen, von König João II. beauftragt die astronomischen Navigationsmethoden zu verbessern.



Der Behaim-Globus

Wie bereits erwähnt, entstand der älteste, erhaltene Erdglobus während Behaims Nürnberg-Aufenthalt von 1492-94. Der "Erdapfel" entstand in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern und Handwerkern aus Nürnberg.

Hans Glockengießer entwarf eine Kugel aus Lehm als Rohform, über die der Waagmeister Ruprecht Kolberger vier Lagen Leinwand legte, diese vernähte und mit Leim versteifte. Daraufhin wurde die Erdkugel in zwei Hälften geteilt und die Lehmform wieder entnommen. Die beiden Halbkugeln wurden anschließend mit einem Holzring an der Nahtstelle wieder verbunden. Weiter verfeinert wurde das Werkstück mit zusammengenähten, sich überlappenden Pergamentsegmenten die dann mit Papier überklebt wurden. Die fertige, noch rohe, Weltkugel wurde dann nach den Angaben Behaims durch Georg Glockendon, Hieronymus Münzer und Hartmann Schedel kunstvoll bemalt.

Das Gestell des Globus bestand ursprünglich aus einem hölzernen Standfuß und einem eisernen Meridianreif. 1510 wurde der Standfuß durch ein eisernes Dreibein ersetzt und ein Messinghorizontring hinzugefügt. Ein ledernes Futteral welches als Staubschutz dienen sollte, ist verloren gegangen.

Behaim nutzte für die Erstellung seines Globus neben den Erkenntnissen aus seinen eigenen Entdeckungsreisen auch ältere portugiesische Seekarten. Für die Legenden auf dem Behaim-Globus griff er auf Reisebeschreibungen Marco Polos und Johann von Mandevilles zurück. Ferner bediente er sich überlieferter Quellen von "Wissenschaftlern" aus der Antike und dem Mittelalter. Für den Erfindungs- und Ideenreichtum der Nürnberger Kaufleute, Erfinder, Künstler und Handwerker, sowie deren innovatives Handeln, steht seit dem späten Mittelalter das Synonym "Nürnberger Witz".

Der Behaim-Globus befand sich lange Zeit im Nürnberger Rathaus und ging schließlich in den Besitz der Familie Behaim über. Diese verkaufte das Meisterstück 1937 an das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, wo er auch heute noch bewundert werden kann.

Im Stadtbild erinnern noch die Martin-Behaim-Straße, das Behaim-Denkmal und das Martin-Behaim-Gymnasium an Nürnbergs weit gereisten Sohn.


Eine Eintragung an der Stelle des Kaps der guten Hoffnung auf dem Globus lautet*:

"Hier wurden die Säulen des Königs von Portugal am 18. Januar 1485 gesetzt. Als man zählte nach Christi Geburt 1484 Jahre, ließ der durchlauchtige König Johann II. von Portugal 2 Schiffe, Caravellen genannt, ausrüsten, bemannen, mit Lebensmitteln und mit Waffen versehen für 3 Jahre. Der Mannschaft und den Schiffsoffizieren wurde Befehl gegeben, über die Säulen, die Herkules in Afrika gesetzt hat (Straße von Gibraltar), hinauszufahren, immer gegen Mittag und gegen Aufgang der Sonne zu, soweit es ihnen möglich wäre. Auch versah der genannte König die Schiffe mit allerlei Waren und Kaufmannsgütern zum Verkauf und zum Verschenken. Auch 18 Rosse, mit allem Zeug kostbar gerüstet, wurden in den Schiffen mitgeführt, um den Mohrkönigen, je einem eins, zu schenken, wo es uns gut schien; und man gab uns auch allerlei Spezereiproben, um sie den Mohren zu zeigen, damit sie verstehen könnten, was wir in ihrem Lande suchen wollten. So ausgerüstet fuhren wir aus dem Hafen der Stadt Lissabon in Portugal und segelten zu der Insel Madeira, wo Portugals Zucker wächst, und durch die Insel Fortunatas (Kapverdische Inseln) und die wilden Canarien. Wir fanden Mohrenkönige, denen wir Schenkungen machten und die uns Gegengeschenke machten; dann kamen wir in das Königreich Gembia (Guinea), wo die Paradieskörner wachsen; das ist von Portugal 800 deutsche Meilen entfernt; darnach in König Furfurs Land (Nigeria) das ist 1200 Längen oder Meilen entfernt; daselbst wächst Pfeffer, den man Portugalpfeffer nennt. Fern von dort ist ein Land, wo wir Zimmetrinden wachsen fanden. Als wir nun ungefähr 2300 Meilen oder Längen von Portugal weggesegelt waren, kehrten wir wieder um und im 19. Monat kamen wir wieder zu unserem König."*

*Zitat aus: Nürnberg, Heimatgeschichtliches Lesebuch (s. Literatur)


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Martin Behaim-Denkmal
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Text: mw
Fotos: Uli Kowatsch
Verwendete Literatur: NHL, NOc, SLN

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